Deutsche Tageszeitung - Linnemann fordert schärfere EU-Regeln zu Freizügigkeit für Arbeitnehmern

Linnemann fordert schärfere EU-Regeln zu Freizügigkeit für Arbeitnehmern


Linnemann fordert schärfere EU-Regeln zu Freizügigkeit für Arbeitnehmern
Linnemann fordert schärfere EU-Regeln zu Freizügigkeit für Arbeitnehmern / Foto: © AFP/Archiv

Angesichts der gestiegenen Zahl ausländischer Bürgergeldbezieher in Deutschland hat CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann eine Verschärfung der EU-Regeln zur Arbeitnehmerfreizügigkeit gefordert. Auf EU-Ebene müsse der Arbeitnehmerbegriff neu definiert werden, sagte Linnemann der "Bild" vom Montag. "Wenige Stunden zu arbeiten und den Rest aufzustocken, obwohl man Vollzeit arbeiten kann, darf nicht möglich sein."

Textgröße ändern:

Ziel müsse es sein, "dass grundsätzlich eine Vollzeittätigkeit maßgeblich ist - insbesondere bei kinderlosen Singles", sagte der CDU-Politiker. Bisher sei hier die Schwelle für den Bürgergeld-Bezug zu niedrig. Es handle sich um eine "krasse Regelungslücke, die geradezu dazu einlädt, sie auszunutzen". Deutschland müsse das Sozialsystem "resilienter machen und vor dem Missbrauch durch kriminelle Banden schützen", betonte Linnemann.

Nach Angaben der Bundesregierung ist der Anteil von Bürgergeldbeziehenden mit ausländischem Pass in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Demnach wuchs der Anteil nicht-deutscher Bürgergeldempfänger von 19,6 Prozent 2010 auf 47,3 Prozent im Jahr 2023. Einer der Gründe ist der Zuzug hunderttausender Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine.

Der CDU-Generalsekretär verlangt außerdem harte Strafen für Auftraggeber von Schwarzarbeit: "Schwarzarbeit ist zu einem der größten Einfallstore beim Missbrauch von Sozialleistungen geworden", sagte Linnemann. "De facto sprechen wir über organisierte Kriminalität, über Machenschaften, die unsere Sozialsysteme systematisch ausplündern."

Wer als Arbeitgeber Menschen schwarz beschäftige,, müsse "wie ein selbstschuldnerischer Bürge behandelt werden", sagte Linnemann. Das bedeute, der Arbeitgeber hafte "in vollem Umfang auch für Leistungen, die der illegal Beschäftigte zu Unrecht erhalten hat", erläuterte der CDU-Politiker. "Wer betrügt, muss zahlen."

Bundesarbeitsministerin Bärbel Bas (SPD) kündigte derweil die baldige Vorlage eines Maßnahmenpakets zur Eindämmung von Sozialbetrug an. Im Herbst werde sie "konkrete Vorschläge" vorlegen, darüber sei sie mit Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) im Austausch, sagte Bas der "Bild"-Zeitung vom Montag. Die Bundesagentur für Arbeit wolle dafür ein eigenes "Kompetenzzentrum Leistungsmissbrauch" einrichten.

Ein zentraler Punkt beim Kampf gegen Sozialbetrug sei "ein besserer Datenaustausch zwischen Bund, Ländern und Kommunen - etwa zwischen Ausländerbehörden, Jobcentern und Sicherheitsbehörden, insbesondere dem Zoll", erläuterte Bas. Das sei nötig, "um vor allem bandenmäßigen Leistungsmissbrauch systematisch bekämpfen zu können".

Ein "hartes Vorgehen" gegen Sozialleistungsbetrug sei "wichtig, denn er bringt alle in Verruf, die wirklich bedürftig sind", betonte die SPD-Politikerin.

(V.Varonivska--DTZ)

Empfohlen

"Arbeitsgespräch" bei Klingbeil: "Wertvoller Input" für Koalitionsausschuss

Beim Treffen von Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) mit Vertreterinnen und Vertretern von Gewerkschaften und Unternehmensverbänden sind laut einer Ministeriumssprecherin Maßnahmen in der aktuellen Energiepreiskrise erörtert worden. Außerdem ging es um die generelle Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Deutschland, wie die Sprecherin am Freitag mitteilte. Über die Inhalte des Gesprächs sei Vertraulichkeit vereinbart worden. Der Finanzminister werde die diskutierten Punkte als "wertvollen Input" mit in die weiteren Gespräche innerhalb der Bundesregierung nehmen.

Stefano Gabbana tritt als Unternehmenschef zurück - behält aber "kreative Rolle"

Führungswechsel beim italienischen Modehaus Dolce & Gabbana: Der 63-jährige Mitgründer Stefano Gabbana ist als Chef des Unternehmens zurückgetreten, behält aber seine "kreative Rolle", wie das Unternehmen Freitag mitteilte. Neuer Präsident des Modehauses wird der bisherige Geschäftsführer Alfonso Dolce, Bruder des Mitgründers Domenico Dolce.

Ausfließendes Öl legt Schiffsverkehr in Hafen von Antwerpen größtenteils lahm

Ausfließendes Öl hat den Schiffsverkehr an Europas zweitgrößtem Container-Hafen am Freitag größtenteils lahmgelegt. Bei der Betankung eines Schiffes am Deurganck-Dock sei Öl ausgelaufen, dass sich trotz Reinigungs- und Eindämmungsmaßnahmen über Nacht weiter ausgebreitet habe, erklärte der Betreiber des Hafens in Antwerpen. Dies führte zu "erheblichen Störungen" im Schiffsverkehr.

Reiche will Rente an Lebenserwartung koppeln und lehnt höhere Spitzensteuer ab

Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) hat sich mit mehreren Vorschlägen zur Sozial- und Steuerpolitik klar gegen den Koalitionspartner SPD gestellt. In einem Gastbeitrag für das "Handelsblatt" vom Freitag schlug sie erneut ein späteres Renteneintrittsalter vor. Dieses müsse "behutsam, aber verbindlich an die steigende Lebenserwartung gekoppelt werden".

Textgröße ändern: