Deutsche Tageszeitung - Tafeln schlagen Alarm: Inzwischen eineinhalb Millionen regelmäßige Kunden

Tafeln schlagen Alarm: Inzwischen eineinhalb Millionen regelmäßige Kunden


Tafeln schlagen Alarm: Inzwischen eineinhalb Millionen regelmäßige Kunden
Tafeln schlagen Alarm: Inzwischen eineinhalb Millionen regelmäßige Kunden / Foto: © AFP/Archiv

Die Zahl der Menschen, die Lebensmittel bei den sogenannten Tafeln beziehen, ist nach Angaben ihres Dachverbands in den vergangenen Jahren um die Hälfte gestiegen. Rund eineinhalb Millionen Menschen kämen inzwischen regelmäßig zu einer der bundesweit mehr als 970 Tafeln, teilte der Verein Tafel Deutschland am Donnerstag in Hannover mit. Die Menge der Lebensmittelspenden stagniere oder sinke hingegen.

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"Das Ausmaß von Armut in unserem Land ist vielen Menschen nach wie vor nicht bewusst", erklärte der Dachverbandsvorsitzende Andreas Steppuhn. Seit 2021 seien die Preise für Lebensmittel um ein Drittel gestiegen. Einkommen, Renten und Sozialleistungen seien dagegen nur geringfügig angepasst worden. Damit habe sich die Lage für viele Menschen mit wenig Geld "dramatisch verschärft".

Auch hinter den Tafeln lägen "fünf kräftezehrende Jahre", erklärte Steppuhn anlässlich des Bundestafeltreffens in der niedersächsischen Hauptstadt. Sie seien von der Coronapandemie, hoher Inflation und den Folgen des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine geprägt gewesen. Aktuell bestehe die größte Herausforderung für die Tafeln in fehlenden Lebensmitteln. Zwei Drittel der Initiativen berichteten, die Menge an geretteten Waren decke den Bedarf nicht.

Derzeit kann demnach fast jede dritte Tafel keine neuen Kunden aufnehmen, bei vielen gibt es Wartelisten oder einen temporären Aufnahmestopp. Die Tafeln wollen demnach unter anderem durch neuartige Kooperationen mit der Industrie unter der Bezeichnung Allianz für Lebensmittelrettung mehr Waren sammeln. In der Industrie fielen mehr Überschüsse an als im Lebensmittelhandel, erklärte der Dachverband. Dazu kämen noch Digitalisierung und eine bessere Logistik.

Die Tafeln verteilen nach eigenen Angaben etwa 265.000 Tonnen Lebensmittel im Jahr an Bedürftige. Sie betreiben dafür ein flächendeckendes Netz aus Lagern und Ausgabestellen. Örtliche Tafeln sammeln Lebensmittel bei Supermärkten oder Bäckereien ein, der Dachverband koordiniert Großspenden von Herstellern oder Erzeugern. Verteilt werden nur einwandfreie Lebensmittel, die aber aus unterschiedlichen Gründen nicht verkauft werden können - etwa wegen eines sich nähernden Mindesthaltbarkeitsdatums oder Druckfehlern auf Etiketten.

(L.Svenson--DTZ)

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