Deutsche Tageszeitung - Deutschlands Wirtschaft erholt sich - aber nicht genug

Deutschlands Wirtschaft erholt sich - aber nicht genug


Deutschlands Wirtschaft erholt sich - aber nicht genug
Deutschlands Wirtschaft erholt sich - aber nicht genug / Foto: ©

Deutschlands Wirtschaft hat sich im vergangenen Jahr zwar von dem heftigen Corona-Einbruch erholt - konnte diesen Rückgang aber nicht wieder wettmachen. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) legte 2021 um 2,7 Prozent zum Vorjahr zu, wie das Statistische Bundesamt am Freitag mitteilte. Laut dem Kiel Institut für Weltwirtschaft (IfW) trugen allein die Lizenzeinnahmen für den Impfstoff von Biontech 0,5 Prozentpunkte dazu bei.

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Im ersten Corona-Jahr 2020 war das BIP um 4,6 Prozent eingebrochen. Die Experten hatten zunächst mit einer vollständigen Erholung 2021 gerechnet. Doch die andauernde Pandemie und ihre Folgen wie Liefer- und Materialengpässe sorgten vor allem in den letzten Monaten des Jahres für eine schwache Wirtschaftsleistung. So dürfte das BIP von Oktober bis Dezember wieder gesunken sein, wie der Präsident des Statistikamtes, Georg Thiel, sagte.

Das Vorkrisenniveau konnte die Wirtschaft so nicht wieder erreichen. Im Vergleich zum Jahr 2019, dem Jahr vor Beginn der Corona-Pandemie, war das BIP 2021 noch um 2,0 Prozent niedriger.

Die Erholung gegenüber dem Krisenjahr 2020 gab es laut Statistikamt 2021 in fast allen Wirtschaftsbereichen. Im Vergleich zum Vorkrisenjahr 2019 allerdings legten nur das Baugewerbe und der Bereich Information und Kommunikation zu. Fast das Niveau von 2019 erreichten den Angaben zufolge die Exporte - Deutschland exportierte im vergangenen Jahr 9,4 Prozent mehr Waren und Dienstleistungen als 2020.

Die privaten Konsumausgaben lagen laut Statistikamt 2021 dagegen "auf dem niedrigen Niveau des Vorjahres", sie waren damit noch "weit" vom Vorkrisenniveau entfernt. Die Deutschen hatten im zweiten Halbjahr 2020 wegen der gesenkten Mehrwertsteuer viele langlebige Konsumgüter gekauft - 2021 gaben sie dafür dann kaum noch Geld aus. Dafür investierten sie im vergangenen Jahr wieder mehr in Kleidung und Reisen.

Die Konsumausgaben des Staates waren wie schon 2020 eine Wachstumsstütze der Wirtschaft - sie stiegen um weitere 3,4 Prozent. Das Geld wurde vor allem für Antigen-Schnelltests, Corona-Impfstoffe und den Betrieb von Test- und Impfzentren ausgegeben, wie das Statistikamt erläuterte.

Die Lizenzeinnahmen von Biontech flossen laut IfW erstmals in das amtliche Jahresergebnis ein. Sie seien zum Jahresende fällig geworden und dürften für 0,5 Prozent der gesamten Wirtschaftsleistung verantwortlich sein. Es sei "äußerst ungewöhnlich, dass ein einzelnes Unternehmen das BIP so stark anhebt".

Die Inflationsrate lag im vergangenen Jahr nach Angaben von Statistikpräsident Thiel bei voraussichtlich 3,1 Prozent. Das war der höchste Anstieg der Verbraucherpreise seit 1993. Im Corona-Jahr 2020 hatte die Teuerung lediglich bei 0,5 Prozent gelegen.

Experten rechnen damit, dass auch das erste Quartal des laufenden Jahres schwach ausfallen wird, weil derzeit eine neue Infektionswelle das Land beherrscht. Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) warnte am Freitag vor einem "hochvolatilen Umfeld".

"Ab dem Frühjahr ist aber zu erwarten, dass nach und nach die durch Lieferprobleme ausgefallene Produktion nachgeholt wird und außerdem die Deutschen einen Teil jener fast 200 Milliarden Euro ausgeben, die sie während der Pandemie zusätzlich gespart haben", erklärte Sebastian Dullien, Direktor des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung der Hans-Böckler-Stiftung. Auch das IfW rechnet mit einer kräftigeren Erholung in diesem Jahr; das BIP dürfte demnach um rund vier Prozent zulegen.

Der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK), Martin Wansleben, forderte von der neuen Regierung, private Investitionen am Wirtschaftsstandort Deutschland müssten sich wieder lohnen. Die Steuer- und Finanzpolitik könne einen wichtigen Beitrag leisten. Angesichts einer hohen Steuerbelastung für die Betriebe und hoher Energiepreise brauche die Wirtschaft jetzt dringend einen beschleunigten Netzausbau.

(N.Loginovsky--DTZ)

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