Deutsche Tageszeitung - Experten erwarten mehr Insolvenzen im Jahr 2022

Experten erwarten mehr Insolvenzen im Jahr 2022


Experten erwarten mehr Insolvenzen im Jahr 2022
Experten erwarten mehr Insolvenzen im Jahr 2022 / Foto: ©

Die Anzahl der Unternehmensinsolvenzen dürfte im kommenden Jahr weltweit wieder ansteigen - allerdings ausgehend von einem sehr niedrigen Niveau. Für 2022 sei ein Anstieg der Insolvenzen um rund 15 Prozent zu erwarten, erklärte die Kreditversicherungsgesellschaft Euler Hermes am Mittwoch. Trotz des erwarteten Anstiegs werden die globalen Fallzahlen im Jahr 2022 jedoch weiterhin vier Prozent niedriger liegen als im Jahr 2019. Grund für die aktuell niedrigen Insolvenzzahlen seien staatliche Unterstützungsmaßnahmen.

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"Die staatlichen Unterstützungsmaßnahmen haben ihr Ziel erreicht, möglichst viele Insolvenzen zu verhindern", erklärte der Leiter der Branchen- und Insolvenzanalyse bei Euler Hermes, Maxime Lemerle. In Westeuropa verhinderten die Maßnahmen demnach die Hälfte aller Insolvenzen, in den USA jede dritte. Im Jahr 2021 sei keine Trendwende zu erwarten. "Erst ab 2022 dürfte sich das weltweite Insolvenzgeschehen wieder sukzessive normalisieren", erklärte Lemerle.

Deutschland steht im internationalen Vergleich gut da: Für 2021 sei ein weiterer Rückgang der Insolvenzen um fünf Prozent zu erwarten, ähnliche Fallzahlen gab es zuletzt Anfang der neunziger Jahre. Eine Entwarnung sei dies allerdings nicht, erklärte Lemerle. "Zwar waren die Fallzahlen rückläufig – die erwarteten durchschnittlichen Schäden pro Insolvenz für die betroffenen Unternehmen haben sich im ersten Halbjahr 2021 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum mehr als verdoppelt."

So lagen die erwarteten Schäden pro Insolvenz im ersten Halbjahr 2020 in Deutschland bei durchschnittlich 1,8 Millionen Euro. Im gleichen Zeitraum im laufenden Jahr betrugen sie hingegen 4,3 Millionen Euro. 2022 werden voraussichtlich außerdem auch die Insolvenzen in Deutschland um rund neun Prozent zunehmen.

"Die relativ gute Ausgangslage, eines der größten staatlichen Unterstützungsprogramme und die wieder anziehende Weltwirtschaft haben deutschen Unternehmen eine gute Startposition verschafft, um sich auf die neue Normalität einzustellen", erklärte Lemerle. "Dennoch sollten sie Risiken im In- und Ausland nicht unterschätzen."

Der Vorsitzende des Bundesverbands der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR), Andreas Martin, warnte vor den Gefahren einer zu niedrigen Insolvenzquote. Dauerhaft ertragsschwache Unternehmen verblieben so auf dem Markt und binden langfristig Ressourcen, die von neuen, innovativen Firmen benötigt werden. "Die nächste Bundesregierung sollte mit dem Abklingen der Pandemie daher so bald wie möglich aus dem Krisenmodus aussteigen", forderte Martin. "Sie ist zudem mehr denn je gefordert, die Rahmenbedingungen für Gründungen zu verbessern".

(O.Tatarinov--DTZ)

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