Deutsche Tageszeitung - Bundesverfassungsgericht: Keine Wohnungsräumung bei akuter Suizidgefahr

Bundesverfassungsgericht: Keine Wohnungsräumung bei akuter Suizidgefahr


Bundesverfassungsgericht: Keine Wohnungsräumung bei akuter Suizidgefahr
Bundesverfassungsgericht: Keine Wohnungsräumung bei akuter Suizidgefahr / Foto: © AFP/Archiv

Das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe hat die Rechte von Mietern gestärkt, die aus gesundheitlichen Gründen einem Räumungsverlangen nicht nachkommen können. Nach einem am Dienstag veröffentlichten Beschluss zugunsten einer suizidgefährdeten 83-Jährigen kann auch die Verschlimmerung einer Erkrankung ein ausreichender Grund sein, um die Räumungspflicht auszusetzen. (Az. 2 BvR 26/24)

Textgröße ändern:

Die Beschwerdeführerin wohnt seit 2002 in einer Mietwohnung in Köln. Mit dem Eigentümer kam es 2022 zu einem Vergleich, wonach sie die Wohnung im Dezember 2022 räumen sollte. Weil sie selbst und auch die Stadt Köln keine andere Wohnung fanden, wurde die Räumung mit Blick auf ihre Gesundheit mehrfach verschoben. Dabei legte die Frau mehrere Atteste vor, wonach im Fall einer Räumung Suizid drohe.

Dennoch lehnte das Amtsgericht und auch das Landgericht Köln eine weitere Verlängerung der Räumungsschutzfrist über den November 2023 hinaus ab. Nach den Gutachten könne ein Suizid lediglich nicht ausgeschlossen werden, argumentierte das Landgericht. Das sei aber letztlich bei allen Menschen der Fall. Über die Wahrscheinlichkeit sei in den Gutachten nichts gesagt.

Die Beschwerde hiergegen ist "offensichtlich begründet", entschied nun das Bundesverfassungsgericht. Es hob die Entscheidung des Landgerichts auf und setzte die Räumung bis zu einer erneuten Prüfung durch die Kölner Richter aus.

Zur Begründung betonte das Bundesverfassungsgericht, im Streit um eine Zwangsvollstreckung müssten die Gerichte "die Wertentscheidungen der Grundrechte (...) beachten". Schwerwiegende Eingriffe in das Recht auf Leben und Gesundheit seien "tunlichst auszuschließen". Bei der Prüfung dürften die Gerichte daher nicht "kleinlich" sein.

Für eine weitere Aussetzung der Räumung könne es daher ausreichen, wenn sich eine bestehende Erkrankung unvorhergesehen verschlechtert hat. Das sei hier möglicherweise der Fall. Denn nach dem jüngsten Attest drohe die depressive Stimmungslage bei einer Räumung bis zu "akuter Suizidalität" zu eskalieren. Dies soll das Landgericht nun mit einem gerichtlichen Sachverständigengutachten abklären.

(B.Izyumov--DTZ)

Empfohlen

Italiens Regierungschefin kündigt Burka-Verbot an Schulen an

An italienischen Schulen sollen Burkas und Nikabs künftig verboten sein. Zudem solle die Anzahl von aus dem Ausland stammenden Schülerinnen und Schülern je Klasse begrenzt werden, sagte die ultrarechte Regierungschefin Giorgia Meloni am Sonntag bei einem Treffen der Jugendorganisation ihrer Partei Fratelli d'Italia. Ein entsprechender Gesetzentwurf solle in Kürze vom Regierungskabinett beraten werden.

Vor Trump-Xi-Gipfel: US-Finanzminister empfängt Chinas Vize-Regierungschef in New York

Wenige Tage vor dem Staatsbesuch des chinesischen Präsidenten Xi Jinping in den USA sind hochrangige Vertreter beider Regierungen zu Beratungen in New York zusammengetroffen. US-Finanzminister Scott Bessent empfing den chinesischen Vize-Regierungschef He Lifeng am Sonntag im Hauptsitz der US-Bank JPMorgan Chase. Der Handelsbeauftragte von US-Präsident Donald Trump, Jamieson Greer, nahm ebenfalls an dem Treffen teil. Er hoffe auf "umfassende und konstruktive Gespräche heute, die die Weichen für das Treffen unserer Präsidenten stellen werden", sagte Bessent.

Autoindustrie fordert von Gewerkschaften mehr Veränderungsbereitschaft

Mit Blick auf den von der IG Metall ausgerufenen Aktionstag am Montag fordert die Autoindustrie von den Arbeitnehmervertretern mehr Veränderungsbereitschaft. Wer sich dem trotz der aktuellen Krise verweigere, "verleugnet die Realität", schrieb die Präsidentin des Verbands der Automobilindustrie (VDA), Hildegard Müller, in einem Gastbeitrag für das "Handelsblatt" (Sonntag). Der internationale Wettbewerb erfordere Veränderungen von allen.

EY: Deutsche Autokonzerne im Sinkflug

Mit der deutschen Autoindustrie geht es weiter bergab. Eine am Sonntag veröffentlichte Untersuchung der Beratungsfirma EY attestiert den deutschen Herstellern entgegen dem Markttrend sinkende Umsätze, einen Gewinneinbruch und "Margen im Sinkflug". Demnach bricht Volkswagen, BMW und Mercedes weiterhin weitgehend ungebremst das wichtige China-Geschäft weg.

Textgröße ändern: