Deutsche Tageszeitung - Familienministerin Paus als Zeugin im Hamburger Untersuchungsausschuss zur Warburg-Affäre

Familienministerin Paus als Zeugin im Hamburger Untersuchungsausschuss zur Warburg-Affäre


Familienministerin Paus als Zeugin im Hamburger Untersuchungsausschuss zur Warburg-Affäre
Familienministerin Paus als Zeugin im Hamburger Untersuchungsausschuss zur Warburg-Affäre / Foto: © AFP/Archiv

Bundesfamilienministerin Lisa Paus (Grüne) und weitere ehemalige Mitglieder des Bundestags-Finanzausschusses werden am kommenden Freitag als Zeugen im Hamburger Untersuchungsausschuss zur Steueraffäre um die Hamburger Warburg-Bank gehört. Das teilte die Bürgerschaft der Hansestadt am Donnerstag mit. Es geht um Aussagen, die der heutige Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) 2020 als Bundesfinanzminister vor dem Gremium machte. Die Opposition sieht darin Widersprüche zu Angaben von Scholz bei anderen Gelegenheiten und wirft ihm Unglaubwürdigkeit vor.

Textgröße ändern:

Außer Paus sind nach Angaben der Hamburger Bürgerschaft unter anderem auch die heutige parlamentarischen Staatssekretärin im Bundesfinanzministerium, Katja Hessel (FDP), sowie die aktuelle parlamentarische Staatssekretärin im Bundesbauministerium, Cansel Kiziltepe, unter den 15 Zeuginnen und Zeugen.

Aus den Reihen der Unionsparteien ist unter anderem deren damaliger Obmann, der ehemalige Bundestagsabgeordnete Hans Michelbach (CSU) dabei. Auch der inzwischen parteilose frühere Linkenpolitiker Fabio de Masi gehört dazu.

In der Steueraffäre um die Warburg-Bank geht es um einen Verzicht der Hamburger Steuerverwaltung auf millionenschwere Rückzahlungen wegen ungerechtfertigter Steuererstattungen im Zusammenhang mit sogenannten Cum-ex-Geschäften, zu dem es 2016 während der Amtszeit von Scholz als Erstem Bürgermeister der Hansestadt gekommen war. Es steht die Frage im Raum, ob die Politik Einfluss auf die Entscheidung genommen haben könnte.

Ein Untersuchungsausschuss der Hamburger Bürgerschaft untersucht die Sache bereits seit gut zweieinhalb Jahren. Scholz sagte dort bereits zweimal als Zeuge aus, eine dritte Vernehmung soll noch folgen. Am Dienstag kündigten die Unionsfraktionen im Bundestag zudem an, nach Ostern auch dort einen Untersuchungsausschuss "zur Steueraffäre Scholz-Warburg" zu beantragen. Scholz bestritt stets vehement jede politische Einflussnahme in dem Fall.

In Verbindung mit der Entscheidung der Hamburg Steuerverwaltung wird Scholz vor allem wegen später bekanntgewordener Tagebucheinträge des ehemaligen Warburg-Chefs Christian Olearius gebracht, in denen dieser persönliche Treffen mit Scholz im fraglichen Zeitraum 2016 und 2017 beschrieb. Zusagen machte der damalige Bürgermeister demnach zwar nicht, aber Vertreter der Opposition und andere Beobachter halten das nicht für die ganze Wahrheit.

Scholz betonte bei unterschiedlichen Gelegenheiten stets, sich an Details seiner Treffen mit Olearius nicht mehr zu erinnern. In diesem Zusammenhang spielen seine Aussagen vor dem Bundestagsfinanzausschuss eine Rolle. Seine in Protokollform nachlesbaren Angaben lassen Union und Linker zufolge den Schluss zu, dass Scholz doch persönliche Erinnerungen an seine Treffen mit Olearius einräumte und somit bei späteren anderslautenden Beteuerungen log.

Die Hamburger Generalstaatsanwaltschaft kam vor rund einem Monat zu dem Ergebnis, dass kein Anfangsverdacht gegen Scholz wegen Falschaussage mit Blick auf dessen Aussagen in verschiedenen Ausschüssen bestehe. Dessen in indirekter Rede festgehaltene Äußerungen in den Protokollen des Bundestags seien "objektiv mehrdeutig", teilte die Behörde damals zur Begründung mit.

Die Äußerungen von Scholz im Finanzausschuss des Bundestags bezögen sich überwiegend auf "Erkenntnisse aus Medienberichten sowie veröffentlichte Tagebuchaufzeichnungen" des früheren Warburg-Chefs Olearius. Daraus lasse sich "kein konkretes Erinnerungsvermögen" ableiten, erklärte diese weiter. Sie war aufgrund der Strafanzeige eines Rechtsanwalts mit dem Fall befasst.

(T.W.Lukyanenko--DTZ)

Empfohlen

Französische Gewerkschaften: Mehr als 300.000 Menschen demonstrieren für höhere Löhne

Bei einem Protesttag für Lohnerhöhungen im öffentlichen Dienst sind in Frankreich nach Gewerkschaftsangaben am Dienstag landesweit mehr als 300.000 Menschen auf die Straße gegangen. Dem Gewerkschaftsbund CGT zufolge demonstrierten in der Hauptstadt Paris 70.000 Menschen für höhere Löhne; in Marseille waren es 30.000. 11.000 protestierten demnach in Toulouse und 10.000 in Lille und Bordeaux.

Pistorius will 16 neue Airbus-Transportmaschinen vom Typ A400M kaufen

Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) plant den milliardenschweren Kauf von 16 neuen Maschinen des Transportflugzeugs A400M. Dazu führe sein Ministerium bereits sehr gute Gespräche mit dem Hersteller Airbus, sagte Pistorius am Dienstag in Bremen. Demnach verfügt die Bundeswehr bisher über 53 solche Maschinen. 16 von ihnen seien aber nur für logistische Einsätze ausgelegt und nicht für taktische Einsätze im Gefecht. Ihnen fehle etwa die nötige Raketenabwehr zum Selbstschutz.

Ölmagnat Dangote: Afrika wird bis 2030 bei Treibstoffen weitgehend autark sein

Der nigerianische Ölmagnat Aliko Dangote geht davon aus, dass Afrika bis 2030 seinen Bedarf an Kraftstoffen weitestgehend selbst decken wird. "Bis 2030 wird die Mehrheit der afrikanischen Länder autark sein", sagte der reichste Mann Afrikas am Dienstag in Nairobi der Nachrichtenagentur AFP. Am Mittwoch startet ein Großprojekt Dangotes: der Bau einer Raffinerie auf Lamu vor der kenianischen Küste.

Korridorsanierung Hannover-Berlin: Bahn verspricht "Investition, die sich auszahlt"

Die Deutsche Bahn verspricht sich "mehr Qualität, Zuverlässigkeit und Stabilität" durch die Korridorsanierung der wichtigen Bahnstrecke zwischen Berlin und Hannover. "Das ist eine gewaltige Aufgabe, aber eine Investition, die sich auszahlt", erklärte Wolfgang Weinhold, Programmleiter Korridorsanierung bei der DB Infrago. Für die umfassenden Bauarbeiten auf der über 220 Kilometer langen Strecke wird diese ab Freitag bis voraussichtlich Dezember 2027 voll gesperrt.

Textgröße ändern: