Deutsche Tageszeitung - Studie: Fachkräftemangel fällt stärker aus als erwartet

Studie: Fachkräftemangel fällt stärker aus als erwartet


Studie: Fachkräftemangel fällt stärker aus als erwartet
Studie: Fachkräftemangel fällt stärker aus als erwartet / Foto: ©

Der Fachkräftemangel in deutschen Unternehmen fällt laut einer aktuellen Umfrage der Bertelsmann Stiftung noch stärker aus als im vergangenen Jahr erwartet. 66 Prozent der befragten Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger in Unternehmen gaben an, dass in ihrem Betrieb aktuell ein Fachkräftemangel bestehe, wie die Bertelsmann Stiftung am Donnerstag mitteilte. Ende 2020 hatten 54 Prozent der Befragten mit einem Fachkräftemangel im Jahr 2021 gerechnet.

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Zuwanderung spielte im Kampf gegen den Fachkräftemangel für viele Unternehmen jedoch nur eine untergeordnete Rolle. Lediglich 16 Prozent der Unternehmen setzten laut der Umfrage auf die Rekrutierung von Fachkräften aus dem Ausland. Wichtiger waren demnach die Ausbildung im eigenen Betrieb (47 Prozent), bessere Regelungen zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf (41 Prozent) sowie Weiterbildungsmöglichkeiten (39 Prozent).

Die Unternehmensvertreterinnen und -vertreter nannten verschiedene Gründe für die Zurückhaltung bei der Anwerbung ausländischer Fachkräfte. Am häufigsten genannt wurden sprachliche Barrieren (45,2 Prozent) und Schwierigkeiten bei der Einschätzung ausländischer Berufsabschlüsse (40,2 Prozent). Auch falsche Vorstellungen bei den Bewerberinnen und Bewerbern waren demnach ein Hindernis (36,7 Prozent).

Die Anwerbung ausländischer Fachkräfte würde sich durchaus lohnen, denn eine Trendumkehr ist laut der Studie nicht zu erwarten. 67 Prozent der Unternehmen gaben an, im kommenden Jahr voraussichtlich über weniger Fachkräfte zu verfügen, als sie benötigten.

"Fachkräfteengpässe verschärfen sich weiter und ein Ende ist nicht in Sicht", erklärte der Migrationsexperte der Bertelsmann Stiftung, Matthias Mayer. Nachhaltige Lösungen seien gefragt, um dem demographischen Wandel zu begegnen. "Dabei spielt Zuwanderung neben Aus- und Weiterbildung eine wichtige Rolle".

Das Anfang 2020 verabschiedete Fachkräfteeinwanderungsgesetz sei dabei eine gute Grundlage, erklärte Mayer. Die Regelungen des Gesetzes müssten nun jedoch konsequent umgesetzt werden. So müssten ausländische Ausbildungen leichter anerkannt und besser nachvollziehbar gemacht werden. Deutschland müsse die Möglichkeiten des Fachkräfteeinwanderungsgesetzes noch besser nutzen, um dort "ausländische Fachkräfte mit mittlerer Qualifikation" zu erreichen, wo der Mangel besonders groß sei, erklärte Mayer.

Besonders betroffen waren vom Fachkräftemangel demnach der Pflegebereich und der Gesundheitssektor. Gesucht würden insbesondere Menschen mit abgeschlossener Berufsausbildung: 48 Prozent der Unternehmen berichteten hier von Engpässen. Nach Akademikerinnen und Akademikern suchten hingegen nur 27 Prozent der Firmen.

An der Civey-Umfrage im Auftrag der Bertelsmann Stiftung beteiligten sich zwischen dem 10. August und dem 3. Oktober 2021 je nach Frage zwischen 7500 und 500 Entscheidungsträger aus deutschen Unternehmen. Die teilnehmenden Unternehmen hatten eine Mindestgröße von zehn Mitarbeitenden.

(M.Dorokhin--DTZ)

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