Deutsche Tageszeitung - Fachkräftemangel wird für die deutsche Wirtschaft zunehmend zur Bremse

Fachkräftemangel wird für die deutsche Wirtschaft zunehmend zur Bremse


Fachkräftemangel wird für die deutsche Wirtschaft zunehmend zur Bremse
Fachkräftemangel wird für die deutsche Wirtschaft zunehmend zur Bremse / Foto: ©

Der Fachkräftemangel wird für die deutsche Wirtschaft zu einem immer größeren Problem. Laut einer Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) kann mehr als die Hälfte der Unternehmen derzeit offene Stellen zumindest vorübergehend nicht besetzen. Dies sei "spürbar mehr als ohnehin schon vor Ausbruch der Corona-Krise", erklärte der DIHK am Montag in seinem aktuellen Fachkräftereport.

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Für den Report wurden die Antworten von rund 23.000 Unternehmen ausgewertet. Demnach geben 51 Prozent von ihnen an, für offene Stellen zumindest teilweise keine passenden Arbeitskräfte zu finden - "und das, obwohl die Krise und die wirtschaftlichen Schwierigkeiten in vielen Betrieben nicht überstanden sind und der Konjunkturaufschwung schwächelt", erklärte der stellvertretende DIHK-Hauptgeschäftsführer Achim Dercks.

Das bedeute nicht nur einen deutlichen Zuwachs gegenüber Herbst 2020, als lediglich 32 Prozent der Unternehmen von Fachkräfteengpässen berichtet hatten, sondern auch ein Plus gegenüber der Lage vor der Corona-Krise: Im Herbst 2019 hatten 47 Prozent der Betriebe Schwierigkeiten beim Gewinnen neuer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beklagt.

"Der Fachkräftemangel in den Betrieben ist zurück: schneller und in größerem Umfang als von vielen erwartet", sagte Dercks. In den kommenden Jahren werde es für die Unternehmen nun ein immer mühsameres Geschäft, sich gegen die Engpässe zu stemmen.

Die größten Lücken bei qualifiziertem Personal meldet laut DIHK-Report die Bauwirtschaft, in der 66 Prozent der Betriebe von Stellenbesetzungsproblemen berichten. Den stärksten Anstieg gibt es unter den Industrieunternehmen mit nun 53 Prozent nach 29 Prozent im Herbst 2020.

Insgesamt erwarten 85 Prozent der Unternehmen negative Auswirkungen durch den wachsenden Fachkräftemangel. 61 Prozent der Betriebe sorgen sich um eine Mehrbelastung ihrer Belegschaften, 58 Prozent erwarten als Folge von Engpässen steigende Arbeitskosten - eine Entwicklung, die laut DIHK "die anziehende Inflation noch weiter befeuern könnte". Außerdem gehen 43 Prozent der Unternehmen davon aus, dass sie Aufträge ablehnen oder ihr Angebot reduzieren müssen, weil nötiges Personal fehlt.

Dercks verwies zudem auf die Folgen auch über einzelne Wirtschaftsbereiche hinaus, wenn beispielsweise Lkw-Fahrer fehlen und deshalb womöglich industrielle Produktionsprozesse ins Stocken geraten. "Und fehlen Fachkräfte etwa zur Verlegung von Glasfaserkabeln, verlangsamt sich der dringend erforderliche Ausbau der Breitband-Infrastruktur", erklärte er.

Insgesamt liegt die Zahl der aktuell nicht besetzten Stellen laut DIHK-Schätzung bei 1,7 bis 1,8 Millionen. "Das bremst die Wertschöpfung grob geschätzt um rund 90 Milliarden Euro - also circa 2,5 Prozent des Bruttoinlandsproduktes", erklärte Dercks. "Damit erweist sich der Fachkräftemangel als enorme Wachstumsbremse."

Nötig sei nun, Aus- und Weiterbildung zu stärken sowie technische Ausstattung und Arbeits- und Lernbedingungen in den Berufsschulen zu verbessern. Zudem gilt es laut DIHK aus Sicht der Betriebe, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf weiter zu stärken und die Regeln zur Fachkräftezuwanderung zu erleichtern.

(W.Uljanov--DTZ)

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