Deutsche Tageszeitung - Ölförderung in der Arktis: Klimaaktivisten scheitern mit Klage gegen Norwegen

Ölförderung in der Arktis: Klimaaktivisten scheitern mit Klage gegen Norwegen


Ölförderung in der Arktis: Klimaaktivisten scheitern mit Klage gegen Norwegen
Ölförderung in der Arktis: Klimaaktivisten scheitern mit Klage gegen Norwegen / Foto: © AFP/Archiv

Junge Klimaaktivisten sind vor dem Menschenrechtsgerichtshof (EGMR) in Straßburg mit einer Klage gegen Norwegen gescheitert. Der Gerichtshof urteilte am Dienstag, die Regierung in Oslo habe mit der Vergabe von Öl- und Gasförderlizenzen in der Arktis nicht gegen eigene Klimaschutzverpflichtungen verstoßen. Norwegen habe Artikel 8 der europäischen Menschenrechtskonvention gewahrt, der das Recht auf Achtung des Privat- und Familienlebens garantiert.

Textgröße ändern:

Geklagt hatten sechs junge Norwegerinnen und Norweger, geboren in den Jahren zwischen 1995 und 2001, sowie die Umweltschutzorganisationen Greenpeace und Friends of the Earth. Sie hatten unter Berufung auf Artikel 8 argumentiert, der Staat habe vor Erteilung der Förderlizenzen eine Umweltverträglichkeitsprüfung zu den möglichen Folgen auf seine Klimaschutzverpflichtung unterlassen. Er habe damit versäumt, die Bürger "vor den schwerwiegenden negativen Auswirkungen des Klimawandels auf ihr Leben, ihre Gesundheit, ihr Wohlergehen und ihre Lebensqualität" zu schützen. Das wies der Gerichtshof zurück.

Der Gerichtshof kam aber auch zu dem Schluss, dass die Folgenabschätzung "im Rahmen der Verfahren, die zu der Entscheidung von 2016 geführt haben, nicht wirklich umfassend war". Das begrüßte die Vize-Vorsitzende der Jugendorganisation von Friends of the Earth, Sigrid Hoddevik Losnegard: "Wir sind sehr froh, dass der EGMR in diesem Punkt so klar Stellung bezogen hat. Das wird erhebliche Auswirkungen auf die Art und Weise haben, wie die Ölförderung in Norwegen gehandhabt wird", erklärte sie gegenüber AFP.

Norwegen ist der größte Öl- und Erdgasproduzent Westeuropas. Energieminister Terje Aasland begrüßte am Dienstag seinerseits ebenfalls das "klare" Urteil.

Im Frühjahr 2024 hatte der EGMR erstmals ein Land wegen mangelnden Klimaschutzes verurteilt: Er gab einer Gruppe Schweizer Seniorinnen recht, die ihrer Regierung vorgeworfen hatten, durch mangelnden Klimaschutz ihre Menschenrechte zu verletzen.

Auch sie beriefen sich auf Artikel 8 der Menschenrechtskonvention. Das Gericht erkannte an, dass Hitzewellen infolge des Klimawandels das Leben der Klägerinnen beeinträchtigen. Der Gerichtshof forderte die Regierung in Bern auf, ihre Klimapolitik zu überprüfen. Das Urteil war damals als bahnbrechend bezeichnet worden.

In den vergangenen Jahren haben sich Klimaklagen gegen Unternehmen und Staaten gehäuft. In Deutschland hatte das Bundesverfassungsgericht 2021 das deutsche Klimaschutzgesetz für teilweise verfassungswidrig erklärt, da es die Freiheitsrechte künftiger Generationen beeinträchtige.

(V.Sørensen--DTZ)

Empfohlen

Iran-Krieg: IWF-Chefin erwartet Ernährungskrise und bis zu 50 Milliarden Dollar Hilfsbedarf

Infolge des Iran-Kriegs rechnet der Internationale Währungsfonds (IWF) mit einer Ernährungskrise und nötigen Finanzhilfen von bis zu 50 Milliarden Dollar (rund 43 Milliarden Euro) für besonders bedürftige Länder. IWF-Chefin Kristalina Georgieva sagte am Donnerstag in Washington laut vorab verbreitetem Redetext, mindestens 45 Millionen Menschen seien dann voraussichtlich von Hunger betroffen. Die Nachfrage nach kurzfristigen IWF-Hilfen werde auf "zwischen 20 und 50 Milliarden US-Dollar steigen".

Studie: Deutsche Rüstungsbranche kann Nachfrage der Bundeswehr nicht bedienen

Die deutschen Rüstungsunternehmen können nach Einschätzung eines Beratungsunternehmens die Nachfrage durch die Bundeswehr auf absehbare Zeit nicht bedienen. Die deutschen Streitkräfte seien daher noch lange von Waffenimporten abhängig, berichtete der "Spiegel" am Donnerstag unter Berufung auf eine Modellrechnung der internationalen Strategieberatung Strategy&. Demnach könnte bis 2035 eine Lücke von bis zu 117 Milliarden Euro zwischen der Beschaffungsnachfrage und dem Wert der von deutschen Unternehmen produzierten Rüstungsgüter klaffen.

Merz bereitet offenbar Entlastungen vor - höhere Pendlerpauschale im Gespräch

Angesichts der weiterhin hohen Energiepreise konkretisieren sich in der Bundesregierung offenbar die Pläne für steuerliche Entlastungen. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) ist einem Bericht der "Bild"-Zeitung vom Donnerstag zufolge offen für eine Erhöhung der Pendlerpauschale von derzeit 38 Cent auf bis zu 45 Cent je Kilometer. Zudem sei er für eine Senkung der Stromsteuer. Die Überlegungen zur Pendlerpauschale stießen beim Koalitionspartner SPD allerdings auf Kritik.

Spritpreise: Bundeskartellamt fordert von Raffinerien Infos zur Preissetzung

Das Bundeskartellamt hat die Raffinerien in Deutschland aufgefordert, Informationen zum Zustandekommen der Spritpreise zu liefern. "Die Unternehmen müssen uns über ihre Kostenstrukturen aufklären und zeigen, dass ihre Preise gerechtfertigt sind", erklärte Kartellamtschef Andreas Mundt am Donnerstag. Er wies jedoch Forderungen zurück, dass seine Behörde für sinkende Preise an den Tankstellen sorgen solle.

Textgröße ändern: