Deutsche Tageszeitung - Ostbeauftragte sieht noch "große Ost-West-Unterschiede" und will Frauen stärken

Ostbeauftragte sieht noch "große Ost-West-Unterschiede" und will Frauen stärken


Ostbeauftragte sieht noch "große Ost-West-Unterschiede" und will Frauen stärken
Ostbeauftragte sieht noch "große Ost-West-Unterschiede" und will Frauen stärken / Foto: © AFP/Archiv

Die Ostbeauftragte der Bundesregierung, Elisabeth Kaiser (SPD), sieht noch immer "große Ost-West-Unterschiede" in Deutschland und hält ihr Amt daher weiterhin für unverzichtbar. "Auf vielen Deutschlandkarten sieht man immer noch die Umrisse der ehemaligen DDR", sagte Kaiser der Nachrichtenagentur AFP. Das betreffe nicht nur die Einkommens- und Vermögensverteilung, sondern auch die Infrastruktur und den Umfang bezogener Sozialleistungen. Gleichwertige Lebensverhältnisse seien aber entscheidend.

Textgröße ändern:

Es gehe nicht nur um das Gefühl des Abgehängtseins vieler Menschen - "das gibt es in bestimmten Regionen im Westen auch". Sondern es gehe darum, "dass ein großer Anteil der Ostdeutschen das Gefühl teilt, Ostdeutsche würden als Bürger zweiter Klasse behandelt", sagte Kaiser. "Deshalb ist mein Amt so wichtig." Es sei richtig, dass es eine Art Scharnier gebe und sie sehe sich auch "als Brücke zwischen den Belangen in Ostdeutschland und dem Regierungshandeln".

Die aus Gera in Thüringen stammende Politikerin hatte das mittlerweile im Finanzministerium angesiedelte Amt der Ostbeauftragten im Mai vergangenen Jahres in der neuen schwarz-roten Regierung übernommen. Kaisers Vorgänger war Carsten Schneider (SPD), der mittlerweile Bundesumweltminister ist. Im Vorfeld ihres Arbeitsbeginns war im Zuge einer Verschlankung viel darüber diskutiert worden, ob ein Ostbeauftragter überhaupt noch nötig sei.

Kaisers Worten zufolge geht es vielen Bürgerinnen und Bürgern darum, ob Entscheidungen, die sie betreffen, von Menschen mit "ähnlichen Biografien" gefällt werden. Die Frage der Repräsentation von Perspektiven und Erfahrungen Ostdeutscher gehöre daher zu ihren entscheidenden Aufgaben. Das betreffe ganz besonders auch die "weibliche Perspektive".

In einigen Regionen entwickelten sich "eher männlich geprägte Strukturen, weil es mehr Männer als Frauen gibt", sagte Kaiser AFP. "Deshalb baue ich auf die Frauen und möchte entsprechende Netzwerke stärken. Es geht bewusst darum, den Männer-Netzwerken etwas entgegenzustellen."

Leider werde derzeit deutlich, dass gesellschaftliche Vielfalt "eher als buntes Beiwerk abgetan, aber nicht ernstgenommen wird", fuhr die Politikerin fort. Sie habe "das Gefühl, dass Fragen nach Gleichberechtigung und Emanzipation gerade einen Rückschlag erleben". Das sei ein Fehler.

Vor großen Herausforderungen sieht Kaiser Ostdeutschland auch hinsichtlich seiner Wirtschaftsstruktur. Die meisten Konzernzentralen lägen nicht im Osten - dort würden aber Standortentscheidungen gefällt. "Am Standort von Firmenzentralen wird natürlich nichts geschlossen. Das hat dann oftmals gar nichts damit zu tun, wie innovativ oder erfolgreich diese Standorte sind."

Die in Ostdeutschland ansässige mittelständige Wirtschaft sei "grundsätzlich gut aufgestellt" und anpassungsfähig, sagte Kaiser. Nun sei die Frage, ob sie es schaffe, bei "aktuellen Umbrüchen" mitzugehen - etwa bei KI, dem Fachkräftemangel und einer klimaneutralen Energieversorgung. Daher habe sie die Branchendialoge Ost gestartet. Zusätzlich müsse aber gemeinsam mit den Ländern geschaut werden, wie die Gründungspolitik verbessert werden könne.

(U.Beriyev--DTZ)

Empfohlen

Fachkräfte, Energie, Autos: Deutschland und Marokko planen mehr Zusammenarbeit

Deutschland und Marokko wollen ihre wirtschaftliche und politische Zusammenarbeit vertiefen. Bundesaußenminister Johann Wadephul (CDU) betonte bei einem Besuch in Rabat am Donnerstag die wirtschaftlichen Chancen für deutsche Unternehmen in dem "Schlüsselland" in Afrika und warb für eine verstärkte Anwerbung von Fachkräften. "Da gibt es ein großes Potenzial", sagte er. Sein marokkanischer Kollege Nasser Bourita warb seinerseits für weitere deutsche Investitionen im Land.

Tankrabatt: Verbraucherschützer nehmen Kartellamt in die Pflicht

Vor dem Inkrafttreten des von der Regierung beschlossenen Tankrabatts haben Verbraucherschützer das Bundeskartellamt in die Pflicht genommen. Die Behörde müsse "genau hinschauen und sicherstellen, dass der Tankrabatt vollständig und dauerhaft an Verbraucherinnen und Verbraucher weitergegeben wird", forderte die Chefin des Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbv), Ramona Pop, am Donnerstag. Der Tankrabatt dürfe nicht "zum Konzernrabatt werden".

EZB lässt Leitzinsen weiterhin unverändert

Trotz der steigenden Inflation infolge des Iran-Kriegs hält die Europäische Zentralbank (EZB) vorerst weiter an ihrem abwartenden Kurs fest. Die Leitzinssätze bleiben unverändert, wie die Zentralbank am Donnerstag in Frankfurt am Main mitteilte. Zugleich hob die EZB hervor, dass sie "fest entschlossen" sei, die Geldpolitik so auszurichten, dass sich die Inflation mittelfristig beim Zielwert von zwei Prozent stabilisiert.

IEA-Chef Birol sieht Welt vor "größter Energiekrise ihrer Geschichte"

Die Welt steht nach den Worten des Chefs der Internationalen Energieagentur (IEA), Fatih Birol, der "größten Energiekrise ihrer Geschichte" gegenüber. Wegen des Iran-Kriegs sei der Ölpreis stark gestiegen, was viele Länder stark unter Druck setze, sagte Birol bei einem internationalen Treffen am Donnerstag in der IEA-Zentrale in Paris, das zur Vorbereitung des UN-Klimagipfels COP31 im November im türkischen Antalya abgehalten wurde.

Textgröße ändern: