Deutsche Tageszeitung - Lufthansa zahlt alle seine Corona-Finanzhilfen zurück

Lufthansa zahlt alle seine Corona-Finanzhilfen zurück


Lufthansa zahlt alle seine Corona-Finanzhilfen zurück
Lufthansa zahlt alle seine Corona-Finanzhilfen zurück / Foto: ©

Früher als geplant hat die Lufthansa alle Corona-Hilfen des Staates zurückgezahlt. Am Freitag sei eine Milliarde Euro an den Wirtschaftsstabilisierungsfonds (WSF) der Bundesrepublik gegangen, nicht abgerufene Mittel seien zudem gekündigt worden, teilte die Lufthansa mit. Konzernchef Carsten Spohr sprach von einem "mentalen Befreiungsschlag".
 
Die Lufthansa hatte in der Corona-Krise mit der Bundesregierung und der EU-Kommission ein insgesamt neun Milliarden Euro schweres staatliches Rettungspaket ausgehandelt - drei Milliarden Euro als Darlehen der staatlichen Förderbank KfW und sechs Milliarden Euro aus dem WSF. Der Konzern nahm nach eigenen Angaben rund 3,8 Milliarden Euro in Anspruch.
 
Darin enthalten sind rund 306 Millionen Euro, mit denen der WSF seine Aktienbeteiligung am Unternehmen aufbaute. Der Fonds will die Anteile früheren Angaben zufolge frühestens in fünf Monaten verkaufen - spätestens aber bis Oktober 2023.
 
Die Lufthansa hatte bereits im Februar einen Kredit der staatlichen Förderbank KfW in Höhe von einer Milliarde Euro vorzeitig getilgt. Im Oktober zahlte der Konzern 1,5 Milliarden Euro an den WSF, nun eine weitere Milliarde.
 
Die Rückzahlungen ermöglicht hätten vor allem "die steigende Nachfrage nach Flugreisen, die schnelle Restrukturierung und Transformation" sowie "das Vertrauen der Kapitalmärkte in das Unternehmen", teilte Lufthansa mit. Der Konzern gab seit November 2020 mehrere Anleihen aus und lieh sich so Geld von Investoren; im Oktober gab die Airline neue Aktien aus und sammelte so knapp 2,2 Milliarden Euro ein. Der Konzern strich zudem mehr als 30.000 Stellen.
 
Lufthansa-Chef Carsten Spohr erklärte am Freitag, er bedanke sich im Namen aller Beschäftigten bei der Bundesregierung und den Steuerzahlern. "In der schwersten finanziellen Krise unserer Unternehmensgeschichte haben sie uns eine Zukunftsperspektive gegeben. Dadurch konnten wir mehr als 100.000 Arbeitsplätze erhalten."
 
Gegenüber Journalisten sagte Spohr: "Als wir nach den drei besten Jahren unserer Unternehmensgeschichte plötzlich auf finanzielle Hilfe angewiesen waren, war das ein großer Schock. Dass wir nun vor fast allen anderen in der Branche finanziell wieder auf eigenen Beinen stehen können, ist deshalb mental sehr wichtig." Auch nach Rückzahlung aller Kredite und Einlagen an den WSF bleibe "noch mehr als dreimal so viel Liquidität wie vor der Krise".
 
Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) erklärte, die frühzeitige Rückzahlung zeige, dass die in der Corona-Pandemie eingesetzten Instrumente "wirken" und "die richtigen Anreize für eine rasche Rückkehr zur Selbständigkeit" setzen. Der WSF habe als Kriseninstrument funktioniert.
 
Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) erklärte: "Der Kranich hat wieder ordentlich Auftrieb." Die Hilfe sei zudem ein gutes Geschäft für die Staatskasse gewesen – "denn wie es aussieht, wird der Staat am Ende seines Engagements ein Plus machen."
 
Medienkreise berichteten vorab aus seiner neuen Ausgabe, dass aktuell das Schweizer Catering-Unternehmen Gategroup um Hilfe vom WSF bittet. Gategroup hatte im Dezember 2020 das Europageschäft der Lufthansa-Tochter LSG endgültig übernommen. Die Hilfe ist möglich, weil das Schweizer Unternehmen Standorte in Deutschland hat - um wieviel Geld es gehen soll, wird laut "Spiegel" noch geprüft. Die Übernahme der LSG bereue Gategroup aber nicht, berfuhr DEUTSCHE TAGESZEITUNG. "Mittel- und langfristig bietet die Übernahme für uns weiterhin eine gute Perspektive."  (L.Møller--DTZ)

Empfohlen

Klüssendorf stellt Aus für "Rente mit 63" infrage

SPD-Generalsekretär Tim Klüssendorf stellt das von den Koalitionsspitzen im Grundsatz bereits verabredete Aus für die abschlagsfreie Rente für besonders langjährig Versicherte wieder infrage. In der "Bild"-Zeitung vom Samstag betonte er, deren Abschaffung sei "immer eine zentrale Forderung der CDU" gewesen. Für die SPD wäre dies hingegen allenfalls "ein schmerzhafter Bestandteil eines Gesamtpakets zur Rentenreform".

Frei pocht auf Aus für abschlagsfreie Rente bei ab 45 Versicherungsjahren

Unionsfraktionschef Thorsten Frei (CDU) pocht auf das Aus für die abschlagsfreie Rente für besonders langjährig Versicherte. "Was die Rente mit 63 anbelangt, glaube ich, dass der Vorschlag, den die Alterssicherungskommission gemacht hat, ein wirklich kluger Vorschlag ist", sagte Frei der "Bild"-Zeitung. Der CDU-Politiker wandte sich damit gegen Einwände mehrerer ostdeutscher Ministerpräsidentinnen und -präsidenten auch von seiner eigenen Partei.

DB-Chefin Palla beklagt "organisierte Verantwortungslosigkeit" im Konzern

Die Chefin der Deutschen Bahn (DB), Evelyn Palla, hat eine "organisierte Verantwortungslosigkeit" im Staatskonzern beklagt. Das müsse der Vergangenheit angehören, sagte Palla laut Vorabmeldung vom Samstag der "Welt am Sonntag". Pünktlichkeit beginne mit einer "klaren und transparenten Verantwortungsallokation an der richtigen Stelle".

Energiekonzern BP will sein Nordseegeschäft verkaufen

Der britische Öl- und Gaskonzern BP will seine Geschäftsaktivitäten in der Nordsee verkaufen. Die Nordsee spiele nach wie vor eine zentrale Rolle im britischen Energiesystem, erklärte BP-Chefin Meg O'Neill am Freitag. Der Konzern wolle jedoch sein Kapital auf die vielversprechendsten Möglichkeiten konzentrieren und sei daher der Ansicht, "dass unser Nordseegeschäft als Teil eines anderen Unternehmens besser aufgestellt sein wird".