Deutsche Tageszeitung - US-Notenbank beschleunigt Zurückfahren von Anleihekäufen

US-Notenbank beschleunigt Zurückfahren von Anleihekäufen


US-Notenbank beschleunigt Zurückfahren von Anleihekäufen
US-Notenbank beschleunigt Zurückfahren von Anleihekäufen / Foto: ©

Die US-Notenbank Fed beschleunigt angesichts der hohen Inflation das Zurückfahren ihrer Anleihekäufe und erwartet für das kommende Jahr etwa drei Leitzins-Erhöhungen. Die Federal Reserve kündigte am Mittwoch an, ihre Anleihekäufe zur Stützung der Wirtschaft in der Corona-Pandemie um 30 Milliarden Dollar pro Monat und damit doppelt so stark wie bislang zu senken. Die Leitzinsen bleiben zunächst zwischen null und 0,25 Prozent, dürften aber 2022 mehrfach angehoben werden.

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Die Fed hatte im November begonnen, ihre Anleihekäufe im Umfang von bis dahin monatlich 120 Milliarden Dollar um 15 Milliarden pro Monat zu reduzieren. Sie beschloss nun, dieses sogenannte Tapering deutlich zu beschleunigen. In diesem Tempo würden die Anleihekäufe im März enden und damit rund zwei Monate früher als zunächst anvisiert.

Das ebnet den Weg für Erhöhungen der Leitzinsen im kommenden Jahr. Die Mitglieder des Fed-Offenmarktausschusses erwarten für 2022 rund drei Erhöhungen der im März 2020 wegen der Corona-Krise auf Nullniveau gesenkten Leitzinsen. Alle 18 Mitglieder erwarten mindestens eine Zinserhöhung, zwölf der 18 Mitglieder rechnen mit drei oder mehr Zinserhöhungen.

Inmitten der wirtschaftlichen Erholung von den Folgen der Corona-Pandemie ist die Inflation in den USA massiv angestiegen: Im November betrug sie 6,8 Prozent und erreichte damit den höchsten Wert seit fast 40 Jahren. Dadurch ist der Druck auf die US-Notenbank gewachsen, gegenzusteuern. Die Inflation schadet auch Präsident Joe Biden politisch - die US-Bürger stellen seiner Wirtschaftspolitik angesichts der gestiegenen Preise für Autos, Benzin, Lebensmittel und Mieten in Umfragen ein schlechtes Zeugnis aus.

Fed-Chef Jerome Powell hatte lange erklärt, beim kräftigen Anstieg der Verbraucherpreise handle es sich um ein vorübergehendes Phänomen, das auf derzeitige Lieferkettenprobleme in der Weltwirtschaft zurückgehe. Er musste dann zuletzt einräumen, dass die Inflation länger über dem Zielwert von zwei Prozent liegen könnte als erwartet. Die Fed erwartet, dass die Inflationsrate bis Ende kommenden Jahres auf 2,6 Prozent zurückgeht.

Powell betonte am Mittwoch, die Wirtschaft wachse in einem "robusten Tempo". Das spiegele den Fortschritt bei Corona-Impfungen und die Wiederöffnung der Wirtschaft wider. Er warnte aber, die Ausbreitung der Omikron-Variante des Coronavirus stelle eine Gefahr für die wirtschaftliche Erholung dar.

Vor dem Hintergrund der hohen Inflation und der Ausbreitung der Omikron-Variante berät die Europäische Zentralbank (EZB) am Donnerstag über ihre künftige Geldpolitik. Vorerst wird erwartet, dass die EZB den Leitzins weiter bei historisch niedrigen null Prozent belässt und das planmäßige Ende des Anleihekaufprogramms PEPP im kommenden Jahr verkünden wird. EZB-Präsidentin Christine Lagarde äußert sich im Anschluss an die Beratungen des EZB-Rats in einer Pressekonferenz (14.30 Uhr).

(P.Vasilyevsky--DTZ)

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