Deutsche Tageszeitung - Mehrheit der Deutschen fordert Stopp des Strompreisanstiegs

Mehrheit der Deutschen fordert Stopp des Strompreisanstiegs


Mehrheit der Deutschen fordert Stopp des Strompreisanstiegs
Mehrheit der Deutschen fordert Stopp des Strompreisanstiegs / Foto: ©

Nicht nur der Gaspreis steigt derzeit - auch Strom hat sich stark verteuert. Der Preis pro Kilowattstunde liegt für Haushalte aktuell bei knapp 30,6 Cent und damit auf einem neuen Allzeithoch, wie die Vergleichsportale Verivox und Check24 am Freitag mitteilten. Laut Verivox-Umfrage fordern drei Viertel der Bundesbürger von der kommenden Regierung, den Anstieg zu stoppen. Die Industrie klagt, der hohe Strompreis schade den Unternehmen "massiv".

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Für den hohen Strompreis gibt es unterschiedliche Gründe. Zum einen sind es die steigenden Preise für Erdgas und Steinkohle, aus denen Strom erzeugt wird. Auch die Preise für CO2-Zertifikate, also Verschmutzungsrechte, sind gestiegen. Mit dem Ende der Corona-Pandemie klettert zudem die Nachfrage nach Strom - gleichzeitig wird wegen des Steinkohleausstiegs und des windstilleren Septembers aber weniger produziert.

Der Börsenpreis für Strom liegt laut Check24 im September bei vorläufig 125,90 Euro pro Megawattstunde. Im Vorjahresmonat waren es 43,62 Euro gewesen.

Privathaushalte müssen "mit einer Reihe von Strompreiserhöhungen rechnen", erklärte Steffen Suttner, Geschäftsführer Energie bei Check24. Neun Grundversorger haben demnach bereits ihre Preise erhöht oder Erhöhungen angekündigt. Im Durchschnitt betragen diese Erhöhungen demnach 2,8 Prozent.

Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) erklärte, die nächste Bundesregierung müsse als eine ihrer ersten Aufgaben die hohen Strompreise angehen. Sie müsse staatliche Lasten auf den Strompreis reduzieren, etwa durch die Senkung der EEG-Umlage zum Ausbau der erneuerbaren Energien. "Niedrigere Strompreise sind essenziell für einen wettbewerbsfähigen Standort Deutschland und die notwendige Umstellung auf direkte und indirekte Elektrifizierung."

In der Online-Umfrage von Verivox unter 1000 Deutschen im Alter von 18 bis 69 Jahren sagten 70 Prozent, sie rechneten nicht damit, dass Steuern und Abgaben auf Strom in der kommenden Legislaturperiode sinken werden - 50 Prozent aber wünschen sich genau das. 39 Prozent der Befragten plädieren für einen staatlichen Preisdeckel.

Eine Verlängerung des Kohleausstiegs können sich laut Umfrage nur zwölf Prozent der Teilnehmer vorstellen. Doch fast ein Drittel (31 Prozent) würde für günstigeren Strom an der Atomkraft festhalten. Die Zustimmung zur Kernenergie ist damit innerhalb von drei Jahren um elf Prozentpunkte gestiegen, wie Verivox mitteilte.

"Fast alle Parteien sind sich einig, dass die hohen Strompreise für Verbraucher und die Industrie eine Belastung sind", sagte Verivox-Energieexperte Thorsten Storck. "Nach der Wahl sollte die Abgabenlast auf Strom deshalb zügig gesenkt werden, beispielsweise durch eine Abschaffung der EEG-Umlage oder eine Senkung der Stromsteuer."

Der Bundesverband Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) beziffert in seiner Strompreisanalyse vom Juni den Anteil von Steuern, Abgaben und Umlagen beim Haushaltsstrom auf 51 Prozent - die restlichen 49 Prozent des Preises setzen sich auf Beschaffungskosten, Netzentgelt und Vertrieb zusammen. Beim Industriestrom betragen diese Anteile demnach 48 Prozent für Steuern, Abgaben und Umlagen und 52 Prozent für Beschaffung, Netzentgelt und Betrieb.

Der Verband berechnet einen Durchschnittspreis von 31,94 Cent pro Kilowattstunde Strom für Haushalte in diesem Jahr. 6,50 Cent davon beträgt die EEG-Umlage. Sie sinkt - das ist schon beschlossen - im kommenden Jahr auf 6,0 Cent, für Haushalte wie für Unternehmen. Die Stromsteuer beträgt laut BDEW in diesem Jahr 2,05 Cent für Haushaltsstrom.

Die EEG-Umlage wird nach Angaben der Regierung knapp zur Hälfte von Unternehmen und zu gut einem Drittel von den privaten Haushalten getragen, der Rest entfällt größtenteils auf öffentliche Einrichtungen. Allerdings können Unternehmen aus besonders stromintensiven Branchen Rabatte erhalten, um Wettbewerbsnachteilen vorzubeugen.

(N.Loginovsky--DTZ)

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