Deutsche Tageszeitung - Bündnis fordert von neuem Minister Özdemir "klare Kante" gegen Lebensmittel-Lobby

Bündnis fordert von neuem Minister Özdemir "klare Kante" gegen Lebensmittel-Lobby


Bündnis fordert von neuem Minister Özdemir "klare Kante" gegen Lebensmittel-Lobby
Bündnis fordert von neuem Minister Özdemir "klare Kante" gegen Lebensmittel-Lobby / Foto: ©

Das Medizin- und Wissenschaftsbündnis DANK hat den designierten Ernährungsminister Cem Özdemir (Grüne) dazu gedrängt, "klare Kante" gegenüber der Lebensmittel-Lobby zu zeigen. Der Einfluss der Lebensmittelwirtschaft auf die Ernährungspolitik der Ampel-Koalition müsse "von Beginn an begrenzt werden, um eine Verwässerung zu Lasten des Verbraucher- und Gesundheitsschutzes zu verhindern", forderte die Deutsche Allianz Nichtübertragbare Krankheiten (DANK) am Mittwoch.

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Die neue Regierung aus SPD, Grünen und FDP will laut Koalitionsvertrag bis 2023 eine Ernährungsstrategie entwickeln, die besonders Kinder in den Fokus nimmt. Geplant ist unter anderem, an Kinder gerichtete Werbung für Lebensmittel mit hohem Zucker-, Fett- und Salzgehalt einzuschränken. Pflanzliche Alternativen zu Fleischprodukten sollen zudem gestärkt und der Anteil regionaler und ökologischer Erzeugnisse erhöht werden, etwa in der Gemeinschaftsverpflegung.

Aus der Branche werde Widerstand erwartet, erklärte die DANK. Wirksame Maßnahmen zur Eindämmung ernährungsbedingter Krankheiten müssten allerdings trotzdem durchgesetzt werden, denn "anders ließen sich die Übergewichts- und Diabetes-Epidemie mit ihren dramatischen Folgen nicht stoppen", warnte das Bündnis, dem eine ganze Reihe von Verbänden im Kampf gegen Diabetes, Krebs oder Adipositas angehören.

Der designierte Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) soll am Mittwoch im Bundestag zum Nachfolger von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) gewählt werden. Sein Kabinett soll ebenfalls am Mittwoch vereidigt werden, Özdemir tritt dann die Nachfolge von Landwirtschafts- und Ernährungsministerin Julia Klöckner (CDU) an.

"Die Lebensmittel-Lobby hat die letzten Jahre alles versucht, um wirksame Maßnahmen zur Förderung einer gesunden Ernährung zu verhindern – meistens mit Erfolg", erklärte DANK-Sprecherin Barbara Bitzer, die zugleich Geschäftsführerin der Deutschen Diabetes Gesellschaft ist. "Mit dem Wechsel an der Spitze des Ministeriums erhoffen wir uns auch eine Kehrtwende in der Ernährungspolitik". Statt freiwilliger Selbstverpflichtungen seien "verbindliche Vorgaben" nötig.

Zur geplanten Ernährungsstrategie der Koalition erklärte das Bündnis, es sei "ein großer Fortschritt", Werbung an Kinder einzuschränken. Jedoch fehle eine Sondersteuer oder Herstellerabgabe für Süßgetränke, ähnlich wie in Großbritannien. Das sei "überfällig, um zur Reduktion des Zuckeranteils und des Konsums der gesundheitsschädlichen Produkte beizutragen". Für seine Arbeit als Minister bot das Bündnis Özdemir seine Unterstützung an.

(W.Uljanov--DTZ)

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