Deutsche Tageszeitung - Irland will gegen Mercosur-Abkommen stimmen - dennoch Mehrheit für Handelsabkommen

Irland will gegen Mercosur-Abkommen stimmen - dennoch Mehrheit für Handelsabkommen


Irland will gegen Mercosur-Abkommen stimmen - dennoch Mehrheit für Handelsabkommen
Irland will gegen Mercosur-Abkommen stimmen - dennoch Mehrheit für Handelsabkommen / Foto: © AFP

Irland hat am Tag vor der Abstimmung der EU-Staaten über die Unterzeichnung des Handelsabkommens mit den südamerikanischen Mercosur-Staaten Widerstand gegen den Vertrag angekündigt. "Wir stimmen gegen das Abkommen", erklärte der stellvertretende Regierungschef Simon Harris am Donnerstag. Auch Frankreich, Polen und Ungarn sind gegen die Unterzeichnung. Für eine Sperrminorität reicht dies jedoch nicht.

Textgröße ändern:

Die EU-Kommission und eine Großzahl der EU-Länder, allen voran Deutschland, wollen das Mercosur-Abkommen nach mehr als 25 Jahren Verhandlungen noch in diesem Monat über die Ziellinie bringen. Dagegen sind vor allem europäische Landwirte, welche die Konkurrenz südamerikanischer Produkte fürchten.

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen will das Abkommen am Montag in Paraguay unterzeichnen. Dies hätte bereits im Dezember geschehen sollen, doch neben Frankreich, Polen und Ungarn meldete auch Italien Bedenken an. Die für die Unterzeichnung nötige Mehrheit von 15 der 27 Mitgliedstaaten, die zusammen mindestens 65 Prozent der Gesamtbevölkerung der EU ausmachen, war damit nicht mehr gegeben. Die EU-Kommission machte dann weitere Zugeständnisse an die Landwirtschaft, Rom zeigte sich damit zufrieden.

"Obwohl die EU eine Reihe zusätzlicher Maßnahmen zugesagt hat, reichen diese nicht aus, um unsere Mitbürger zufrieden zu stellen", erklärte der Ire Harris hingegen. "Zum jetzigen Zeitpunkt ist dieser Vertrag immer noch nicht akzeptabel", bekräftigte auch Frankreichs Regierungssprecherin Maud Bregeon.

In Frankreich protestierten am Donnerstag vielerorts Landwirte mit Traktoren. Auch in Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern gab es nach Angaben des Senders RBB einige Protestaktionen an Verkehrsknotenpunkten.

In Warschau sind am Freitag Bauernproteste geplant. Dann ist die Abstimmung im Rat der Mitgliedstaaten angesetzt, um den Weg für eine Unterzeichnung am Montag frei zu machen.

"Für die deutsche Wirtschaft ist die Ratszustimmung zum EU-Mercosur-Handelsabkommen von besonderer Bedeutung", erklärte der Außenwirtschaftschef der Deutschen Industrie- und Handelskammer, Volker Treier. "Die Verabschiedung dieses Abkommens ist die Nagelprobe, ob Europa in der Außenwirtschaft noch souverän auftreten kann - oder tatsächlich zum Spielball anderer geostrategischer Wettbewerber mutiert."

Das Mercosur-Abkommen soll die Zölle auf 91 Prozent der zwischen der EU und den Mercosur-Staaten gehandelten Waren abschaffen. Teil des Abkommens sind Brasilien, Argentinien, Uruguay und Paraguay. Nach Berechnungen der EU-Kommission könnten die jährlichen EU-Exporte in diese Länder so um bis zu 39 Prozent wachsen. Während die Europäer unter anderem Autos und chemische Produkte über den Atlantik exportieren, liefern die Mercosur-Länder hauptsächlich landwirtschaftliche Produkte und Rohstoffe.

(W.Novokshonov--DTZ)

Empfohlen

SPD-Spitze will sich gegen Abbau des Sozialstaats stemmen

Die Führung der SPD will sich bei notwendigen Reformen zur Stärkung der Wirtschaft gegen eine Schwächung des Sozialstaats stemmen. "Ich werde mich nicht einreihen in den Chor derjenigen, die sagen, mit weniger Sozialstaat kriegen wir mehr Wirtschaftswachstum", sagte SPD-Ko-Chef Lars Klingbeil am Freitag in Berlin. Die Ko-Parteivorsitzende und Arbeitsministerin Bärbel Bas betonte, ein starker Sozialstaat sei nötig, "weil er Sicherheit gibt für viele Menschen, die jetzt unter Druck stehen, die Angst haben, ihren Arbeitsplatz zu verlieren".

EU-Botschafter stimmen über lang aufgeschobenes Mercosur-Abkommen ab

In Brüssel sind am Freitagmorgen die Vertreter der 27 EU-Länder zusammengekommen, um unter anderem über das lang aufgeschobene Freihandelsabkommen mit den südamerikanischen Mercosur-Staaten abzustimmen. Es wird erwartet, dass die notwendige Mehrheit der 27 Mitgliedstaaten für die Vereinbarung votiert, über die mehr als 25 Jahre verhandelt wurde. Landwirte haben unterdessen erneut Proteste gegen den Abschluss des Abkommen angekündigt, unter anderem in Frankreich.

Winterchaos durch Wintersturm "Elli": Bahn stellt Fernverkehr im Norden ein

Wegen des Wintersturms "Elli" hat die Deutsche Bahn ihren Fernverkehr in Norddeutschland am Freitag vorübergehend eingestellt. Das teilte der Konzern in Berlin mit. Aufgrund der Witterungsbedingungen sei der gesamte Schienenverkehr im Großraum Hannover "bis mindestens heute Mittag" unterbrochen worden. Damit sei eines der bundesweit wichtigsten Drehkreuze betroffen "und der Fernverkehr im Norden Deutschlands nicht mehr möglich".

Deutschlands Exporte im November gesunken - Erneut weniger Waren in die USA ausgeführt

Deutschlands Exporte sind im November gesunken. Sie gingen im Vergleich zum Vormonat um 2,5 Prozent zurück, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden am Freitag mitteilte. Die Importe dagegen nahmen leicht um 0,8 Prozent zu.

Textgröße ändern: