Deutsche Tageszeitung - EZB senkt Leitzinsen erneut - Nun steht Pause im Raum

EZB senkt Leitzinsen erneut - Nun steht Pause im Raum


EZB senkt Leitzinsen erneut - Nun steht Pause im Raum
EZB senkt Leitzinsen erneut - Nun steht Pause im Raum / Foto: © AFP

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat ihre Leitzinsen vor dem Hintergrund der abgeschwächten Inflation und der US-Zollpolitik erneut um 0,25 Prozentpunkte gesenkt. Der zentrale Leitzins, der auch für Sparerinnen und Sparer wichtige Einlagenzins, liegt damit bei 2,0 Prozent, wie die Notenbank in Frankfurt am Main am Donnerstag mitteilte. EZB-Chefin Christine Lagarde sieht die EZB "in guter Position" mit Blick auf die wirtschaftlichen Unsicherheiten.

Textgröße ändern:

Es ist die siebte Leitzinssenkung in Folge und die achte seit Mitte vergangenen Jahres. Der Hauptrefinanzierungssatz, zu dem sich Geschäftsbanken Geld von der EZB leihen können, liegt zukünftig bei 2,15 Prozent; der Zins zur kurzfristigen Beschaffung von Geld, der Spitzenrefinanzierungssatz, bei 2,40 Prozent.

Die Inflation im Euroraum hatte sich im Mai weiter abgeschwächt und war mit 1,9 Prozent unter das Zwei-Prozent-Ziel der EZB gerutscht. Gleichzeitig wird die ohnehin schwächelnde Wirtschaft von der schwer vorhersehbaren Zollpolitik der USA und ihrem Präsidenten Donald Trump belastet. Durch die Entscheidung der EZB dürften sich Kredite für Unternehmen und Privatleute verbilligen, was die Wirtschaft ein wenig ankurbeln könnte.

Die Zentralbank geht für dieses Jahr von einer Inflation von 2,0 Prozent aus und im kommenden Jahr von 1,6 Prozent. 2027 dann soll der Prognose zufolge das EZB-Ziel von zwei Prozent erreicht werden. Verglichen mit März senkte die EZB ihre Inflationserwartung für 2026 um 0,3 Prozentpunkte. Grund dafür sind laut Lagarde unter anderem gesunkene Energiepreise und der starke Euro.

Für die Wirtschaft im Euroraum erwartet die EZB weiterhin ein Wachstum um 0,9 Prozent für dieses Jahr. Ursächlich dafür sei "ein unerwartet starkes erstes Quartal in Verbindung mit schlechteren Aussichten für den restlichen Jahresverlauf", sagte Lagarde. Demnach wird die Handelspolitik die Konjunktur vor allem kurzfristig belasten. Positiv dürften sich laut EZB-Chefin öffentliche Ausgaben in die Verteidigung und die Infrastruktur auswirken.

"Wir glauben, dass wir in einer guten Position sind, um die Unsicherheiten zu meistern, die auf uns zukommen werden", sagte Lagarde. Mit der erneuten Zinssenkung komme die EZB aber "an das Ende" eines Zyklus', in dem sie auf verschiedene Schocks reagiert habe. Dazu zählte Lagarde die Corona-Pandemie und den Krieg in der Ukraine samt Energiepreiskrise. Näher wollte sich die EZB-Präsidentin nicht zum weiteren Zinskurs einlassen.

Der Bundesverband deutscher Banken sprach sich für eine Zinspause aus. "Weitere Zinssenkungen der EZB würden die Inflation wieder aktiv antreiben", warnte Hauptgeschäftsführer Heiner Herkenhoff.

Die Expertin für Geldpolitik und Inflation des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der Hans-Böckler-Stiftung, Silke Tober, empfahl dagegen, nicht zu lange mit der nächsten Senkung zu warten: "Da die zusätzlichen staatlichen Investitionen in dem größten Euroland Deutschland in der zweiten Jahreshälfte 2025 erst langsam anlaufen, wäre zeitnah ein weiterer Zinsschritt sinnvoll."

Der Chefanalyst der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK), Volker Treier, bezeichnete den erneuten Zinsschritt als eine "geldpolitische Vorleistung". "Umso wichtiger ist es, dass die neue Bundesregierung Tempo macht bei den Maßnahmen, die die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen hierzulande verbessern." Die Senkung könnte ein Impuls zur Stärkung des Wachstums sein.

Die EZB hatte im vergangenen Juni erstmals die Leitzinsen gesenkt. Nach einer Zinspause im Juli folgten dann im September, Oktober, Dezember und auch bei den ersten Sitzungen in diesem Jahr die nächsten Schritte nach unten. Bis Oktober 2023 hatte die EZB zuvor die Leitzinsen als Reaktion auf die hohe Inflation schrittweise angehoben.

(Y.Leyard--DTZ)

Empfohlen

Thüringen: Früherer Ministerpräsident Josef Duchac gestorben

Der frühere Thüringer Ministerpräsident Josef Duchac ist im Alter von 88 Jahren gestorben. Der CDU-Politiker erlag am vergangenen Freitag einer langen schweren Krankheit, wie die Staatskanzlei in Erfurt am Montag erklärte. Duchac war der erste Ministerpräsident Thüringens nach der Wiedervereinigung und führte von Dezember 1990 bis Februar 1992 die Landesregierung.

"Peinlich": Auftritt von Audi-Chef Döllner in den USA schlägt weiter hohe Wellen

Die Kritik am Auftritt von Audi-Chef Gernot Döllner an der Seite von US-Präsident Donald Trump reißt nicht ab. IG-Metall-Chefin Christiane Benner bezeichnete den Auftritt am Montag als "politisch inakzeptabel". Döllner habe "eklatant" die eigenen Unternehmensregeln verletzt, die ausdrücklich politische Neutralität im Vorfeld von Wahlen verordnen. Neben der Arbeitnehmerseite rügten auch Politikerinnen und Politiker von CDU, SPD, Grünen und Linken den Audi-Chef.

Verzicht auf nicht zwingende Standards: Gesetzentwurf für einfacheres Bauen steht

Eine geringere Norm-Temperatur im Schlafzimmer, weniger Trittschallschutz oder dünnere Wände: Künftig soll es möglich sein, von "Komfortstandards" beim Wohnungsbau abzuweichen - und so Kosten zu sparen. Das Bundesjustizministerium legte am Montag einen Gesetzentwurf vor, mit dem das Bauvertragsrecht entsprechend geändert werden soll. Erfahrungen aus Pilotprojekten zeigen laut Ministerium, dass die Bauwerkskosten mit einfacherem Bauen um etwa zehn bis 15 Prozent gesenkt werden könnten.

Ifo-Institut: Stimmung in Firmen hellt sich weiter zum sechsten Mal in Folge auf

Zum sechsten Mal in Folge hat sich die Stimmung in den deutschen Unternehmen im Oktober verbessert: Der Ifo-Geschäftsklimaindex stieg von 89,9 Punkten im September auf nun 90,2 Punkte, wie das Ifo-Institut in München am Montag mitteilte. Besonders in der Industrie hellte sich das Geschäftsklima auf. "Die Konjunkturbelebung setzt sich fort", erklärte Ifo-Präsident Clemens Fuest. Ökonomen warnten aber vor weiteren Risiken für die Wirtschaft - vor allem durch eine zusätzliche Eskalation in der Golfregion.

Textgröße ändern: