Deutsche Tageszeitung - EU besiegelt Aus von Diesel- und Benzin-Neuwagen ab 2035

EU besiegelt Aus von Diesel- und Benzin-Neuwagen ab 2035


EU besiegelt Aus von Diesel- und Benzin-Neuwagen ab 2035
EU besiegelt Aus von Diesel- und Benzin-Neuwagen ab 2035 / Foto: © AFP/Archiv

Nach heftigen Diskussionen und einer wochenlangen Blockade durch die FDP haben die EU-Mitgliedstaaten das Aus von Diesel- und Benzin-Neuwagen ab 2035 besiegelt. Am Dienstag beschloss der EU-Ministerrat endgültig, dass ab 2035 nur noch emissionsfreie Autos und leichte Nutzfahrzeuge wie Vans neu zugelassen werden dürfen. Auf Druck der FDP hin wird noch an einer Ausnahme für sogenannte E-Fuels gearbeitet. In Brüssel zeigte man sich erleichtert über den Beschluss.

Textgröße ändern:

"Das war ein nervenaufreibender Prozess, aber jetzt ist der Klimaschutz im Verkehr gesichert", erklärte der Grünen-Abgeordnete Michael Bloss. Rund um das neue Gesetz hatte es seit dem entsprechenden Kommissionsvorschlag im Juli 2021 viel Kritik und Diskussionen gegeben. Die Brüsseler Behörde hatte fossilen Kraftstoffen damit explizit den Kampf angesagt und setzt stark auf Elektromobilität.

Widerstand kam etwa von der CDU im EU-Parlament sowie von Mitgliedstaaten wie Italien, Polen und Bulgarien. Im Oktober einigten sich das EU-Parlament und die Mitgliedstaaten dennoch auf die Neuregelung. Das Parlament gab daraufhin im Februar seine endgültige Zustimmung, das finale Go der Mitgliedstaaten galt nur noch als Formsache.

Auf den letzten Metern der EU-Gesetzgebung blockierte dann die FDP den Beschluss. Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP) und Parteikollege und Bundesfinanzminister Christian Lindner forderten einen konkreten Plan für eine Ausnahme synthetischer Kraftstoffe und von der Europäischen Kommission eine Garantie, dass dieser tatsächlich umgesetzt werde.

E-Fuel-Verbrenner sind nicht emissionsfrei. Weil das ausgestoßene CO2 jedoch bei der Produktion der Kraftstoffe etwa aus Industrieanlagen oder aus der Luft entnommen wird, gelten sie in der Bilanz als klimaneutral, wenn der zur Produktion verwendete Strom wiederum mit erneuerbaren Energien hergestellt wurde.

Die Einigung vom Oktober enthielt deshalb einen Prüfauftrag an die EU-Kommission, zu untersuchen, ob Fahrzeuge mit E-Fuel-fähigem Verbrennungsmotor künftig nicht doch noch zugelassen werden könnten. Eine rechtliche Garantie war dies jedoch nicht. Wegen der Blockade der FDP sagte die Kommission am Wochenende nun weitere konkrete Schritte zu.

Wissing zufolge können mit dem Kompromiss "Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor, die ausschließlich CO2-neutrale Kraftstoffe tanken, auch nach 2035 neu zugelassen werden". Die FDP beendete daraufhin ihre Blockade und mit der Zustimmung Deutschlands wurde die nötige Mehrheit der Mitgliedstaaten erreicht. Gegen das Vorhaben stimmte am Ende lediglich Polen. Italien, Rumänien und Bulgarien enthielten sich.

"Es ist gut, dass mit der EU-Kommission am Ende eine Lösung gefunden wurde, die den Weg für die neuen Flottengrenzwerte freimacht und gleichzeitig den Bedenken der FDP Rechnung trägt", erklärte Bundesumweltministerin Steffi Lemke (Grüne). Die Automobilindustrie bekomme "damit die nötige Planungssicherheit".

Der für die Klimapolitik zuständige EU-Kommissionsvizepräsident Frans Timmermans bezeichnete den Beschluss als "wichtigen Schritt in Richtung Null-Emissions-Mobilität". Die strengeren Regeln für CO2-Emissionen von Autos sind Teil des Klimapakets, mit dem die EU bis 2030 ihre CO2-Emissionen um 55 Prozent verringern will.

Ob E-Fuels für Autos in Zukunft eine große Rolle spielen, ist allerdings fraglich. Das Umweltbundesamt hält ihren Einsatz für "hochgradig ineffizient". Experten führen an, dass die Kraftstoffe nur begrenzt verfügbar bleiben werden und dann besser in Bereichen eingesetzt würden, in denen batterielektrische Antriebe keine Option sind, etwa bei Schiffen und Flugzeugen.

(W.Uljanov--DTZ)

Empfohlen

Künstliche Intelligenz: Tech-Chefs zu Gespräch mit Trump eingetroffen

Die Chefs der großen US-Tech-Konzerne sind zu einem Gespräch mit Präsident Donald Trump am Weißen Haus eingetroffen. Bei dem Arbeitsessen sollte es am Dienstag um eine mögliche Regulierung von Künstlicher Intelligenz (KI) gehen, wie der Vorsitzende des Repräsentantenhauses, Mike Johnson, mitteilte.

Französische Gewerkschaften: Mehr als 300.000 Menschen demonstrieren für höhere Löhne

Bei einem Protesttag für Lohnerhöhungen im öffentlichen Dienst sind in Frankreich nach Gewerkschaftsangaben am Dienstag landesweit mehr als 300.000 Menschen auf die Straße gegangen. Dem Gewerkschaftsbund CGT zufolge demonstrierten in der Hauptstadt Paris 70.000 Menschen für höhere Löhne; in Marseille waren es 30.000. 11.000 protestierten demnach in Toulouse und 10.000 in Lille und Bordeaux.

Pistorius will 16 neue Airbus-Transportmaschinen vom Typ A400M kaufen

Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) plant den milliardenschweren Kauf von 16 neuen Maschinen des Transportflugzeugs A400M. Dazu führe sein Ministerium bereits sehr gute Gespräche mit dem Hersteller Airbus, sagte Pistorius am Dienstag in Bremen. Demnach verfügt die Bundeswehr bisher über 53 solche Maschinen. 16 von ihnen seien aber nur für logistische Einsätze ausgelegt und nicht für taktische Einsätze im Gefecht. Ihnen fehle etwa die nötige Raketenabwehr zum Selbstschutz.

Ölmagnat Dangote: Afrika wird bis 2030 bei Treibstoffen weitgehend autark sein

Der nigerianische Ölmagnat Aliko Dangote geht davon aus, dass Afrika bis 2030 seinen Bedarf an Kraftstoffen weitestgehend selbst decken wird. "Bis 2030 wird die Mehrheit der afrikanischen Länder autark sein", sagte der reichste Mann Afrikas am Dienstag in Nairobi der Nachrichtenagentur AFP. Am Mittwoch startet ein Großprojekt Dangotes: der Bau einer Raffinerie auf Lamu vor der kenianischen Küste.

Textgröße ändern: