Deutsche Tageszeitung - 45 Prozent der Deutschen erlebten schon mal Altersdiskriminierung

45 Prozent der Deutschen erlebten schon mal Altersdiskriminierung


45 Prozent der Deutschen erlebten schon mal Altersdiskriminierung
45 Prozent der Deutschen erlebten schon mal Altersdiskriminierung / Foto: © AFP/Archiv

Fast die Hälfte der Menschen in Deutschland sind nach eigener Aussage in ihrem Leben schon wegen ihres Alters diskriminiert worden. 45 Prozent gaben das in einer am Dienstag veröffentlichten Umfrage des Instituts GMS für eine Studie der Antidiskriminierungsstelle des Bundes an. Insgesamt 26 Prozent sind demnach selten damit konfrontiert worden, 13 Prozent gelegentlich und sechs Prozent häufig. 55 Prozent hätten bisher gar keine derartigen Erfahrungen gemacht.

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Besonders jüngere Menschen berichteten in der Studie von Altersdiskriminierung. In der jüngsten befragten Gruppe der 16- bis 44-Jährigen gaben mit 52 Prozent mehr als die Hälfte der Menschen an, wegen ihres Alters schon diskriminiert worden zu sein. Der Studie zufolge entspricht der hohe Anteil unter jüngeren Menschen dem Forschungsstand vergleichbarer Studien. Dies werde unter anderem mit einer stärkeren Sensibilität gegenüber Ungleichbehandlungen unter Jüngeren erklärt.

Dabei spiele häufig eine Rolle, dass jüngere Menschen mit ihren Anliegen nicht ernst genommen werden oder in vielen Bereichen für zu jung gehalten werden, etwa bei verwehrten Aufstiegschancen im frühen Erwerbsleben. Auch in der Schule oder beim Wahlrecht nähmen Jugendliche Ungleichbehandlungen wahr.

In der Altersgruppe zwischen 45 und 64 Jahren machten eigenen Angaben zufolge bisher 43 Prozent Erfahrungen mit Altersdiskriminierung, bei den über 65-Jährigen waren es 35 Prozent. Unter allen Menschen ab 45 Jahren wird die altersspezifische Benachteiligung am häufigsten im Berufsleben (39 Prozent), im Gesundheitsbereich (27 Prozent), bei Geschäften und Dienstleistungen (24 Prozent) und auf dem Wohnungsmarkt (22 Prozent) erlebt.

Von den Menschen, die schon mal Altersdiskriminierung erlebt haben, gingen sehr wenige dagegen rechtlich vor. Nur drei Prozent wandten sich an eine Beratungsstelle, um ihre Rechte nach dem Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz durchzusetzen. Die Studie erklärt dies mit einer geringen Aufmerksamkeit und demzufolge einem geringen Problembewusstsein für das Thema.

Die Unabhängige Bundesbeauftragte für Antidiskriminierung, Ferda Ataman, erklärte, Altersdiskriminierung sei "ein größeres Problem, als uns bewusst ist". Sie betreffe vor allem jüngere und ältere Menschen. "Zwar ist Altersdiskriminierung gesetzlich verboten, aber das weiß kaum jemand. Die meisten Menschen machen die Diskriminierungserfahrungen mit sich alleine aus, statt sich Beratung zu holen und sich zu wehren", erklärte Ataman weiter.

Sie forderte ein gesellschaftliches Umdenken im Umgang mit Altersdiskriminierung. "Wir müssen über die negativen Altersbilder in unserer Gesellschaft reden: Noch immer glauben Menschen, ältere Kollegen am Arbeitsplatz seien eine Belastung. Das ist Unsinn und schadet der Wirtschaft."

Das DGB-Vorstandsmitglied Anja Piel spricht von einem "großen Ausmaß von Diskriminierung aufgrund des Lebensalters". Gerade in einer älter werdenden Gesellschaft dürften Menschen nicht wegen ihres Alters diskriminiert werden. Der DGB unterstütze die Forderung an die neue Bundesregierung, einen Nationalen Aktionsplan Antidiskriminierung vorzulegen und ein Verbot von Altersdiskriminierung im Grundgesetz zu verankern.

(I.Beryonev--DTZ)

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