Deutsche Tageszeitung - Antigewaltprojekt erfasst mehr trans- und homophobe Gewalttaten in Berlin

Antigewaltprojekt erfasst mehr trans- und homophobe Gewalttaten in Berlin


Antigewaltprojekt erfasst mehr trans- und homophobe Gewalttaten in Berlin
Antigewaltprojekt erfasst mehr trans- und homophobe Gewalttaten in Berlin / Foto: © AFP/Archiv

Die Zahl der homo- und transfeindlichen Angriffe in Berlin ist Zahlen des Antigewaltprojekts Maneo zufolge im vergangenen Jahr gestiegen. Maneo erfasste 557 solcher Fälle und Hinweise, wie das Projekt am Mittwoch bei der Vorstellung seines Jahresreports mitteilte. Im vergangenen Jahr waren es noch 527 Fälle gewesen. Am häufigsten waren Beleidigungen, Körperverletzungen oder der Versuch dazu sowie Nötigungen und Bedrohungen.

Textgröße ändern:

Maneo bedauerte, dass die Generalstaatsanwaltschaft 2020 eine Austauschsperre mit der Polizei verfügt habe. Zu mehr als 400 Hinweisen hätten nun genaue Informationen gefehlt. Früher hätten Hinweise dagegen mit der Polizei abgeglichen werden können, um Doppelzählungen zu vermeiden und sie der statistischen Erfassung hinzuzufügen.

Insgesamt gingen 760 Fälle und Hinweise bei Maneo ein. Davon hätten 351 Fälle ausgewertet werden können, hieß es. Darunter seien 261 Fälle gewesen, bei denen es um Feindschaft gegen lesbische, schwule, bisexuelle sowie trans-, intergeschlechtliche, nonbinäre und queere Menschen (LSBTIQ+) ging.

Vor allem die Zahl der Übergriffe gegen Einrichtungen für LSBTIQ+ fiel dem Projekt auf. 44 solcher Übergriffe wurden erfasst. Sie richteten sich gegen vom Senat geförderte Projekte, Bars und Cafés, außerdem gegen kirchliche oder religiöse Einrichtungen, welche die Regenbogenfahne zeigten.

Maneo verwies darauf, dass es wahrscheinlich eine hohe Dunkelziffer gebe. Der Anteil von erfassten Taten, die nicht angezeigt wurden, sei auf 48 Prozent gestiegen. Das Dunkelfeld liege geschätzt bei 80 bis 90 Prozent.

Die Organisation sprach von einer "erschreckenden Alltagsrealität" für viele LSBTIQ+, "mit Angst und Furcht zu leben, allein aufgrund dessen, schwul, lesbisch, bi-, trans*, intersexuell oder queer zu sein, beleidigt, bedroht und angegriffen werden zu können".

Schon im Dezember hatte der Monitoringbericht zu trans- und homophober Gewalt in Berlin festgestellt, dass die Anzahl trans- und homophober Gewalttaten in der Hauptstadt auf einen neuen Höchststand gestiegen war. In dem Bericht ging es um von der Polizei registrierte Taten. Ihr Anstieg setzte sich demnach seit 2014 kontinuierlich fort.

(L.Møller--DTZ)

Empfohlen

Verkaufsversuch gescheitert: Biontech schließt drei Standorte in Deutschland

Das Biotechnologieunternehmen Biontech hat die Schließung drei seiner Standorte in Deutschland bestätigt. "Trotz intensiver Bemühungen aller Beteiligten und eines breit angelegten Verkaufsprozesses ist es leider nicht gelungen, einen Kauf zu realisieren", erklärte der Konzern am Montag. Der Standort in Tübingen soll nach Unternehmensangaben zum Ende des Jahres 2027 schließen, jener in Marburg Anfang 2028 und der Standort in Idar-Oberstein Ende 2028.

Moskau stellt Russland-Geschäft von deutschem Handelskonzern Metro unter seine Verwaltung

Die russischen Behörden haben das Russland-Geschäft des deutschen Handelskonzerns Metro unter ihre Verwaltung gestellt. Sämtliche Vermögenswerte würden unter "temporäre Verwaltung" an das russische Unternehmen UK Torg RUS übertragen, hieß es in einem am Montag veröffentlichten Dekret des russischen Präsidenten Wladimir Putin. Moskau hatte zuletzt die Russland-Geschäfte mehrerer Konzerne unter russische Verwaltung gestellt, die aus Ländern stammen, die die Ukraine unterstützen.

Korruptionsprozess in Paris: Freiheitsstrafe für Ex-Ministerin Dati gefordert

Im Korruptionsprozess gegen die frühere französische Ministerin und Europaabgeordnete Rachida Dati hat die Anklage eine vierjährige Freiheitsstrafe gefordert. Die Finanzstaatsanwaltschaft forderte am Montag bei dem Prozess in Paris wegen illegaler Lobbyarbeit für die Autobauerallianz Renault-Nissan zudem ein fünfjähriges Ämterverbot für die prominente konservative Politikerin.

Iranische Anwältin Nasrin Sotudeh erhält Vaclav-Havel-Preis für Menschenrechte

Als erste Iranerin ist die Anwältin Nasrin Sotudeh mit dem Vaclav-Havel-Preis für Menschenrechte ausgezeichnet worden. Sotudeh, die sich gegen die Todesstrafe und gegen den Kopftuchzwang für Frauen im Iran einsetzt, erhielt den Preis für ihr Engagement "trotz wiederholter Verhaftungen, langer Haftstrafen und erheblicher persönlicher Risiken", begründete der Europarat am Montag in Straßburg seine Entscheidung. Die 63-jährige Anwältin brachte in einer Videobotschaft ihre Hoffnung auf "Freiheit" im Iran zum Ausdruck.

Textgröße ändern: