Deutsche Tageszeitung - Russische Websites in der EU oft trotz Verbots abrufbar - auch in Deutschland

Russische Websites in der EU oft trotz Verbots abrufbar - auch in Deutschland


Russische Websites in der EU oft trotz Verbots abrufbar - auch in Deutschland
Russische Websites in der EU oft trotz Verbots abrufbar - auch in Deutschland / Foto: © AFP/Archiv

Trotz eines EU-weiten Verbots sind die Websites russischer Medien in vielen Ländern weiter ohne große Einschränkungen abrufbar - auch in Deutschland. Zu diesem Ergebnis kommt eine am Dienstag veröffentlichte Studie des Instituts für Strategischen Dialog (ISD), eine Londoner Denkfabrik. Die Autoren riefen die EU-Kommission auf, für eine schärfere Durchsetzung der wegen des russischen Angriffskriegs in der Ukraine verhängten Verbote zu sorgen.

Textgröße ändern:

Zu den verbotenen Medien gehören die Sputnik-Gruppe und die Webseite RT, früher bekannt als Russia Today. In Deutschland verzeichnen RT-Webseiten der Studie zufolge weiterhin mehr als 100.000 Besucherinnen und Besucher pro Monat. Die Autoren fanden zudem zahlreiche Profile im Onlinedienst X, die allein im Mai fast 50.000 Links zu RT-Webseiten hochgeladen hatten, viele davon auf deutsch.

Mit den Sanktionen will die EU eigentlich gegen Falschinformationen und einen "Informationskrieg" aus Russland vorgehen. "Russische Staatsmedien sind im Netz weiter stark vertreten und stellen die westlichen Demokratien vor anhaltende Herausforderungen", heißt es in der Studie. Vorgesehene Blockaden der Internetanbieter seien "größtenteils nutzlos".

Das Problem aus Sicht der Autoren: Die EU-Kommission gibt zwar an, welche Medien in den 27 Mitgliedsländern verboten sind, nicht aber die genauen Internetadressen. Mit einer Liste der genauen Adressen "würde es den Mitgliedstaaten und den Internetanbietern sehr viel leichter fallen, die Sperren durchzusetzen", urteilte einer der Autoren der Studie, Pablo Maristany de las Casas.

Russland versuche zudem, die Sperren zu umgehen. "Einige Medien, wie beispielsweise RT, verwenden sogenannte Spiegel-Domains", erklärte Maristany de las Casas. "Sie kopieren einfach die Inhalte der gesperrten Seite in einen neuen Link, um die Sanktionen zu umgehen."

Brüssel sieht sich nicht in der Verantwortung. "Es liegt in der Hand der Anbieter, den Zugang zu den Websites sanktionierter Medien zu sperren, einschließlich untergeordneter oder neu erstellter Internetadressen", sagte ein Kommissionssprecher am Dienstag der Nachrichtenagentur AFP.

Neben Deutschland haben die Studienautoren den Zugang zu russischen Medien in Frankreich, Italien, Polen, Tschechien und der Slowakei untersucht. Sie versuchten, auf 58 Websites im Zusammenhang mit 26 verbotenen Anbietern zuzugreifen - in 76 Prozent der Fälle griff keine Sperre. Trotz der zahlreichen RT-Zugriffe schnitt Deutschland im Vergleich gut ab, ebenso wie Frankreich.

In der Slowakei sieht das unter dem pro-russischen Regierungschef Roberto Fico anders aus. Ein slowakisches Gesetz, das den Zugriff auf russische Staatsmedien verboten hatte, war 2022 ausgelaufen. In der Slowakei gibt es seitdem trotz der eigentlich geltenden Sanktionen gar keine Sperren.

(G.Khurtin--DTZ)

Empfohlen

"Falsche Schlussfolgerungen": Frei warnt SPD vor Aufschnüren des Rentenpakets

Unionsfraktionschef Thorsten Frei (CDU) hat Forderungen der SPD nach Änderungen bei den geplanten Reformen zurückgewiesen. Er sei überzeugt, dass die Koalition aus dem Wahlergebnis in Sachsen-Anhalt "keine falschen Schlussfolgerungen ziehen darf", sagte Frei vor einer Sitzung der Unionsfraktion am Montag in Berlin. "Eine falsche Schlussfolgerung wäre, dass man die vielfachen Reformen, die wir in Angriff genommen haben, nicht mit einem hohen Tempo weiter fortsetzte."

Bas kündigt nach Landtagswahl Konsequenzen an: "Ein 'Weiter so' geht nicht"

SPD-Chefin Bärbel Bas hat nach der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt inhaltliche Konsequenzen angekündigt. "Ich finde, ein 'Weiter so' geht nicht", sagte Bas am Montag in Berlin. Zwar sei der Reformkurs der Bundesregierung richtig und notwendig, aber "wir dürfen die Sozialreformen nicht gegen die Menschen machen", betonte die Bundesarbeitsministerin.

Raketenabwehr statt Autos: VW verkauft Werk Osnabrück an israelischen Investor

Im Volkswagen-Werk in Osnabrück sollen künftig keine Autos mehr, dafür Luftverteidigungssysteme gebaut werden. Das Land Niedersachsen, der VW-Konzern, der Investor Aurelius Capital aus Tel Aviv und der israelische Rafael-Rüstungskonzern schlossen am Montag eine entsprechende Vereinbarung. VW zieht sich demnach vollständig vom Standort Osnabrück zurück.

UN-Menschenrechtskommissar: KI könnte zur "existenziellen Gefahr für Menschheit" werden

UN-Menschenrechtskommissar Volker Türk hat eine Regulierung der Künstlichen Intelligenz (KI) dringend angemahnt. Die KI "könnte zu einer existenziellen Gefahr für die Menschheit" werden, sagte Türk am Montag zur Eröffnung der 63. Sitzung des UN-Menschenrechtsrats in Genf. Er rief dazu auf, "verbindliche Garantien für die Sicherheit und den Schutz im Zusammenhang mit KI zu schaffen, bevor es zu spät ist".

Textgröße ändern: