Deutsche Tageszeitung - Verbraucherschützer: Wartefrist vor Abschluss von Restschuldversicherung muss bleiben

Verbraucherschützer: Wartefrist vor Abschluss von Restschuldversicherung muss bleiben


Verbraucherschützer: Wartefrist vor Abschluss von Restschuldversicherung muss bleiben
Verbraucherschützer: Wartefrist vor Abschluss von Restschuldversicherung muss bleiben / Foto: © AFP/Archiv

Verbraucherschützer fordern, die erst Anfang des Jahres eingeführte Wartefrist zwischen dem Abschluss eines Ratenkredits und dem Abschluss einer Restschuldversicherung beizubehalten. Die Einführung dieser siebentägigen Wartefrist "war ein wichtiger Game-Changer" für Bankkunden, erklärte am Freitag Dorothea Mohn vom Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv): Durch den zeitlichen Abstand könnten Verbraucher nun ohne Druck darüber nachdenken, ob und mit welchem Versicherungsangebot sie ihre Zahlungsverpflichtung gegenüber der Bank absichern möchten.

Textgröße ändern:

Eine Restschuldversicherung sichert einen Kredit ab, wenn der Kreditnehmer zahlungsunfähig wird, etwa bei Tod, Arbeitslosigkeit oder Arbeitsunfähgkeit. Der vzbv und die Bürgerbewegung Finanzwende sehen in der Restschuldversicherung ein meist "völlig überteuertes und oft unpassendes Produkt", das Versicherungen und Banken anbieten. Für die Finanzbranche hingegen sei die Restschuldversicherung "lange eine echte Goldgrube" gewesen, erklärte der Vorstand von Finanzwende, Gerhard Schick.

Der Bankenfachverband - der die Interessen von Banken vertritt, die auf Finanzierungen von Konsumgütern oder Autos spezialisiert sind - fordert die komplette Abschaffung der Wartefrist. Sie konterkariere eine "wirksame Überschuldungsprävention", erklärte am Donnerstag Verbandsgeschäftsführer Jens Loa. "Die Möglichkeit, Kredite und Absicherungen ohne künstliche Verzögerung abzuschließen, sind im Sinne von Verbrauchern, Banken und der Wettbewerbsfähigkeit des Finanzstandorts Deutschland."

Die Wartefrist von sieben Tagen sei deutsches Sonderrecht, "europarechtswidrig und unverhältnismäßig". Sie müsse bei der anstehenden Umsetzung der europäischen Verbraucher-Kreditrichtlinie abgeschafft werden.

Die Bundesregierung beschloss im September den Gesetzentwurf zur Umsetzung der Richtlinie. Der Bundesrat nahm Mitte Oktober Stellung - und warnte mit Blick auf die Wartefrist vor einer "bürokratischen Übererfüllung". Er schlug vor, im weiteren Gesetzgebungsverfahren die rechtliche Grundlage zu schaffen, dass Verbraucher von der Wartefrist abweichen können, wenn sie das ausdrücklich erklären. vzbv und Finanzwende werten das als Erfolg der Finanzlobby.

(G.Khurtin--DTZ)

Empfohlen

EU-Emissionshandel: Industrie soll mehr und länger CO2 ausstoßen dürfen

Die europäische Industrie soll mehr und länger Kohlendioxid (CO2) ausstoßen dürfen als bisher geplant. Die EU-Kommission schlug am Freitag vor, den europäischen Emissionshandel (ETS) anzupassen und die verfügbare Menge an CO2-Zertifikaten langsamer zu senken. Brüssel reagiert damit auf Druck aus der Industrie und mehreren Mitgliedstaaten, die Kosten für kriselnde Branchen senken wollen.

Trump prangert in Rede an die Nation Wahlmanipulationen an und macht China verantwortlich

Gut drei Monate vor den US-Kongresswahlen hat Präsident Donald Trump längst widerlegte Behauptungen über Wahlmanipulation und -einmischung wiederholt und dabei China als Schuldigen benannt. Die Volksrepublik habe ab dem Jahr 2020 den "größten Diebstahl von Wahldaten in der Geschichte" begangen und mehr als 220 Millionen Wählerdateien aus den USA abgefischt, sagte Trump am Donnerstag in einer Rede an die Nation. Angesichts "schockierender Schwachstellen" drang der US-Präsident auf Änderungen im Wahlsystem. China wies die Vorwürfe als "Erfindungen" zurück.

Bundesnetzagentur macht Weg frei für Markteintritt von Italo im Bahn-Fernverkehr

Die Bundesnetzagentur hat den Weg für einen Markteintritt des italienischen Bahnunternehmens Italo im Fernverkehr in Deutschland frei gemacht. Mit Beschluss vom Freitag werde die Infrastruktursparte der Deutschen Bahn, DB Infrago, dazu verpflichtet, auf wichtigen Fernverkehrsstrecken Platz für Konkurrenten einzuräumen, wie die Bonner Behörde mitteilte. Diese Wettbewerbsklausel soll demnach für die Erstellung des Netzfahrplans für 2028 wirksam werden.

Deutlich mehr Baugenehmigungen - Branche sieht Krise nicht überwunden

Im Wohnungsbau geht es weiter aufwärts: Die Zahl der Baugenehmigungen stieg im Mai deutlich an - um 24,7 Prozent, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden am Freitag mitteilte. Es wurden 4200 Wohnungen mehr genehmigt als im Vorjahresmonat. Insgesamt wurden 21.000 Wohnungen genehmigt, 17.800 davon im Neubau. Die Baubranche mahnte allerdings, dass die Krise im Wohnungsbau damit noch nicht überwunden sei.

Textgröße ändern: