Deutsche Tageszeitung - EZB setzt Anleihekäufe unter Corona-Notprogramm Ende März aus

EZB setzt Anleihekäufe unter Corona-Notprogramm Ende März aus


EZB setzt Anleihekäufe unter Corona-Notprogramm Ende März aus
EZB setzt Anleihekäufe unter Corona-Notprogramm Ende März aus / Foto: ©

Die Europäische Zentralbank (EZB) wird die Anleihekäufe unter dem Corona-Notprogramm PEPP zu Ende März auslaufen lassen und belässt den Leitzins bei historisch niedrigen null Prozent. "Die Inflation wird in der nahen Zukunft hoch bleiben, aber sollte im Laufe des kommenden Jahres zurückgehen", sagte EZB-Präsidentin Christine Lagarde am Donnerstag. Der Einlagenzins für Banken beträgt weiterhin minus 0,5 Prozent. Bei kurzfristigen Kapitalspritzen und Übernachtkrediten werden weiter 0,25 Prozent Zinsen fällig.

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Bevor die Anleihekäufe unter dem im Rahmen der Pandemie aufgesetzten Pandemic Emergency Purchase Programme (PEPP) Ende März ausgesetzt werden, sollen die Käufe im ersten Quartal 2022 in einem geringeren Umfang stattfinden als im Vorquartal. Zur Zeit kauft die EZB Vermögenswerte für monatlich rund 70 Milliarden Euro.

Der EZB-Rat gehe davon aus, dass die wirtschaftliche Erholung nun "eine schrittweise Verringerung seiner Ankäufe von Vermögenswerten in den kommenden Quartalen" zulasse, erklärte die Zentralbank. Geldpolitische Unterstützung sei aber weiterhin notwendig, um die Inflation bei zwei Prozent, dem Inflationsziel der EZB, zu stabilisieren.

Der EZB-Rat betonte außerdem seine "Flexibilität" - Anleihekäufe unter dem 1,85 Billionen Euro schweren PEPP könnten jederzeit wieder aufgenommen werden. Das Anleihekaufprogramm Asset Purchase Programme (APP), das bereits vor der Pandemie aufgesetzt wurde, soll außerdem ab dem zweiten Quartal von aktuell 20 Milliarden Euro auf monatlich 40 Milliarden Euro erhöht werden.

Ab Oktober 2022 soll das Volumen dann wieder auf 20 Milliarden Euro abgesenkt werden. Eine Erhöhung der Leitzinsen sei erst kurz nach Ende der Anleihekaufprogramme zu erwarten. "Es ist sehr unwahrscheinlich, dass wir die Leitzinsen im Jahr 2022 erhöhen werden", betonte Lagarde.

Ihre Inflationsprognosen korrigierte die EZB indes deutlich nach oben. Für 2021 rechnen die Zentralbanker mit einer Inflationsrate von 2,6 Prozent, bei ihrer Prognose im September war die EZB noch von einer Teuerungsrate von 2,2 Prozent ausgegangen. Für 2022 rechnet die EZB mit einer Inflation von 3,2 Prozent, bisher hatten die Zentralbanker mit lediglich 1,7 Prozent gerechnet. Für 2023 erwartet der EZB-Rat 1,8 Prozent, 0,3 Prozentpunkte mehr als noch im September. Die EZB gab außerdem erstmals eine Prognose für das Jahr 2024 ab und rechnet hier ebenfalls mit einer Inflationsrate von 1,8 Prozent.

Beim Wirtschaftswachstum dämpfte die EZB ihre Prognose. Hatten die Zentralbanker für das kommende Jahr bisher mit einem Wirtschaftswachstum in der Eurozone von 4,6 Prozent gerechnet, korrigierte der EZB-Rat seine Prognose nun auf 4,2 Prozent. Die Prognose für das laufende Jahr korrigierte die EZB leicht nach oben, von fünf Prozent auf 5,1 Prozent.

Kritik an den EZB-Beschlüssen äußerte der Bankenverband. Das Gesamtpaket "passt nicht zum deutlich veränderten Preisumfeld", kritisierte Hauptgeschäftsführer Christian Ossig und warf der Zentralbank vor, zu zögerlich zu sein. Mit Blick auf das Zinsniveau warnte er vor der Gefahr, dass der Euroraum gerade für langfristige Anleger immer unattraktiver werde. Im Falle einer anhaltend hohen Inflation werde außerdem der Druck auf die EZB wachsen, "ihre Geldpolitik abrupt und stärker abbremsen zu müssen, als das aus heutiger Sicht erforderlich wäre".

Es werde in Deutschland in den kommenden Monaten "einige Enttäuschung geben" dass die EZB ihre expansive Geldpolitik langsamer zurückfahre als die US-Notenbank Federal Reserve (Fed), erklärte der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin), Marcel Fratzscher. Die wirtschaftliche Erholung in den USA sei der im Euroraum jedoch deutlich voraus. "Ich erwarte daher frühestens für das zweite Halbjahr 2023 erste vorsichtige Zinserhöhungen durch die EZB", erklärte Fratzscher.

Analyst Andreas Billmeier von Western Asset Management begrüßte die Beschlüsse der EZB hingegen. "Die EZB hat heute einen präzisen, weit in die Zukunft reichenden Ausblick gegeben und damit die nervösen Märkte beruhigt", erklärte er. Gleichzeitig bleibe die EZB flexibel: Bei unerwarteten Problemen könne die Zentralbank das APP anpassen und auch die Käufe im Rahmen des PEPP wieder aufnehmen.

(W.Budayev--DTZ)

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