Deutsche Tageszeitung - Indischer Tycoon Adani bestreitet Bedeutung seiner Nähe zu Modi für Erfolg

Indischer Tycoon Adani bestreitet Bedeutung seiner Nähe zu Modi für Erfolg


Indischer Tycoon Adani bestreitet Bedeutung seiner Nähe zu Modi für Erfolg
Indischer Tycoon Adani bestreitet Bedeutung seiner Nähe zu Modi für Erfolg / Foto: © AFP/Archiv

Der indische Tycoon und bis vor Kurzem reichste Mann Asiens, Gautam Adani, wehrt sich gegen Vorwürfe, er verdanke seinen Aufstieg auch der Nähe zu Premierminister Narendra Modi. "Diese Anschuldigungen sind grundlos", sagte der 60-Jährige am Freitag im indischen Fernsehen. Die Aktie seines Konzerns Adani Enterprises setzte derweil wegen massiver Betrugsvorwürfe ihren freien Fall an den Börsen fort.

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Bei Handelsstart in Mumbai am Freitag verlor das Papier zehn Prozent an Wert. Der Handel wurde daraufhin mehrfach ausgesetzt. Im Laufe des Vormittags stürzte der Wert um 30 Prozent ab. Am Donnerstag war er bereits um 25 Prozent und am Mittwoch um knapp 30 Prozent gefallen.

Auch die Aktien weiterer Firmen aus der Unternehmensgruppe wurden am Freitag vom Handel ausgesetzt, darunter Adani Power, Adani Green Energy und Adani Transmission. Betroffen war auch Adana Total Gas - an dieser Firma hält der französische Konzern TotalEnergies 37,4 Prozent. Der Energieriese erklärte am Freitag, seine Beteiligung an Adani sei "begrenzt". Der Konzern hält Anteile von bis zu 50 Prozent an verschiedenen Adani-Unternehmen; der Gesamtwert belief sich Ende 2022 auf 3,1 Milliarden Dollar (2,8 Milliarden Euro).

Begonnen hatte Adanis dramatischer Absturz am 24. Januar, als das US-Unternehmen Hindenburg Research Betrugsvorwürfe gegen den Magnat erhob: Er habe unter Nutzung von Steuerparadiesen Geld in eigene Aktien investiert und damit deren Kurs künstlich hochgetrieben. Hindenburg Research ist eine auf Leerverkäufe spezialisierte Investmentfirma, spekuliert also auf fallende Börsenkurse. Seit Bekanntwerden der Vorwürfe verlor Adanis Firmenimperium mehr als 120 Milliarden Dollar und damit ungefähr die Hälfte seines Börsenwertes.

Gegen Adani steht auch der Vorwurf der Vetternwirtschaft und Korruption im Raum: Kritiker vermuten, dass er dank seiner Verbindungen zu Premier Modi Regulierungsvorgaben umgehen konnte. "Tatsache ist, dass mein beruflicher Erfolg nicht einem einzelnen Staatsführer zu verdanken ist, sondern den politischen und institutionellen Reformen, die von mehreren Staatsführern und Regierungen über einen langen Zeitraum von mehr als drei Jahrzehnten eingeleitet wurden", sagte Adani dazu.

Die für Freitag geplante Sitzung des indischen Parlaments wurde am Freitag - wie schon am Donnerstag - vertagt, nachdem die Opposition vehement eine Debatte über den Fall und möglichen Gefahren für den indischen Finanzsektor gefordert hatte. Die indische Zentralbank forderte inzwischen die Banken des Landes auf, sich zu ihren Verbindungen mit der Adani-Gruppe zu erklären, wie die Finanznachrichtenagentur Bloomberg News berichtete.

Der aus einer Mittelklassefamilie stammende Schulabbrecher Adani hatte seine Karriere mit einer Import-Export-Firma begonnen. Sein Durchbruch kam im Jahr 1995 mit dem Kauf eines Hafens just zu dem Zeitpunkt, als die indische Wirtschaft sich international öffnete. Heute umfasst sein Firmenimperium alle möglichen Bereiche von Kohleminen über Medien bis hin zu Lebensmitteln.

Die Aktien von Adani Enterprises gewannen in den vergangenen fünf Jahren mehr als 1000 Prozent an Wert. Gleichzeitig häufte das Unternehmen durch immer neue Investitionen in verschiedenen Branchen hohe Schulden an. Wegen des Absturzes des Konzerns werden weitreichende wirtschaftliche Folgen befürchtet.

Adani selbst hat die Entwicklung bereits extrem viel Geld gekostet. Bis zum Bekanntwerden der Vorwürfe war er laut dem US-Magazin "Forbes" der drittreichste Mann der Welt - am Donnerstag lag er nur noch auf Platz 16.

(L.Svenson--DTZ)

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