Deutsche Tageszeitung - Studie: Energiekonzern Total hat Klimawandel bewusst heruntergespielt

Studie: Energiekonzern Total hat Klimawandel bewusst heruntergespielt


Studie: Energiekonzern Total hat Klimawandel bewusst heruntergespielt
Studie: Energiekonzern Total hat Klimawandel bewusst heruntergespielt / Foto: ©

Der französische Energiekonzern Total hat nach einer wissenschaftlichen Studie schon in den 70er Jahren von den schädlichen Auswirkungen der fossilen Energien auf das Klima gewusst. Später habe der Konzern versucht, politische Maßnahmen zur Reduzierung der CO2-Emissionen zu verhindern. Das ist das Ergebnis einer Studie von Wissenschaftlern aus Frankreich und den USA, die die Zeitschrift "Global Environmental Change" am Mittwoch veröffentlichte. Für die Studie werteten die Autoren Archive des Konzerns, interne Berichte und Interviews aus.

Textgröße ändern:

So hieß es bereits 1971 in einer Veröffentlichung des Unternehmens, dass die Verbrennung fossiler Energieträger die "Freisetzung enormer Mengen Kohlendioxid" zur Folge habe. Dies führe zu einer "besorgniserregenden Zunahme" von CO2 in der Atmosphäre, hieß es weiter. Diese Erkenntnis habe dann aber weiter keine Rolle gespielt, betonten die Wissenschaftler.

Der Umweltdirektor des Ölkonzerns Elf und später von Total, Bernard Tramier, sagte in einem Interview, dass er 1984 über die Folgen des Klimawandels Bescheid wusste. Zwei Jahre später habe er die Unternehmensführung gewarnt: "Die Ölindustrie muss sich erneut darauf einstellen, sich zu verteidigen."

"Wir hatten gedacht, dass Exxon und die amerikanischen Konzerne ein doppeltes Spiel spielten. Nun wird deutlich, dass auch unsere französischen Ölkonzerne mindestens zwischen 1987 und 1994 daran beteiligt waren", sagte Christophe Bonneuil, einer der Autoren der Studie, der Nachrichtenagentur AFP.

Seit den 90ern habe der Konzern seine Strategie geändert. "Die französische Ölindustrie hat die Klimawissenschaft nicht mehr in Frage gestellt, aber weiter in die Öl- und Gasproduktion investiert", heißt es in der Studie. In den 2000er Jahren habe der Konzern dann eine Rollenverteilung vorgenommen: "Die Wissenschaft beschreibt den Klimwandel, und die Unternehmen geben vor, Lösungen zu finden", resümieren die Autoren.

In einer schriftlichen Reaktion auf die Studie, die AFP vorliegt, betonte das Unternehmen: "Das Wissen von TotalEnergies um das Klimarisiko entspricht den wissenschaftlichen Veröffentlichungen der Epoche." Seit 2015 verfolge der Konzern das Ziel "ein wichtiger Akteur der Energiewende zu werden".

(W.Uljanov--DTZ)

Empfohlen

Bericht: EU importiert wieder mehr Flüssiggas aus Russland

Trotz der europäischen Bemühungen um ein Ende der Abhängigkeit von Moskaus Energielieferungen ist die Menge von aus Russland in die EU importiertem Flüssiggas (LNG) einem Bericht zufolge wieder gestiegen. Die EU-Staaten hätten im Juni 14 Prozent mehr LNG aus Russland importiert als ein Jahr zuvor, berichtete die "Welt am Sonntag" unter Berufung auf Daten des Forschungszentrums Centre for Research on Energy and Clean Air (CREA).

BUND kritisiert Lockerung von Sonn- und Feiertagsfahrverbot für Lastwagen

Die Umweltschutzorganisation BUND hat die Lockerung des Fahrverbots für Lastwagen an Sonn- und Feiertagen scharf kritisiert. Es sei keine Lösung, wegen des Niedrigwassers in Flüssen "den Schiffstransport jetzt durch hunderte oder tausende Lkw-Fahrten zu ersetzen", sagte der Verbandsvorsitzende Olaf Bandt der "Rheinischen Post" (Samstagsausgabe). Dies werde "Menschen und Klima" belasten.

"Rente mit 63": Unionsfraktionschef Frei offen für Härtefall- und Übergangslösungen

In der Debatte um die Abschaffung der "Rente mit 63" hat sich Unionsfraktionschef Thorsten Frei (CDU) zu Zugeständnissen bereit gezeigt. "Eine Härtefallregelung bei der Abschaffung der 'Rente mit 63' ist in jedem Fall angezeigt, und auch über eine Übergangsregelung wird man reden", sagte Frei den Funke-Zeitungen vom Samstag. Mehrere CDU-Ministerpräsidenten aus Ostdeutschland hatten gefordert, am abschlagsfreien Renteneintritt nach 45 Beitragsjahren festhalten.

Ceuta-Andrang: EU fordert von Meta und Tiktok Vorgehen gegen Falschinformationen

Nach dem Massenandrang von Migranten auf die spanische Exklave Ceuta hat EU-Digitalkommissarin Henna Virkkunen von den Konzernen Meta und Tiktok ein entschiedeneres Vorgehen gegen Falschinformationen in Krisenzeiten gefordert. "Die Plattformen müssen entschlossen handeln, um die Integrität des digitalen Raums zu wahren, insbesondere in Krisensituationen", erklärte Virkkunen am Freitagabend im Onlinedienst X. "Die Überwachung muss verstärkt und die Zusammenarbeit mit Faktenprüfern gefestigt werden."

Textgröße ändern: