Deutsche Tageszeitung - Weiter hohe Zahl von Sexualdelikten an Minderjährigen - Dobrindt kündigt Maßnahmen an

Weiter hohe Zahl von Sexualdelikten an Minderjährigen - Dobrindt kündigt Maßnahmen an


Weiter hohe Zahl von Sexualdelikten an Minderjährigen - Dobrindt kündigt Maßnahmen an
Weiter hohe Zahl von Sexualdelikten an Minderjährigen - Dobrindt kündigt Maßnahmen an / Foto: © AFP/Archiv

In Deutschland werden weiterhin besorgniserregend viele Kinder und Jugendliche zu Opfern von Sexualstraftaten. 16.354 Fälle von Kindesmissbrauch registrierten die Behörden im vergangenen Jahr - nur geringfügig weniger als im Vorjahr 2023, in dem hier ein Rekordwert gemeldet wurde. Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) zeigte sich bei der Vorstellung der Zahlen am Donnerstag schockiert und kündigte schärfere Maßnahmen an.

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Die Fallzahlen der verschiedenen Sexualstraftaten an Minderjährigen seien "auf einem nach wie vor sehr hohen Niveau", sagte Dobrindt zu den Erkenntnissen des so genannten Bundeslagebilds von Bundesinnenministerium und Bundeskriminalamt (BKA). Er sprach von einer "unglaublichen Dimension", oft würden die Opfer über längere Zeit wiederholt von den Tätern missbraucht. Die Zahlen bilden zudem nur die erfassten Straftaten ab. Das Dunkelfeld ist "unserer Einschätzung nach sehr hoch", sagte Dobrindt.

Die Zahlen betreffen sexuelle Missbrauchstaten von Kindern bis 13 Jahren. Auch bei Jugendlichen bis 17 Jahren lag die Fallzahl 2024 über dem Fünf-Jahres-Schnitt, mit 1191 Fällen allerdings ebenfalls minimal unter der von 2023.

Die gut 16.000 Fälle von Kindesmissbrauch bedeuten einen minimalen Rückgang von 0,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr, die Zahl der erfassten Opfer in diesem Bereich sank um 2,2 Prozent auf 18.085, die der Tatverdächtigen stieg allerdings um 3,9 Prozent auf 12,368. 95 Prozent davon waren männlich.

Die Zahlen will BKA-Präsident Holger Münch "nicht als Entwarnung" verstanden wissen, "weil jeder Fall wirklich schweres Leid für die Betroffenen" bedeutet, wie er sagte.

Knapp drei Viertel der Opfer sexuellen Missbrauchs von Kindern bis 13 Jahren waren Mädchen (73,9 Prozent). In mehr als der Hälfte der Fälle (56,9 Prozent) bestand zwischen Opfern und Tatverdächtigen eine Vorbeziehung, überwiegend waren es Freunde oder Familienangehörige. Ein knappes Drittel der Tatverdächtigen war minderjährig.

Über den noch höheren Anteil minderjähriger Tatverdächtiger bei Kinder- und Jugendpornografie zeigte sich BKA-Chef Münch besorgt. Hier seien rund 40 Prozent der Verdächtigen nicht mal 18 Jahre alt. Häufig würden Inhalte "unbedacht über Chats und Messengerdienste an Gleichaltrige" weitergeleitet, sagte Münch.

Bei Jugendpornografie wurden im vergangenen Jahr 6901 Fälle gemeldet - so viele wie noch nie. Bei Kinderpornografie gab es hingegen erstmals einen Rückgang im Vergleich zum Vorjahr. Die 42.854 Fälle liegen aber immer noch deutlich über dem Schnitt der vergangenen fünf Jahre.

Ein immer größerer Teil der Sexualstraftaten findet im Internet statt, etwa über das sogenannte Cybergrooming, also die gezielte Kontaktaufnahme und Manipulation Minderjähriger. Außerdem gibt es immer mehr Fälle von Live-Streaming, bei denen der Missbrauch von Kindern in Echtzeit über Online-Plattformen gezeigt wird. Dobrindt zufolge finden die Taten oft im Ausland statt, meist auf den Philippinen.

Die Unabhängige Bundesbeauftragte gegen sexuellen Missbrauch von Kindern und Jugendlichen, Kerstin Claus, warnte vor den Gefahren des Internets für Minderjährige. "Im Netz explodiert das Risiko sexueller Gewalt", sagte sie. "Noch nie war es für Täter so leicht, Opfer zu erreichen." Claus plädierte für besseren Schutz etwa bei Smartphones und Tablets. "Mobile Endgeräte dürfen nicht länger Tatwerkzeuge sein", sagte sie.

Minister Dobrindt kündigte schärfere Maßnahmen bei der Strafverfolgung an. "In den nächsten Wochen" werde sich die Bundesregierung über die Vorratsdatenspeicherung einigen.

Münch befürwortete diesen Vorstoß einer dreimonatigen Speicherung von IP-Adressen. "Das wird unsere Ermittlungserfolge nochmals deutlich steigern", sagte er. Dobrindt kritisierte, dass deutsche Ermittler häufig auf Hinweise ausländischer Behörden angewiesen seien. Er hält zudem die Verschlüsselungstechnologien etwa in Whatsapp-Chats für falsch.

Bundesjustizministerin Stefanie Hubig (SPD) plädierte für "Aufklärung, Prävention und eine effektive Strafverfolgung" bei der Bekämpfung von Sexualstraftaten gegen Kinder und Jugendliche. Die Bundesregierung wolle Polizei und Justiz stärken, erklärte sie.

Der Deutsche Richterbund sieht in den Zahlen "einen klaren Handlungsauftrag an die schwarz-rote Koalition". Die befristete Speicherung für IP-Adressen sei überfällig, betonte Geschäftsführer Sven Rebehn.

(U.Beriyev--DTZ)

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