Deutsche Tageszeitung - Von der Leyen ruft EU-Länder vor Gipfel zu Wirtschaftsreformen auf

Von der Leyen ruft EU-Länder vor Gipfel zu Wirtschaftsreformen auf


Von der Leyen ruft EU-Länder vor Gipfel zu Wirtschaftsreformen auf
Von der Leyen ruft EU-Länder vor Gipfel zu Wirtschaftsreformen auf / Foto: © AFP

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hat die Mitgliedstaaten vor einem Gipfel am Donnerstag zu raschen Wirtschaftsreformen aufgerufen - notfalls in einer kleineren Gruppe von Ländern. "Wir müssen die Hürden einreißen, die uns daran hindern, ein echter globaler Riese zu sein", sagte von der Leyen am Mittwoch vor dem Europaparlament. "Dafür müssen alle ihren Beitrag leisten."

Textgröße ändern:

Von der Leyen verwies auf den zersplitterten europäischen Finanzmarkt: In jedem EU-Land gibt es eine eigene Finanzaufsicht, Steuern und Insolvenzregeln unterscheiden sich, sodass Investitionen über Grenzen hinweg häufig kompliziert sind. In der Folgen haben Firmen Schwierigkeiten, an große Mengen Geld zu kommen. "Wir brauchen einen einzigen, liquiden Kapitalmarkt", forderte von der Leyen.

"Plan A" sei es, dafür alle 27 EU-Länder zusammenzubringen, fuhr sie fort. Gebe es keine Einigung, solle notfalls aber eine kleinere Gruppe vorangehen, nach dem Beispiel des Schengen-Raums oder der Eurozone. Bislang haben etwa kleinere Staaten wie Luxemburg und Irland Bedenken, weil sie durch ihr Steuersystem einen Vorteil sehen. Auch Deutschland wollte seine Bankenaufsicht bislang nicht aufgeben.

Von der Leyen kündite für den kommenden Monat eine Änderung im Unternehmensrecht an. Die Kommission will eine neue Gesellschaftsform schaffen, für die in jedem EU-Land die gleichen Regeln gelten. "Unsere Unternehmerinnen und Unternehmer werden innerhalb von 48 Stunden online eine Firma in jedem Mitgliedstaat registrieren können", sagte sie. Sobald der Vorschlag der Kommission vorliegt, müssen allerdings wiederum die Mitgliedstaaten einverstanden sein.

Die Kommission plant für die kommenden Wochen einen weiteren Vorschlag, auf den vor allem Frankreich drängt: eine Regelung für verpflichtende "Made in Europe"-Quoten in öffentlichen Ausschreibungen einiger Branchen. Die deutsche Bundesregierung hat sich bislang gegen weitreichende Quoten ausgesprochen und will sie zeitlich begrenzen.

Die 27 EU-Staats- und Regierungschefs beraten am Donnerstag im belgischen Schloss Alden Biesen über Auswege aus der Krise der europäischen Wirtschaft und dürften dann all diese Ansätze besprechen. Bereits am Mittwoch werden Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU), Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und einige ihrer Amtskollegen bei einem Industriegipfel in der belgischen Stadt Antwerpen erwartet.

(Y.Ignatiev--DTZ)

Empfohlen

Konjunkturforscher Schmidt: "Inflation könnte in diesem Jahr auf sechs Prozent steigen"

Der Konjunktur-Chef des RWI-Leibniz-Institutes, Torsten Schmidt, hat im Fall einer langen Dauer des Iran-Krieges vor einer hohen Inflation gewarnt. "Bei einem längeren Krieg könnte die Inflation in diesem Jahr vorübergehend auf sechs Prozent steigen", sagte Schmidt der "Rheinischen Post" (Freitagsausgabe). "Dann ist das Wirtschaftswachstum weg, Deutschland würde in das vierte Jahr der Rezession rutschen."

Hubig will Einmal-täglich-Regel bei Spritpreisen mindestens ein Jahr

Justiz- und Verbraucherschutzministerin Stefanie Hubig (SPD) will die geplante Einmal-täglich-Regel Spritpreiserhöhung mindestens ein Jahr lang anwenden. Sie gehe davon aus, dass die Regelung "mindestens jetzt erst mal für ein Jahr" gelte, sagte sie in dem am Freitag veröffentlichten Berlin Playbook Podcast des Nachrichtenportals Politico.

Otter statt Churchill? Streit um neue Geldscheine in Großbritannien

Wildtiere statt historischer Persönlichkeiten: Auf den britischen Banknoten für 10, 20 und 50 Pfund sollen statt der Porträts des früheren Premierministers und Weltkriegshelden Winston Churchill und weiterer prominenter Briten künftig Tiere und Pflanzen abgedruckt werden. Die von der britischen Nationalbank verkündete Entscheidung löste am Donnerstag in Teilen der britischen Politik Empörung aus.

Pilotenstreik bei der Lufthansa: Zahlreiche Flüge gestrichen

Wegen des Pilotenstreiks bei der Lufthansa sind am Donnerstag zahlreiche Flüge ausgefallen. "Bis 15 Uhr blieben rund 70 Prozent der Flugzeuge am Boden", erklärte die Pilotengewerkschaft Cockpit (VC), die zu 48-stündigen Arbeitsniederlegungen bei der Kernmarke Lufthansa, ihrer Frachttochter Cargo sowie bei Cityline aufgerufen hatte. Der erste Streiktag verlaufe "besser als erwartet".

Textgröße ändern: