Deutsche Tageszeitung - Hunderte Strom- und Gasversorger heben ihre Preise an

Hunderte Strom- und Gasversorger heben ihre Preise an


Hunderte Strom- und Gasversorger heben ihre Preise an
Hunderte Strom- und Gasversorger heben ihre Preise an / Foto: ©

Hunderte Strom- und Gasversorger haben in den vergangenen Monaten ihre Preise angehoben oder Preiserhöhungen zum Jahreswechsel angekündigt. Für Millionen Verbraucherinnen und Verbraucher bedeutet dies nach Angaben von Vergleichsportalen teils erhebliche Mehrkosten. Deutschlands oberster Verbraucherschützer Klaus Müller sieht deshalb auch die Politik in der Pflicht - und fordert ein höheres Wohngeld und das Aussetzen von Energiesperren.

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Wie die "Bild am Sonntag" berichtete, ergab eine Auswertung des Tarifportals Switchup für die Zeitung, dass 180 Strom- und 392 Gas-Grundversorger im zweiten Halbjahr 2021 oder zum kommenden Jahreswechsel Preiserhöhungen ankündigten. Der durchschnittliche Preisaufschlag lag demnach bei 10,8 Prozent für Strom und bei 26,6 Prozent für Gas.

Auf eine vierköpfige Familie gerechnet entspreche dies einer Mehrbelastung von insgesamt 581 Euro im Jahr, berichtete die Zeitung weiter. Demnach entfielen davon 177 Euro Mehrkosten auf den Strom und 404 Euro auf Gas. Einzelne Anbieter hätten ihre Preise mehr als verdoppelt und verlangten bis zu 54 Cent pro Kilowattstunde Strom und 19 Cent pro Kilowattstunde Gas.

Bei Preisänderungen zum Jahreswechsel hatten die Grundversorger bis zum Freitag Zeit, diese anzukündigen. Nach Angaben des Vergleichsportals Check24 gibt es beim Gas sogar 439 Grundversorger, die bereits ihre Preise erhöht oder dies angekündigt haben - im Durchschnitt belaufen sich die Preiserhöhungen demnach auf 24,6 Prozent und betreffen rund 2,7 Millionen Haushalte.

Beim Strom haben laut Check24 insgesamt 192 Grundversorger bereits Preise erhöht oder dies angekündigt. Betroffen von den Erhöhungen von im Schnitt 9,0 Prozent seien rund 1,6 Millionen Haushalte. Lediglich 21 Stromgrundversorger senken demnach die Preise zum Jahreswechsel um durchschnittlich 2,3 Prozent.

Auch nach Angaben des Vergleichsportals Verivox ist bei den Strompreisen, die für Haushalte in Deutschland "höher als nirgendwo sonst auf der Welt" seien, keine Entlastung in Sicht. Seit der zweiten Jahreshälfte hätten 194 regionale Stromversorger Preiserhöhungen von durchschnittlich sieben Prozent angekündigt. Von den Strompreiserhöhungen sind demnach rund 1,5 Millionen Haushalte betroffen. Strompreissenkungen gebe es bei 22 regionalen Stromversorgern; rund 0,9 Millionen Haushalte würden hier im Schnitt um 31 Euro entlastet.

Auch im kommenden Jahr bleibe Deutschland wohl "Strompreisweltmeister", erklärte Verivox-Energieexperte Thorsten Storck. Die EEG-Umlage zur Förderung des Ökostroms in Deutschland, die im kommenden Jahr von 6,5 Cent auf 3,7 Cent pro Kilowattstunde abgesenkt wird, verringere sich zwar "deutlich", doch steigende Netzgebühren und hohe Beschaffungskosten sorgten "weiterhin für Preisdruck".

Die Börsenstrompreise sind nach Angaben der Vergleichsportale stark gestiegen. Grund dafür sind laut Check24 unter anderem die steigende Nachfrage nach Elektrizität und "geringere Erzeugungskapazitäten aufgrund des Steinkohleausstiegs" - aber auch der steigende Preis für Erdgas.

Beim Gas wiederum zwingen nach Einschätzung von Verivox-Experte Storck "der steigende CO2-Preis, höhere Netzgebühren und historisch hohe Großhandelspreise" die meisten Versorger dazu, ihre Preise zu erhöhen. Check24 verwiest darauf, dass viele Gasspeicher in Europa derzeit deutlich leerer als sonst zu der Jahreszeit seien. Gleichzeitig hatte zuletzt die Nachfrage nach Gas mit dem Ende vieler Corona-Beschränkungen und der wieder erstarkenden Wirtschaft angezogen.

Der Vorstand des Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbv), Klaus Müller, appellierte angesichts der Preiserhöhungen an die Politik. "Nötig sind ein höheres Wohngeld, ein Aussetzen von Strom- und Gassperren sowie Tempo beim Ausstieg aus den fossilen Energien", sagte er der "Bild am Sonntag". Niemand dürfe "wegen der Preissprünge frieren", forderte er.

(O.Tatarinov--DTZ)

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