Deutsche Tageszeitung - China rechnet mit weniger Wachstum und steigert Verteidigungsausgaben

China rechnet mit weniger Wachstum und steigert Verteidigungsausgaben


China rechnet mit weniger Wachstum und steigert Verteidigungsausgaben
China rechnet mit weniger Wachstum und steigert Verteidigungsausgaben / Foto: © POOL/AFP

China hat sich für das laufende Jahr ein Wirtschaftswachstum von 4,5 bis fünf Prozent zum Ziel gesetzt - die niedrigste Prognose seit Jahrzehnten. Zugleich kündigte Peking am Donnerstag eine Steigerung der Verteidigungsausgaben um sieben Prozen an. Die chinesische Wirtschaft kämpft seit einigen Jahren mit dem Übergang von einem auf Produktion und Export fokussierten Modell hin zu einem stärkeren inländischen Konsum.

Textgröße ändern:

Das diesjährige Ziel ist das niedrigste seit 1991. Im Corona-Jahr 2020 hatte die chinesische Führung kein Wachstumsziel veröffentlicht. Im vergangenen Jahr wies die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt ein Wachstum von rund fünf Prozent aus. Nach offiziellen Angaben wurde das Ziel auch erreicht.

"Die Erfolge des vergangenen Jahres wurden hart erkämpft", sagte Regierungschef Li Qiang bei der Eröffnung der jährlichen Sitzung des Nationalen Volkskongresses (NVK). "Selten in vielen Jahren haben wir eine so ernste und komplexe Lage erlebt, in der externe Schocks und Herausforderungen mit innenpolitischen Schwierigkeiten und schwierigen politischen Entscheidungen einhergingen."

Die militärischen Ausgaben sollen den Angaben der Regierung nach umgerechnet rund 238 Milliarden Euro betragen. Der chinesische Verteidigungshaushalt ist der zweitgrößte weltweit. Im vergangenen Jahr waren die Ausgaben bereits um 7,2 Prozent gestiegen. China tritt mit Blick auf Taiwan und das Südchinesische Meer zunehmend offensiv aus.

Zugleich verlangsamt sich das Wirtschaftswachstum seit Jahren - eine Entwicklung, die angesichts der langjährigen massiven Wachstumsraten weder verwunderlich noch dramatisch ist. Die Kommunistische Partei hat wiederholt erklärt, dass sich das Land von traditionellen Wachstumsmotoren wie Exporten und Produktion weg und hin zum Konsum bewegen muss. Das Verbrauchervertrauen ist jedoch weiterhin sehr niedrig.

Zudem herrscht aufgrund von Produktionssubventionen und Überproduktion in vielen Bereichen ein harter Preiswettbewerb. Analysten sind nicht überzeugt, dass sich daran in absehbarer Zeit grundsätzlich etwas ändern wird. Das derzeitige Modell begünstige nach wie vor die Angebotsseite, wodurch sich "bestehende wirtschaftliche Ungleichgewichte möglicherweise noch verschärfen könnten", warnt Zhu Tian, Wirtschaftsprofessorin an der China Europe International Business School.

Der NVK tagt noch bis kommenden Mittwoch. Die Zusammenkunft der chinesischen Legislative ist Teil des größten politischen Ereignisses des Jahres in China, der sogenannten "zwei Sitzungen". Die Treffen des Parlaments sind sorgfältig orchestriert, um Gesetzesvorlagen und Reformen der Kommunistischen Partei zu verabschieden. Noch nie wurden Gesetzesinitiativen abgelehnt.

In der kommenden Woche soll der NVK auch Pekings wirtschaftspolitischen Fünfjahresplan verabschieden. Unter den im bisherigen Entwurf aufgeführten Zielen findet sich unter anderem die Verdopplung des Pro-Kopf-Bruttoinlandsprodukts bis 2035 im Vergleich zu 2020, die Senkung der Arbeitslosenquote unter 5,5 Prozent und die Beschleunigung der grünen Transformation der Wirtschaft.

(Y.Leyard--DTZ)

Empfohlen

Widerstand gegen Forderungen nach Aufschub bei Klimazielen aus Grünen und SPD

Forderungen nach einem Aufschub der deutschen Klimaziele stoßen bei Grünen und SPD auf Widerstand. Sie pochten am Samstag auf Planungssicherheit und wandten sich gegen eine Verschiebung von Lasten in die Zukunft. Wirtschaftsvertreter sowie die Gewerkschaft IGBCE hatten zuvor verlangt, das gesetzlich festgeschriebene Ziel der Treibhausgasneutralität bis 2045 für Deutschland um fünf Jahre zu verschieben.

Bericht: Regierung sieht hohe Dunkelziffer bei Sozialleistungsbetrug

Die Bundesregierung geht laut einem Bericht der "Welt am Sonntag" davon aus, dass Sozialleistungsbetrug deutlich häufiger vorkommt, als bislang bekannt ist. Es sei von "einer hohen Dunkelziffer nicht erfasster Fälle auszugehen", zitierte die Zeitung eine Sprecherin des Bundesarbeitsministeriums. "Leistungsmissbrauch bleibt oft unentdeckt, weil verschiedene betroffene Behörden nicht oder nicht ausreichend miteinander vernetzt sind", hieß es demnach weiter.

Klöckner kritisiert Fokus von Bundestagsabgeordneten auf Online-Netzwerke

Bundestagspräsidentin Julia Klöckner (CDU) kritisiert den ihrer Ansicht nach zu starken Fokus von Abgeordneten auf Online-Netzwerke. Es könne nicht sein, dass das "Parlament nur noch als Bühne für das nächste Tiktok-Reel missbraucht wird und in Reden statt der Kolleginnen und Kollegen im Saal die eigenen Follower begrüßt werden", sagte sie der "Welt am Sonntag". Da gingen sie und ihre Präsidiumskollegen "sofort dazwischen".

Rufe nach Aufschub der Klimaneutralität Deutschlands um fünf Jahre

In der Diskussion um die Klimaneutralität Deutschlands werden Rufe nach einem Aufschub um fünf Jahre lauter. Das derzeitige nationale Ziel der Dekarbonisierung bis 2045 sei nicht sinnvoll und sollte an das europäische Zieljahr 2050 angepasst werden, forderten unter anderem Arbeitnehmer- und Arbeitgeber-Vertreter in der "Welt am Sonntag".

Textgröße ändern: