Deutsche Tageszeitung - Mehrheit der Deutschen hat keine Erfahrung mit Behörden-Diensten im Internet

Mehrheit der Deutschen hat keine Erfahrung mit Behörden-Diensten im Internet


Mehrheit der Deutschen hat keine Erfahrung mit Behörden-Diensten im Internet
Mehrheit der Deutschen hat keine Erfahrung mit Behörden-Diensten im Internet / Foto: © AFP/Archiv

Die Digitalisierung der Verwaltung in Deutschland kommt nur langsam voran - und die meisten Bürgerinnen und Bürger haben digitale Behördenleistungen noch nie in Anspruch genommen. In einer am Montag veröffentlichten Erhebung des Vergleichsportals Verivox gaben 59 Prozent der Befragten an, sie hätten noch nie eine solche Verwaltungsleistung im Internet genutzt. Bislang sind demnach auch erst 37 Prozent der Behördendienste zumindest teilweise digital verfügbar.

Textgröße ändern:

Befragt nach den Gründen, warum sie bislang keinen Behördengang online erledigt haben, sagten 39 Prozent, der benötigte Dienst sei nicht digital verfügbar gewesen. Gut jeder Fünfte schätzt nach eigenen Angaben den persönlichen Kontakt auf der Behörde. Etwa jeder Zehnte befürchtete technische Probleme oder ist dem Online-Vorgang bewusst aus dem Weg gegangen.

40 Prozent der Befragten haben jedoch bereits digitale Erfahrungen mit Behördendiensten gemacht: Für 25 Prozent verlief der Verwaltungsvorgang nach eigenen Angaben teilweise online. Nur 15 Prozent geben an, die Umsetzung sei vollständig digital abgelaufen.

Seit 2017 arbeitet Deutschland an der Digitalisierung seiner Verwaltung. Aktuell bleiben laut Verivox immer noch 364 der insgesamt 576 Verwaltungsleistungen offline.

"Die Erfahrungen der Verbraucherinnen und Verbraucher zeigen das Hauptproblem der schleppenden Digitalisierung auf", erklärte Jörg Schamberg, Telekommunikationsexperte bei Verivox. "Oft sind nur Teile eines Dienstes digital verfügbar, und im Verlauf wird dann doch ein Besuch auf dem Amt verlangt. Ein kompletter Verwaltungsvorgang findet immer noch viel zu selten von A bis Z im digitalen Raum statt."

Das im Jahr 2017 verabschiedete Onlinezugangsgesetz verpflichtete Bund, Länder und Kommunen, ihre Verwaltungsleistungen bis Ende 2022 elektronisch anzubieten, um Bürgern und Unternehmen einen einfachen digitalen Zugang zu Behördendiensten zu ermöglichen.

Die Verivox-Analyse zur Umsetzung des Gesetzes ergab, dass aktuell nur 110 der von dem Gesetz erfassten Leistungen komplett online nutzbar sind. Im Dezember 2024 waren es 101. Somit sind binnen eines Jahres lediglich neun Dienste vollständig neu digitalisiert worden. Teilweise online abrufbar sind laut Verivox aktuell 102 Behördendienste gegenüber 105 im Vorjahr.

"Das Digitalisierungsvorhaben geht ins zehnte Jahr und der Berg an offenen Aufgaben ist weiterhin riesig", kritisierte Schamberg. "Im letzten Jahr wurden nur neun Leistungen neu digitalisiert. Das ist viel zu wenig."

Für die Umfrage im Auftrag von Verivox hat das Meinungsforschungsinstitut Innofact im Dezember 2025 insgesamt 1023 Erwachsene online befragt. Die Umfrage ist den Angaben zufolge bevölkerungsrepräsentativ in Bezug auf Alter, Geschlecht und Bundeslandzugehörigkeit.

(O.Tatarinov--DTZ)

Empfohlen

Hohe Preise: Verbrauch von Fruchtsaft sinkt - Gemüsesaft legt zu

Im vergangenen Jahr ist in Deutschland weniger Fruchtsaft getrunken worden. Der Pro-Kopf-Verbrauch von Fruchtsäften und Nektaren ging um sechs Prozent auf gut 20 Liter pro Person zurück, wie der Verband der deutschen Fruchtsaftindustrie (VdF) am Dienstag mitteilte. Der Verband führt dies auf die gestiegenen Preise etwa für Orangensaft zurück.

Klingbeil plant Milliarden-Entlastung von Ländern und Kommunen

Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) plant Milliarden-Entlastungen für Länder und Kommunen. Die finanzielle Unterstützung der Länder im Umfang von etwa einer Milliarde Euro jährlich bis 2029 soll die klammen Städte und Gemeinden besser aufstellen, wie aus einem Gesetzentwurf vorgeht, welcher der Nachrichtenagentur AFP am Dienstag vorlag. Die Vorlage aus dem Finanzministerium wird derzeit innerhalb der Bundesregierung abgestimmt und soll in Kürze dem Kabinett vorgelegt werden.

CDU-Politiker Müller: Staat kann Ölpreisschock nicht vollständig ausgleichen

Unionsfraktionsvize Sepp Müller (CDU) dämpft Erwartungen an umfassende staatliche Entlastungen für Autofahrerinnen und -fahrer wegen der Spritpreiskrise. "Jetzt braucht es Ehrlichkeit statt leerer Versprechungen", sagte Müller am Dienstag der "Welt". "Den Preisschock können wir nicht vollständig aus Steuermitteln ausgleichen." Solange die Krise in der Straße von Hormus anhalte, blieben die Energiepreise hoch.

Dieselpreis erreicht Ostermontag erneut neues Allzeithoch im Tagesschnitt

Der Preis für Diesel an den Tankstellen in Deutschland ist am Ostermontag weiter gestiegen. Im bundesweiten Durchschnitt kostete Diesel 2,443 Euro pro Liter, nach 2,440 Euro am Vortag, wie der ADAC am Dienstag mitteilte. Der Tagesdurchschnittspreis stieg damit den fünften Tag in Folge auf ein neues Allzeithoch, wenn auch nur noch leicht.

Textgröße ändern: