Deutsche Tageszeitung - Zahl der Kita-Kinder in Deutschland sinkt erstmals seit 20 Jahren

Zahl der Kita-Kinder in Deutschland sinkt erstmals seit 20 Jahren


Zahl der Kita-Kinder in Deutschland sinkt erstmals seit 20 Jahren
Zahl der Kita-Kinder in Deutschland sinkt erstmals seit 20 Jahren / Foto: © AFP/Archiv

In Deutschland ist erstmals seit fast 20 Jahren die Zahl der in einer Kita betreuten Kinder zurückgegangen. Zum Stichtag 1. März wurden 4,06 Millionen Mädchen und Jungen in Kindertagesstätten betreut, wie das Statistische Bundesamt am Freitag mitteilte. Dies waren 33.800 oder 0,8 Prozent weniger als im Vorjahr. Gewerkschaften sahen den Rückgang als Chance für nötige Qualitätsverbesserungen. Wie das Bundesfamilienministerium verwiesen sie aber auf unterschiedliche Entwicklungen in Ost und West.

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Nach Angaben der Wiesbadener Statistiker wurde zum ersten Mal seit Beginn der Zeitreihe im Jahr 2006 ein Rückgang der Zahl der Kita-Kinder registriert. Zuvor war jedes Jahr ein Zuwachs um durchschnittlich 60.500 Kinder pro Jahr verzeichnet worden.

Das Minus erklärt sich vor allem durch die immer stärker sinkenden Geburtenzahlen. So sank die Zahl der Kinder unter drei Jahren in der Kindertagesbetreuung zum 1. März gegenüber dem Vorjahr um 47.100 oder 5,7 Prozent auf 801.300 Kinder. In dieser Altersgruppe war es bereits der zweite Rückgang in Folge.

Die rückläufigen Zahlen seien "eine große Chance, längst überfällige Qualitätsverbesserungen endlich umzusetzen", sagte die stellvertretende Vorsitzende der Bildungsgewerkschaft GEW, Doreen Siebernik, der Nachrichtenagentur AFP. "Jetzt braucht es ein bundesweite Kita-Qualitätsgesetz, dass gute Bedingungen für Kinder, Familien und Fachkräfte schafft."

Ähnlich äußerte sich die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi. Der erstmalige Rückgang sei ein "Auftrag an die Politik, nun endlich den Fachkräfteschlüssel entsprechend anzupassen, so dass weniger Kinder auf eine Fachkraft kommen", sagte ein Sprecher AFP.

Beide Gewerkschaften verwiesen auf deutlich unterschiedliche Entwicklungen in Ost und West. "Während im Westen Fachkräfte fehlen, ist die Lage im Osten angespannt", betonte GEW-Vertreterin Siebernik. "Erste Gruppen- und Kita-Schließungen" führten dort "zu Entlassungen und Einkommensverlusten".

Die bundesweite Statistik liefere "nur ein verzerrtes Bild", sagte auch der Verdi-Sprecher. "Tatsächlich gibt es ein erhebliches Ost-West-Gefälle beim Rückgang der Kinder-Zahlen. Im Osten ist der Rückgang signifikant spürbar, im Westen - zum Beispiel in Nordrhein-Westfalen - gibt es tendenziell weiterhin viele Kommunen und Landstriche, in denen viel zu viele Kinder auf eine Fachperson kommen."

"Geburtenraten, Betreuungsbedarfe, Fachkräfteentwicklung, Mobilität von Familien und Zuwanderung" führten "zu teilweise starken regionalen Unterschieden", erklärte eine Sprecherin des Familienministeriums auf AFP-Anfrage. "Vor allem in den westdeutschen Bundesländern ist der elterliche Bedarf an Kindertagesbetreuung weiterhin gestiegen." In den ostdeutschen Flächenländern seien "dagegen seit einigen Jahren rückläufige Kinderzahlen zu beobachten, wodurch der Bedarf absehbar gedeckt ist".

Sinkende Geburtenzahlen böten aber "Spielräume für Qualitätsverbesserungen, zum Beispiel durch die Verbesserung von Fachkraft-Kind-Schlüsseln durch die Länder", erklärte die Sprecherin des Ressorts von Familienministerin Karin Prien (CDU) weiter. Auch wegen Sanierungsbedarfs bei Kita-Gebäuden sei zudem weiter geplant, ein neues Investitionsprogramm "Kindertagesbetreuung" aufzulegen. Es soll aus dem Sondervermögen Infrastruktur finanziert werden und nach früheren Angaben 3,8 Milliarden Euro umfassen.

Bundesweit stieg nach Angaben des Statistischen Bundesamts die Zahl der Kitas und des dort beschäftigten Personals im Vergleich zum vergangenen Jahr. Am 1. März gab es in Deutschland rund 61.000 Kindertageseinrichtungen, 400 oder 0,6 Prozent mehr als im Vorjahr. Das dort beschäftigte Personal erhöhte sich um 17.500 oder 2,2 Prozent auf 795.700.

Bei der Zahl der Tagesmütter und Tagesväter gab es hingegen das fünfte Jahr in Folge einen Rückgang, dieses Mal um 2300 oder 5,9 Prozent auf 37.400. Von den betreuten Kindern waren 96,4 Prozent in einer Kita, 3,6 Prozent bei Tagesmüttern oder -vätern.

(U.Stolizkaya--DTZ)

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