Deutsche Tageszeitung - EZB rechnet mit Inflation von 5,1 Prozent in diesem Jahr

EZB rechnet mit Inflation von 5,1 Prozent in diesem Jahr


EZB rechnet mit Inflation von 5,1 Prozent in diesem Jahr
EZB rechnet mit Inflation von 5,1 Prozent in diesem Jahr

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat ihre Inflationserwartung wegen des Ukraine-Kriegs und der stetig steigenden Energiepreise drastisch angehoben: Sie korrigierte am Donnerstag ihre Schätzung von 3,2 Prozent auf 5,1 Prozent Teuerung in diesem Jahr. Die EZB werde "alles Notwendige" tun, um Preis- und Finanzstabilität zu gewährleisten, versicherte die Notenbank. Sie kündigte überraschend an, ihre Anleihekäufe schneller zurückzufahren als bislang geplant.

Textgröße ändern:

Der Angriff Russlands auf die Ukraine werde nicht nur negative Folgen für die Wirtschaft der Eurozone haben, sondern habe auch die Unsicherheit "erheblich erhöht", sagte EZB-Chefin Christine Lagarde, die bei der Pressekonferenz einen Anstecker in den Farben der ukrainischen Flagge am Revers trug. Die Invasion Russlands sei eine "Wasserscheide für Europa".

Die Folgen sind nicht nur eine deutlich höhere Inflation, sondern auch ein deutlich niedrigeres Wirtschaftswachstum. Die EZB senkte ihre Prognose für die Eurozone für dieses Jahr von 4,9 Prozent auf 3,7 Prozent ab. Die hohen Energiekosten könnten die Wirtschaftstätigkeit "erheblich dämpfen". Gleichzeitig könnten die Sanktionen gegen Russland die Lieferprobleme verschärfen.

Den Leitzins ließ die EZB wie erwartet auf dem Rekordniveau von null Prozent. Auch die beiden weiteren wichtigen Zinssätze bleiben unverändert: Der Einlagenzins für Banken beträgt somit weiterhin minus 0,5 Prozent. Bei kurzfristigen Kapitalspritzen und sogenannten Übernachtkrediten werden wie bisher 0,25 Prozent Zinsen fällig. Ebenso blieb die EZB bei ihrem Beschluss vom Dezember, die Anleiheankäufe unter dem Corona-Programm PEPP (Pandemic Emergency Purchasing Programme) Ende März 2022 einzustellen.

Überraschend kündigte die Zentralbank aber an, die Anleihekäufe unter dem älteren Programm zum Ankauf von Vermögenswerten (APP) würden bereits im Juni reduziert und nicht erst im Oktober. Die Käufe belaufen sich ab April auf 40 Milliarden Euro, werden im Mai auf 30 Milliarden Euro reduziert und im Juni auf 20 Milliarden Euro. Im dritten Quartal könnten sie - abhängig von der wirtschaftlichen Lage - sogar ganz eingestellt werden.

Eine Zinserhöhung werde "einige Zeit" nach Ende des Anleihekaufprogramms erfolgen, sagte Lagarde. Das könne "in der Woche danach" oder "Monate später" sein. Entscheidend seien dann die wirtschaftlichen Daten.

Analyst Carsten Brzeski von der ING nannte die Entscheidung einen "guten Kompromiss": Er gebe der Zentralbank "maximale Flexibilität"; die Option auf eine Zinserhöhung vor Jahresende bleibe bestehen. Der Hauptgeschäftsführer des deutschen Bankenverbands, Christian Ossig, forderte, die EZB müsse noch in diesem Jahr die Negativzinspolitik beenden. Angesichts des Ukraine-Kriegs und hoher Inflation passe der negative Leitzins "nicht mehr zur fundamental veränderten Lage. Er hilft auch nicht dabei, Finanzmärkte und Kreditvergabe zu stabilisieren."

Der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin), Marcel Fratzscher, erklärte, ein Ausstieg aus der expansiven Geldpolitik in der zweiten Jahreshälfte erscheine "derzeit höchst unwahrscheinlich". Die EZB sende aber ein starkes Signal an Wirtschaft und Finanzmärkte, dass sie alles in ihrer Macht Stehende tun wird, um sich gegen einen Absturz der Wirtschaft zu stemmen. "Dieses Signal schafft Vertrauen und hilft, die enorme Unsicherheit für Unternehmen und Bürgerinnen und Bürger zu begrenzen."

(U.Beriyev--DTZ)

Empfohlen

Nach Mercosur-Abstimmung: Grüne bieten Votum für schnelle Ratifizierung an

Nach dem Streit über das Abstimmungsverhalten der Grünen im Europaparlament zum Handelsabkommen Mercosur bemüht sich die Partei um Schadensbegrenzung. Der Vorsitzende der deutschen Abgeordneten, Erik Marquardt, brachte im Gespräch mit den Funke-Zeitungen eine schnelle Ratifizierung des Abkommens ins Spiel – noch bevor das angeforderte Rechtsgutachten vom Europäischen Gerichtshof (EuGH) vorliegt.

17-Jähriger nach Stromschlag in Gleisbett von Berliner U-Bahn gestorben

An einem Berliner U-Bahnhof ist am frühen Samstagmorgen ein 17-Jähriger nach einem Stromschlag gestorben. Wie eine Polizeisprecherin sagte, war der Jugendliche in einer größeren Gruppe unterwegs und wollte einen Gegenstand aus dem Gleisbett holen, der ihm heruntergefallen war. Medieninformationen zufolge handelte es sich um eine E-Zigarette.

Deutschland und Italien setzen sich Ziele für noch engere Partnerschaft

Mehr Wettbewerbsfähigkeit, weniger EU-Bürokratie, mehr Sicherheit und gemeinsames Ringen um ein geeintes Europa: Deutschland und Italien haben bei ihren Regierungskonsultationen am Freitag in Rom eine engere Partnerschaft vereinbart. Beim Besuch von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und mehreren Bundesministern wurden zwei Dokumente unterzeichnet: ein deutsch-italienischer "Aktionsplan für strategische Zusammenarbeit" und eine Absichtserklärung zur Zusammenarbeit in der Verteidigungs- und Sicherheitspolitik.

Trumps unberechenbare Politik: Goldpreis steigt auf fast 5000 Dollar - Silber über 100 Dollar

Die Unberechenbarkeit der Politik von US-Präsident Donald Trump veranlasst Anleger zur Flucht in die Krisenwerte Gold und Silber. Mit der steigenden Nachfrage stiegen die Preise für Gold und Silber am Freitag weiter: Der Preis für eine Feinunze Gold erreichte fast die Marke von 5000 Dollar, der für eine Feinunze Silber übersprang am Nachmittag erstmal überhaupt die Schwelle von 100 Dollar.

Textgröße ändern: