Deutsche Tageszeitung - Studie: Chinesischen Banken droht der Ausfall vieler Seidenstraße-Kredite

Studie: Chinesischen Banken droht der Ausfall vieler Seidenstraße-Kredite


Studie: Chinesischen Banken droht der Ausfall vieler Seidenstraße-Kredite
Studie: Chinesischen Banken droht der Ausfall vieler Seidenstraße-Kredite / Foto: © AFP

Vielen chinesischen Banken droht einer Studie zufolge der Ausfall von Krediten, die sie im Rahmen von Pekings Programm Neue Seidenstraße an Schwellen- und Entwicklungsländer vergeben haben. Im vergangenen Jahr betraf dies rund 60 Prozent aller chinesischen Auslandskredite, wie das Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW) am Dienstag mitteilte. 2010 lag der Anteil lediglich bei fünf Prozent.

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"Um die Ausfälle zu verhindern, vergibt Peking Rettungskredite im großen Stil", erklärten die Forscher, die ihre Studie gemeinsam mit Forschern von der US-Organisation AidData, der Harvard Kennedy School und der Weltbank erstellt haben. Bis Ende 2021 stellten sie demnach 128 Rettungsdarlehen an 22 Schuldnerländer im Gesamtwert von 240 Milliarden Dollar fest, besonders in Form von Laufzeitverlängerungen und neuen Krediten. Nur selten werden Schulden erlassen.

Die Führung in China will so offenbar ihre Banken retten. Das zeigt auch die unterschiedliche Behandlung der Schuldnerländer: Auf Staaten mit mittlerem Einkommen entfällt der Studie zufolge mit über 500 Milliarden Dollar der größte Anteil der Auslandskredite. "Chinas Führung hat daher große Anreize, einen Zahlungsausfall dieser Länder auf jeden Fall zu verhindern. Sie bietet ihnen im Fall von Zahlungsschwierigkeiten in der Regel neue Kredite an, um damit die alten Schulden zu tilgen."

Auf Länder mit niedrigem Einkommen entfällt hingegen nur rund ein Fünftel der Kredite, wie die Forscher ausführen. Sie sind für die Stabilität des chinesischen Bankensektors daher weniger wichtig und erhalten selten neue Gelder. Kritiker werfen China seit langem vor, einkommensschwache Länder mit unerschwinglichen Krediten in die Schuldenfalle zu locken.

Nun habe sich China "auf das riskante Geschäft der internationalen Rettungskredite eingelassen", erklärte die ehemalige Chefvolkswirtin der Weltbank, Carmen Reinhart, die heute an der Harvard Kennedy School forscht. Die Autorinnen und Autoren der Studie sehen darin Parallelen zu europäischen Rettungskrediten an Griechenland und andere südeuropäische Länder während der Eurokrise. "Auch damals spielte die Rettung von einheimischen Banken eine wesentliche Rolle bei der Vergabe von Rettungskrediten."

Bislang hat China der Studie zufolge Rettungskredite an 22 Länder vergeben, etwa an Ägypten, Argentinien, Laos, Pakistan, Sri Lanka, die Türkei oder Weißrussland. Die Rettungskredite stellen auch die Zukunft der Neuen Seidenstraße in Frage, denn die reguläre Kreditvergabe für neue Infrastruktur- und Energieprojekte hätten chinesische Banken "drastisch reduziert".

Brad Parks von AidData kritisierte, dass China "auf undurchsichtige und unkoordinierte Weise" ein neues globales System für grenzüberschreitende Rettungsdarlehen geschaffen habe. "Sein strikt bilateraler Ansatz hat die Koordinierung der Aktivitäten aller wichtigen Kreditgeber erschwert, was bedenklich ist, da die Lösung von Staatsschuldenkrisen in der Regel ein gewisses Maß an Koordination zwischen den Gläubigern erfordert.

(G.Khurtin--DTZ)

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