Deutsche Tageszeitung - Welthandelsorganisation: Krieg in Nahost belastet Handelsströme massiv

Welthandelsorganisation: Krieg in Nahost belastet Handelsströme massiv


Welthandelsorganisation: Krieg in Nahost belastet Handelsströme massiv
Welthandelsorganisation: Krieg in Nahost belastet Handelsströme massiv / Foto: © AFP

Der Welthandel leidet massiv unter den Auswirkungen des Krieges im Nahen Osten. Das Wachstum des Handelsvolumens dürfte sich bei anhaltend hohen Ölpreisen in diesem Jahr auf 1,4 Prozent verlangsamen - nach einem Plus von 4,6 Prozent im vergangenen Jahr, wie die Welthandelsorganisation WTO am Donnerstag mitteilte. Die Organisation mit Sitz in Genf warnte in diesem Zug vor möglichen Engpässen in der Versorgung mit Lebensmitteln.

Textgröße ändern:

"Der anhaltende Anstieg der Energiepreise könnte die Risiken für den Welthandel erhöhen, mit möglichen Auswirkungen auf die Ernährungssicherheit und Kostendruck für Verbraucher und Unternehmen", erklärte WTO-Generaldirektorin Ngozi Okonjo-Iweala.

Die WTO veröffentlicht im Frühjahr ihre regulären Prognosen zur Entwicklung des Welthandels. Der Krieg, der Ende Februar mit Luftangriffen Israels und der USA auf den Iran begann, verkomplizierte diese Aufgabe in diesem Jahr erheblich. Seit Kriegsbeginn mussten die Ökonomen ihre Prognosen vielfach überarbeiten.

Der nun veröffentlichte Bericht bildet zwei Hauptszenarien ab. Das erste Szenario lässt den Energiepreisschock weitgehend außer Acht - und selbst in diesem Fall dürfte das Wachstum des Welthandels nur bei 1,9 Prozent liegen. Grund ist im Wesentlichen ein schwächeres Wirtschaftswachstum als 2025. "Diese grundlegenden Prognosen werden jedoch durch den Konflikt im Nahen Osten in Frage gestellt", erklärte Okonjo-Iweala.

In ihrem zweiten Szenario geht die WTO von einem 0,3 Prozentpunkte niedrigeren Wirtschaftswachstum aus, sollten die Preise für Rohöl und Flüssigerdgas (LNG) das ganze Jahr über hoch bleiben. Dies hätte einen negativen Effekt in Höhe von 0,5 Prozentpunkten auf die Handelsprognose. Das Warenhandelsvolumen würde dann nur noch um 1,4 Prozent steigen.

(L.Møller--DTZ)

Empfohlen

Wasserdefizit in Deutschland: Erholung durch mehr Herbstregen fraglich

Aufgrund einer Reihe trockener und heißer Jahre fehlt in Deutschland gespeichertes Wasser in einer Größenordnung, die etwa der Hälfte des Bodensees entspricht. Wie das GFZ Helmholtz-Zentrum für Geoforschung in Potsdam am Donnerstag auf Grundlage von Satellitendaten mitteilte, lag die Wasserspeicherung im Juni ungefähr auf demselben Niveau wie 2025, womit im Vergleich zum langjährigen Mittel 25 Gigatonnen fehlten. Eine Gigatonne entspricht einer Milliarde Tonnen. Zum Vergleich: Der gesamte Bodensee enthält etwa 48 Gigatonnen Wasser.

US-Exportdefizit vergrößert sich im Juli stark

Die USA haben im Juli mehr importiert und weniger exportiert. Das Exportdefizit des Landes vergrößerte sich somit stark und erreicht mit 88,6 Milliarden Euro den höchsten Wert seit über einem Jahr, wie das Handelsministerium in Washington am Donnerstag mitteilte. Die aggressive Zollpolitik von US-Präsident Donald Trump hat eigentlich zum Ziel, die Außenhandelsbilanz mehr ins Gleichgewicht zu bringen.

Aufsichtsratssitzung bei Volkswagen: Kein Kompromiss zu Sparplan in Sicht

Der Sparkurs bei Volkswagen ist am Freitag erneut Thema im Aufsichtsrat - ein Kompromiss zwischen Management, Arbeitnehmervertretung und dem Land Niedersachsen war kurz davor aber nicht in Sicht. Niedersachsens Wirtschaftsminister Grant Hendrik Tonne (SPD) verlangte am Donnerstag vom VW-Vorstand ein Konzept, "das Auslastung der Standorte und damit den Erhalt der Industriearbeitsplätze am Standort Deutschland als Ziel hat".

Entwurf für Beschlussvorlage: SPD-Fraktion erwägt Zerschlagung von Öl-Konzernen

Die SPD-Fraktion im Bundestag will den Mineralölmarkt neu ordnen und erwägt auch die Zerschlagung von Konzernen mit großer Marktmacht. "Es gibt klare Hinweise, dass der Mineralölmarkt in Deutschland nicht richtig funktioniert", heißt es im Entwurf einer Beschlussvorlage für die derzeit stattfindende SPD-Klausur, der AFP am Donnerstag vorlag. "Wir werden deshalb in den kommenden Wochen weitere Änderungen des Kartellrechts beschließen, die die Preistransparenz erhöhen und dem Kartellamt zusätzliche Möglichkeiten geben, den Markt zu ordnen".

Textgröße ändern: