Deutsche Tageszeitung - Trump kündigt "Pause" im Zollstreit an - Satz für EU sinkt auf zehn Prozent

Trump kündigt "Pause" im Zollstreit an - Satz für EU sinkt auf zehn Prozent


Trump kündigt "Pause" im Zollstreit an - Satz für EU sinkt auf zehn Prozent
Trump kündigt "Pause" im Zollstreit an - Satz für EU sinkt auf zehn Prozent / Foto: © AFP

US-Präsident Donald Trump hat im Zollstreit eine Kehrtwende angekündigt: "Ich habe eine 90-tägige Pause genehmigt", schrieb Trump am Mittwoch im Onlinedienst Truth Social. In diesem Zeitraum gelte ein "erheblich reduzierter" Zollsatz von zehn Prozent für die Handelspartner. Für China erhöhte Trump den Satz dagegen auf 125 Prozent. Der voraussichtliche Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und andere Europäer reagierten erleichtert, sie hoffen nun auf eine rasche Einigung mit Trump.

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Der US-Präsident lobte im Zollstreit mehr als 75 Länder, die mit der US-Regierung bereits über eine Lösung verhandeln. Für sie gilt für rund drei Monate der reduzierte Zollsatz von zehn Prozent. Trump erklärte, diese Handelspartner hätten auf seine "dringende Empfehlung hin in keiner Weise, Form oder Gestalt gegen die Vereinigten Staaten Vergeltung geübt".

Dazu zählt auch die Europäische Union, die Trump zuvor mit einem Aufschlag von 20 Prozent belegt hatte. Dieser halbiert sich nun mit sofortiger Wirkung.

Merz führte die Zollpause auf die "Entschlossenheit der Europäer" zurück. "Am besten machen wir alle zusammen im transatlantischen Handel null Prozent Zölle. Und dann ist das Problem gelöst", sagte der CDU-Chef in der Sendung "RTL Direkt". Er strebt nach eigenen Worten ein schnelles Treffen mit Trump an.

Die EU-Länder hatten in Brüssel zuvor zwar erste Gegenzölle auf US-Waren gebilligt. Damit reagierten sie allerdings auf ältere US-Zölle auf Stahl- und Aluminiumprodukte, die bereits seit Mitte März gelten und nicht auf Trumps letzte Zollankündigungen.

Der polnische Regierungschef und amtierende EU-Ratspräsident Donald Tusk schrieb im Onlinedienst X: "Lasst uns das Beste aus den nächsten 90 Tagen machen." Enge transatlantische Beziehungen seien trotz "vorübergehender Turbulenzen" wichtig.

Bei einem Auftritt vor dem Weißen Haus sagte Trump auf Journalistenfragen nach der EU: "Ein Deal könnte mit allen von ihnen geschlossen werden". Das gelte sogar für China.

Auf Truth Social hatte Trump die Volksrepublik scharf kritisiert und einen Zollaufschlag von insgesamt 125 angekündigt. Zuvor galt bereits ein Satz von mehr als hundert Prozent für China. Der Republikaner begründete dies mit dem "Mangel an Respekt, den China für die Weltmärkte gezeigt" habe. Damit spielte er auf die von Peking verhängten Vergeltungszölle an.

Nach Angaben der Chefin der Welthandelsorganisation (WTO), Ngozi Okonjo-Iweala, könnte der Zollkrieg den Warenverkehr zwischen den USA und China um 80 Prozent reduzieren und die gesamte Weltwirtschaft in Mitleidenschaft ziehen. Okonjo-Iweala wies darauf hin, dass die USA und China zusammen drei Prozent des Welthandels ausmachen und warnte, dass der Konflikt "die Aussichten für die Weltwirtschaft ernsthaft beeinträchtigen" könnte.

Die Wall Street reagierte euphorisch auf Trumps Kurswechsel: An der New Yorker Börse verzeichneten alle Indizes deutliche Gewinne, der Technologieindex Nasdaq schloss sogar um mehr als zwölf Prozent im Plus. Trump hatte zuvor angedeutet, nun sei ein "großartiger Zeitpunkt", Aktien zu kaufen. Nachdem Trump vor einer Woche seine Zollpolitik verkündet hatte, waren die Börsen weltweit auf Talfahrt gegangen.

Kurz nach seiner überraschenden Kehrtwende setzte Trump sein Tagesprogramm ungerührt fort. Er traf vor dem Weißen Haus Autorennfahrer und scherzte mit ihnen über ihre Leistungen. Höchstgeschwindigkeiten aushalten zu können sei "genetisch bedingt", sagte Trump.

(G.Khurtin--DTZ)

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