Deutsche Tageszeitung - Monopolkommission fordert klare Ausrichtung der Bahn auf Kundenzufriedenheit

Monopolkommission fordert klare Ausrichtung der Bahn auf Kundenzufriedenheit


Monopolkommission fordert klare Ausrichtung der Bahn auf Kundenzufriedenheit
Monopolkommission fordert klare Ausrichtung der Bahn auf Kundenzufriedenheit / Foto: © AFP

Die Monopolkommission hat die bisherige Bahn-Reform der Bundesregierung als unzureichend kritisiert und eine klare Ausrichtung des Staatsunternehmens auf die Bedürfnisse der Kundinnen und Kunden gefordert. Der Gesetzgeber müsse der Bahn strengere Vorgaben für eine "konsequente Ausrichtung an den Bedürfnissen der Kundinnen und Kunden" machen, sagte der Vorsitzende des Beratergremiums der Bundesregierung, Jürgen Kühling, am Montag in Berlin. Die Bahn-Reform von Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP) reiche da nicht aus.

Textgröße ändern:

Die Problematik sei in der Debatte um die Boni-Auszahlungen der Bahnvorstände deutlich geworden, sagte Kühling. "Ein Vorstand, der sich Boni auszahlen möchte, obwohl im Kernbereich der Kundenzufriedenheit, der Pünktlichkeit, katastrophale Werte erzielt werden - das zeigt, dass die Steuerung nicht gut funktioniert."

Der Bahn-Vorstand hatte die Auszahlung von Millionen-Boni damit begründet, dass in anderen Bereichen - etwa der Frauenquote in den Chefetagen der Bahn und bei der Mitarbeiterzufriedenheit - die Konzernziele übererfüllt wurden. Kühling kritisierte dies scharf. Das Argument der Zufriedenheit der Mitarbeiter sei auch grundsätzlich fraglich, denn kurze Zeit später habe es massive Streiks gegeben, "was vielleicht doch nicht auf so eine ganz große Zufriedenheit der Mitarbeitenden hinweist".

Auch könne es nicht sein, dass sich das Bundeskartellamt seit Jahren daran "abmühen" müsse, die Bahn dazu zu bringen, relevante Echtzeitdaten zum Schienenverkehr transparent allen Wettbewerbern zur Verfügung zu stellen, sagte Kühling. "Es streitet sich immer noch unser Bundeskartellamt, eine Bundesbehörde, mit einem Staatsunternehmen über die Ausgestaltung der Details, und dieser Streit wird wahrscheinlich noch jahrelang weitergehen."

Die Monopolkommission spricht sich seit Jahren für eine Zerschlagung der Bahn aus. Betrieb, Unterhalt und Ausbau der Schieneninfrastruktur sollten demnach nicht dem DB-Konzern obliegen, weil dadurch offensichtliche Interessenskonflikte mit Konkurrenzunternehmen entstehen. Die Bundesregierung gründete statt einer Zerschlagung jedoch eine neue Infrastruktur-Gesellschaft der Bahn. Die sogenannte InfraGo soll "gemeinnützig" handeln, gehört aber weiterhin zum Bahn-Konzern.

Die Gemeinnützigkeit sei aber nicht einmal klar definiert, kritisierte die Monopolkommission. "Bis jetzt ist das nur ganz vage in der Satzung der InfraGo angeschnitten worden", sagte Kühling. Auch fehle eine "personelle Entflechtung". Die Infrastruktursparte soll "unabhängig" sein, "trotzdem gibt es nach wie vor in der Bahn einen Konzernvorstand Infrastruktur", kritisierte das Monopolkommissionsmitglied Pamela Knapp.

(L.Barsayjeva--DTZ)

Empfohlen

Deutsche Autohersteller in der Krise: VW, Mercedes und BMW kämpfen mit massiven Verlusten in China

Die deutschen Autokonzerne Volkswagen, Mercedes-Benz und BMW befinden sich in einer existenziellen Krise auf dem chinesischen Markt. Was einst als profitabler Wachstumsmotor galt, ist heute zu einer massiven finanziellen Belastung geworden, während die lokale Konkurrenz dominiert. Die Konzerne stehen vor der Entscheidung, ihre Strategien radikal zu ändern oder den Rückzug anzutreten.

Elon Musk feiert Tesla als meistverkauften Importmarken in Südkorea

Elon Musk hat auf Social Media die anhaltende Dominanz von Tesla im südkoreanischen Automobilmarkt gewürdigt. Der CEO teilte ein modifiziertes Bild der südkoreanischen Flagge, um den neunten Monat in Folge als führende Importmarke zu feiern. Die Verkaufszahlen legten deutlich zu und übertrafen deutsche Luxusmarken.

GDF legt 420 Projekte für 2027 vor – 4,3 Milliarden Reais gesucht

Die Regierung des brasilianischen Bundesdistrikts hat der nationalen Bundesvertretung einen detaillierten Katalog mit 420 prioritären Projekten vorgelegt. Mit einer finanziellen Gesamtforderung von 4,3 Milliarden Reais will die Verwaltung unter Gouverneurin Celina Leão die Chancen erhöhen, parlamentarische Änderungsanträge für das Haushaltsjahr 2027 zu erhalten. Der Entwurf deckt Bereiche wie Gesundheit, Infrastruktur und soziale Programme ab.

UBS-Ökonom Donovan prognostiziert Ölpreisfall und kritisiert Fed-Chef

Der Chefökonom von UBS, Paul Donovan, prognostiziert einen deutlichen Rückgang der Ölpreise auf ein Fundament von 80 bis 85 Dollar pro Barrel, sobald die aktuellen geopolitischen Spannungen nachlassen. Parallel dazu äußert er scharfe Kritik an der wirtschaftspolitischen Ausrichtung des designierten Federal-Reserve-Vorsitzenden Kevin Warsh und bezweifelt dessen Vertrauen in zukünftige Produktivitätssprünge.

Textgröße ändern: