Deutsche Tageszeitung - Türkei will mit neuem Sparprogramm ausufernde Inflation bekämpfen

Türkei will mit neuem Sparprogramm ausufernde Inflation bekämpfen


Türkei will mit neuem Sparprogramm ausufernde Inflation bekämpfen
Türkei will mit neuem Sparprogramm ausufernde Inflation bekämpfen / Foto: © AFP/Archiv

Die türkische Regierung will bei den staatlichen Ausgaben den Gürtel enger schnallen und so die horrende Inflation im Land eindämmen. "Unsere Priorität ist es, die hohen Lebenshaltungskosten zu bekämpfen", sagte Finanzminister Mehmet Simsek am Montag in Ankara bei der Vorstellung des auf drei Jahre angelegten Sparprogramms. Eine "niedrige einstellige Inflation" sei für nachhaltiges Wachstum unerlässlich, fügte er hinzu. Im April lag die Teuerungsrate im Vorjahresvergleich offiziell bei 69,8 Prozent .

Textgröße ändern:

Konkret sehen die Sparpläne der türkischen Regierung etwa vor, dass im Staatsdienst Neueinstellungen und auch die Transportausgaben deutlich gedrosselt werden. So soll die Zahl der Neueinstellungen auf die Zahl der Pensionierungen begrenzt werden; der Kauf oder das Leasing neuer Fahrzeuge für den öffentlichen Dienst wird für drei Jahre ausgesetzt - mit Ausnahme von "zwingend" nötigen Neuanschaffungen in den Bereichen Gesundheit, Sicherheit und Verteidigung.

Außerdem wird der Bau oder Kauf öffentlicher Gebäude ebenfalls für drei Jahre ausgesetzt, mit Ausnahme von Gebäuden, die zur Verringerung des Erdbebenrisikos gebaut wurden oder von Naturkatastrophen betroffen waren.

Weitere Ausgabenkürzungen sehen zudem Einschnitte bei den öffentlichen Haushalten für den Kauf von Waren und Dienstleistungen um zehn Prozent sowie eine 15-prozentige Kürzung der Investitionen vor, sofern diese nicht für Regionen bestimmt sind, die von den Folgen des verheerenden Erdbebens im Februar 2023 betroffen sind.

Das Sparprogramm beinhalte zahlreiche Budgetkürzungen "für den gesamten öffentlichen Dienst", sagte Simsek. Für einige dieser Vorhaben sind demnach Gesetzesänderungen durch das Parlament nötig. Eine Rückkehr zu einstelligen Werten bei der Inflation ist nach Angaben des Ministers Ende 2025 zu erwarten.

Die Inflationsrate in der Türkei war zuletzt wieder gestiegen. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hatte sich trotz der ausufernden Inflation lange gegen höhere Zinsen der Zentralbank gewehrt. Nach seiner Wiederwahl ins Präsidentenamt im vergangenen Jahr tauschte er dann die wirtschaftspolitische Führung aus und leitete eine die Zinswende ein. Die Zentralbank hob die Leitzinsen von damals 8,5 Prozent auf mittlerweile 50 Prozent an.

Bei der Kommunalwahl Ende März hatte Erdogans Partei AKP ein Debakel erlebt. Der Opposition gelang ein historischer Sieg: Die sozialdemokratische CHP setzte sich in den wichtigsten Städten des Landes gegen die islamisch-konservative AKP durch. Viele Beobachter machten die hohe Inflation und die drastische Abwertung der Lira im vergangenen Jahr für den Wahlausgang mitverantwortlich.

(W.Budayev--DTZ)

Empfohlen

Italiens Regierungschefin kündigt Burka-Verbot an Schulen an

An italienischen Schulen sollen Burkas und Nikabs künftig verboten sein. Zudem solle die Anzahl von aus dem Ausland stammenden Schülerinnen und Schülern je Klasse begrenzt werden, sagte die ultrarechte Regierungschefin Giorgia Meloni am Sonntag bei einem Treffen der Jugendorganisation ihrer Partei Fratelli d'Italia. Ein entsprechender Gesetzentwurf solle in Kürze vom Regierungskabinett beraten werden.

Vor Trump-Xi-Gipfel: US-Finanzminister empfängt Chinas Vize-Regierungschef in New York

Wenige Tage vor dem Staatsbesuch des chinesischen Präsidenten Xi Jinping in den USA sind hochrangige Vertreter beider Regierungen zu Beratungen in New York zusammengetroffen. US-Finanzminister Scott Bessent empfing den chinesischen Vize-Regierungschef He Lifeng am Sonntag im Hauptsitz der US-Bank JPMorgan Chase. Der Handelsbeauftragte von US-Präsident Donald Trump, Jamieson Greer, nahm ebenfalls an dem Treffen teil. Er hoffe auf "umfassende und konstruktive Gespräche heute, die die Weichen für das Treffen unserer Präsidenten stellen werden", sagte Bessent.

Autoindustrie fordert von Gewerkschaften mehr Veränderungsbereitschaft

Mit Blick auf den von der IG Metall ausgerufenen Aktionstag am Montag fordert die Autoindustrie von den Arbeitnehmervertretern mehr Veränderungsbereitschaft. Wer sich dem trotz der aktuellen Krise verweigere, "verleugnet die Realität", schrieb die Präsidentin des Verbands der Automobilindustrie (VDA), Hildegard Müller, in einem Gastbeitrag für das "Handelsblatt" (Sonntag). Der internationale Wettbewerb erfordere Veränderungen von allen.

EY: Deutsche Autokonzerne im Sinkflug

Mit der deutschen Autoindustrie geht es weiter bergab. Eine am Sonntag veröffentlichte Untersuchung der Beratungsfirma EY attestiert den deutschen Herstellern entgegen dem Markttrend sinkende Umsätze, einen Gewinneinbruch und "Margen im Sinkflug". Demnach bricht Volkswagen, BMW und Mercedes weiterhin weitgehend ungebremst das wichtige China-Geschäft weg.

Textgröße ändern: