Deutsche Tageszeitung - EU-Kommission legt Vorschläge für neue Gebäuderichtlinie vor

EU-Kommission legt Vorschläge für neue Gebäuderichtlinie vor


EU-Kommission legt Vorschläge für neue Gebäuderichtlinie vor
EU-Kommission legt Vorschläge für neue Gebäuderichtlinie vor / Foto: ©

Die EU-Kommission hat Pläne für eine neue Richtlinie für mehr Klimaschutz im Gebäudesektor vorgelegt. Ziel ist die Sanierung von mehr Gebäuden für mehr Energieeffizienz, wie die Kommission am Mittwoch in Brüssel mitteilte. Ab 2030 sollen alle neuen Gebäude komplett klimaneutral sein.

Textgröße ändern:

Die Kommission hob die große Bedeutung des Sektors für den Klimaschutz hervor. Gebäude stünden für 40 Prozent des Energieverbrauchs in der EU und 36 Prozent der Treibhausgasemissionen, erklärte Energiekommissarin Kadri Simson. Dies liege daran, dass die meisten Gebäude in der Europäischen Union nicht energieeffizient seien und ihre Energie vor allem aus fossilen Brennstoffen stamme.

"Wir müssen daran dringend etwas ändern", forderte Simson. Denn mehr als 85 Prozent der heutigen Gebäude "stehen auch noch 2050, wenn Europa klimaneutral sein muss".

EU-Vizekommissionspräsident Frans Timmermans verwies darauf, dass die Sanierung von Gebäuden die wirtschaftliche Erholung ankurbele und neue Arbeitsplätze schaffe. Außerdem führe dies zu niedrigeren Energierechnungen - damit zahle sich die Investition auch aus.

Bezüglich der Sanierung soll künftig gelten, dass die 15 Prozent des Gebäudebestands jedes Mitgliedslandes mit der schlechtesten Klimabilanz bei der Energieeffizienz statt der Klasse G im Jahr 2030 mindestens die Klasse F erreichen.

Kritik kam in Deutschland von der Wohnungswirtschaft. Der Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen (GdW) erklärte, dass die angestrebte Eingruppierung von 15 Prozent des Gebäudebestandes in die schlechteste Effizienzklasse G in der Bundesrepublik rund drei Millionen Gebäude betreffe und beklagte eine "faktische Sofort-Verdoppelung der Sanierungsrate". Diese sei "unter den aktuellen Bedingungen von knappen Handwerkskapazitäten sowie angesichts Materialmangel und -verteuerung absolut realitätsfern", erklärte GdW-Präsident Axel Gedaschko.

Ein "entscheidendes Manko" der Richtlinie sei, dass in den Berechnungen und vorgeschlagenen Maßnahmen lediglich Einzelgebäude im Fokus stünden. "Der Blick fürs Ganze fehlt", kritisierte Gedaschko. "Um für den Klimaschutz schnell und bezahlbar echte Erfolge zu erzielen, muss das ganze Wohnquartier und nicht nur das einzelne Gebäude in die Maßnahmen mit einbezogen werden können", forderte er.

Der Eigentümerverband Haus & Grund warnte, mit der geplanten Richtlinie beende die EU für viele private Eigentümer "den Traum von den eigenen vier Wänden". Für viele Gebäude der Energieklassen F und G werde eine Sanierung "keine Option sein", erklärte Verbandspräsident Kai Warnecke.

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) erklärte dagegen, die EU wolle mit energetischen Mindesteffizienzstandards für Gebäude "endlich Tempo in die Bewältigung von Klimakrise und Energiearmut bringen". Die Bundesregierung müsse sich auf europäischer Ebene "nun dafür stark machen, dass sie rechtskräftig werden", forderte die stellvertretende BUND-Vorsitzende Verena Graichen. Bundesklimaschutzminister Robert Habeck (Grüne) sei gefordert, "schon jetzt den Startschuss für eine ambitionierte Umsetzung in Deutschland zu geben", erklärte sie. "Denn es ist abzusehen, dass der Gebäudebereich erneut sein Sektorziel verfehlt."

(P.Vasilyevsky--DTZ)

Empfohlen

Nach Scheitern von Wohnungsgesetz in Spanien: Zehntausende demonstrieren für bezahlbaren Wohnraum

Nach dem Nein des spanischen Parlaments zu einem Regulierungspaket gegen die Wohnungsnot haben am Samstag erneut zehntausende Menschen im Land für bezahlbaren Wohnraum demonstriert. In Madrid zogen mehrere Demonstrationszüge durch das Stadtzentrum. Auf einem großen Transparent stand "Auf zum Generalstreik". Nach Behördenangaben beteiligten sich alleine in der Hauptstadt 70.000 Menschen an den Demonstrationen, die Organisatoren sprachen von 500.000.

Trump lobt Freigabe europäischer Ölreserven - Keine Drohung mit Diesel-Exportstopp mehr

US-Präsident Donald Trump hat die Entscheidung der europäischen G7-Staaten zur Freigabe der Ölreserven gelobt - seine Drohung mit einem Diesel-Exportstopp der USA zog er zurück. "Was Europa gemacht hat, war wirklich eine großartige Sache", sagte Trump am Freitag (Ortszeit) auf die Frage eines AFP-Journalisten. Ein Exportstopp habe auch nie "wirklich auf dem Tisch gelegen". In Deutschland kritisierten die Grünen die Freigabe als "politische Dummheit".

Grüne kritisieren Freigabe von Ölreserven als "politische Dummheit"

Die Grünen haben die Entscheidung der G7-Staaten zur Freigabe von Öl und Diesel aus ihren nationalen Reserven scharf kritisiert. "Die Freigabe ist ein Fehler, schlimmer noch: eine politische Dummheit", sagte der Grünen-Energiepolitiker Michael Kellner am Samstag der Nachrichtenagentur AFP in Berlin. "Die Reserven sind für echte Notfälle da und nicht für einen amerikanischen Präsidenten, dem im Wahlkampf die Felle davonschwimmen."

Argentinien bietet Ausländern im Gegenzug für Investitionen Staatsbürgerschaft an

Argentinien will ab Ende des Jahres Ausländern, die mindestens 350.000 Dollar (rund 311.000 Euro) in dem Land investieren, die argentinische Staatsbürgerschaft anbieten. Das Programm zum Erwerb der Staatsbürgerschaft im Gegenzug für eine "Investition" sieht "zwei einfache und transparente Mechanismen" vor, wie die Regierung des ultrarechten Präsidenten Javier Milei am Samstag mitteilte.

Textgröße ändern: