Deutsche Tageszeitung - Tausende Textilbeschäftigte protestieren erneut in Bangladesch

Tausende Textilbeschäftigte protestieren erneut in Bangladesch


Tausende Textilbeschäftigte protestieren erneut in Bangladesch
Tausende Textilbeschäftigte protestieren erneut in Bangladesch / Foto: © AFP

Die Massenproteste von Beschäftigten der Textilindustrie in Bangladesch gehen weiter. Am Mittwoch demonstrierten erneut tausende Arbeiter und Arbeiterinnen und errichteten Straßensperren in Dhaka. Bei Demonstrationen in den nördlichen Vororten der Hauptstadt, Ashulia und Gazipur, war es seit Montag zu Ausschreitungen und Zusammenstößen mit der Polizei gekommen. Mindestens zwei Menschen starben.

Textgröße ändern:

Die Behörden sprachen am Mittwoch von mindestens 5000 Demonstrierenden in Dhaka. Laut AFP-Reportern vor Ort könnte die tatsächliche Zahl deutlich höher sein. Nach Angaben der Polizei der Hauptstadtregion kam es zunächst nicht zu Gewalt. In Gazipur kam es der örtlichen Polizei zufolge jedoch zu Steinwürfen. "Wir haben Tränengas und Schallgranaten abgefeuert, um die Demonstranten zu vertreiben", sagte ein Polizeivertreter.

Dhaka und seine Vororte sind ein wichtiges Zentrum der Textilindustrie. Viele westliche Marken wie H&M, Gap, Adidas oder Puma lassen dort Kleidungsstücke herstellen. Die Löhne sind sehr niedrig, der Mindestlohn der Branche liegt aktuell bei monatlich 8300 Taka, umgerechnet rund 70 Euro. Die Gewerkschaft fordert nahezu eine Verdreifachung auf 23.000 Taka.

Sabina Begum, eine 22-jährige Schneiderin, sagte zu AFP, sie habe sich den Protesten angeschlossen, weil sie es leid sei, "für den Lebensunterhalt" ihrer Familie zu kämpfen. "Wie können wir einen Monat lang mit nur 8300 Taka auskommen, wenn wir bereits 5000 bis 6000 Taka für die Miete eines Zimmers ausgeben müssen?" Der Arbeitgeberverband hatte am Wochenende eine Erhöhung um 25 Prozent angeboten.

Bangladesch ist einer der größten Produzenten von Textilien weltweit, im Land gibt es rund 3500 Fabriken und Werkstätten. Vier Millionen Menschen arbeiten in der Branche. Textilien machen 85 Prozent der Exporte im Gesamtwert von 55 Milliarden Dollar (52 Milliarden Euro) jährlich aus.

(P.Tomczyk--DTZ)

Empfohlen

Berliner Polizei startet KI-gestützte Videoüberwachung

Besonders kriminalitätsbelastete Orte in Berlin sollen künftig mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz (KI) überwacht werden. Zunächst soll das System am Kottbusser Tor in Kreuzberg installiert werden, wie die Polizei am Donnerstag in der Hauptstadt mitteilte. Nach einer etwa vierwöchigen Konfigurationsphase werde der Testbetrieb des Pilotprojekts gestartet. Später folgten weitere kriminalitätsbelastete Orte in Kreuzberg, Friedrichshain und Mitte.

Allianz-Studie: Hitzewellen im Sommer 2026 kosten Deutschland 25 Milliarden Euro

Die Hitzewellen des vergangenen Sommers kommen die deutsche Wirtschaft teuer zu stehen: Laut einer Studie des Versicherungskonzerns Allianz und des Kreditversicherers Allianz Trade dürfte die Wirtschaftsleistung durch die Hitzewellen um rund 25 Milliarden Euro geschmälert werden. Grund sind demnach vor allem eine hitzebedingt geringere Arbeitsproduktivität, längere Pausen und Fehlzeiten sowie ein nur teilweiser Zugang zu Kühlung.

Energie, Rente, Tankrabatt: Ökonomen mit Fundamentalkritik an Bundesregierung

Fehlender Weitblick bei Renten und Energie, teure und "kontraproduktive" Maßnahmen wie der Tankrabatt: Die führenden Wirtschaftsforschungsinstitute haben Fundamentalkritik an der Bundesregierung geäußert. Bei den zentralen Punkten Demografie und Energieversorgung sei nicht ansatzweise eine Vision zu erkennen, zugleich sei die Koalition finanzpolitisch "auf Abwegen". Als Gefahr sehen die Ökonomen zudem eine zunehmend populistische Politik im Nachgang der jüngsten Wahlergebnisse.

"Made in Europe"-Pläne sorgen für Streit zwischen Deutschland und Frankreich

Die EU-Pläne für sogenannte "Made in Europe"-Quoten für die Industrie sorgen weiter für Streit zwischen Deutschland und Frankreich. "Produzieren in Europa, aber mit unseren Handelspartnern", forderte Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) am Donnerstag in Brüssel. Frankreichs Industrieminister Sébastien Martin will dagegen erreichen, dass staatliche Fördergelder in bestimmten Bereichen nur an Unternehmen vergeben werden, die in der EU produzieren.

Textgröße ändern: