Deutsche Tageszeitung - GKV-Finanzen: Hausärzte und Sozialverband fordern weniger Krankenkassen

GKV-Finanzen: Hausärzte und Sozialverband fordern weniger Krankenkassen


GKV-Finanzen: Hausärzte und Sozialverband fordern weniger Krankenkassen
GKV-Finanzen: Hausärzte und Sozialverband fordern weniger Krankenkassen / Foto: © POOL/AFP

Angesichts steigender Ausgaben in der gesetzlichen Krankenversicherung fordern die Hausärzte eine Reduzierung der Zahl der Krankenkassen. "Es wird Zeit, dass die Kassen endlich den Rotstift bei sich selbst ansetzen, statt immer nur bei der Versorgung ihrer Versicherten", sagte der Bundesvorsitzende des Hausärztinnen- und Hausärzteverbandes, Markus Blumenthal-Beier, der "Rheinischen Post" (Freitagsausgabe). Auch der Sozialverband VdK verlangt Einsparungen bei den Kassen selbst.

Textgröße ändern:

Mittelfristig müssten die Kassen ihre Verwaltungskosten "dringend halbieren", sagte Blumenthal-Beier. "Die Krankenkassen können ja mal ihre Mitglieder fragen, wofür sie ihre Beiträge lieber zahlen: Dafür, dass sie auch in Zukunft noch eine Hausarztpraxis finden oder dafür, 90 Kassen zu finanzieren."

VdK-Präsidentin Verena Bentele nannte es in der "Rheinischen Post" "nicht mehr vermittelbar, dass wir uns in Deutschland ein System aus über 90 gesetzlichen Krankenkassen leisten". Diese "Kleinteiligkeit" schaffe unnötige Doppelstrukturen, etwa in Organisation, IT und Selbstverwaltung, und binde erhebliche Beitragsmittel in der Verwaltung. "Hier geht es um Milliardenbeträge, die direkt in die Versorgung der Patientinnen und Patienten fließen sollten."

Der CSU-Fraktionsvorsitzende im Bayerischen Landtag, Klaus Holetschek, nannte "eine Konsolidierung auf rund 20 bis 30 Kassen (...) ein realistisches und sinnvolles Ziel". Die Versicherten erwarteten, dass ihr Beitragsgeld in gute Versorgung fließt – "und nicht in unnötige Parallelstrukturen", sagte Holetschek der "Rheinischen Post". Die Kassen seien gut beraten, "von sich aus verstärkt Synergien zu suchen, Kooperationen auszubauen und Zusammenschlüsse einzuleiten – bevor der Gesetzgeber handeln muss".

Hintergrund der Forderungen ist, dass die Ausgaben der gesetzlichen Krankenversicherungen im vergangenen Jahr stärker gestiegen sind als die Einnahmen. Auch deshalb berät eine Kommission im Auftrag von Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) derzeit Maßnahmen für eine dauerhafte Stabilisierung der Beitragssätze. Ergebnisse sollen Ende des Monats vorgelegt werden.

(N.Loginovsky--DTZ)

Empfohlen

Wasserdefizit in Deutschland: Erholung durch mehr Herbstregen fraglich

Aufgrund einer Reihe trockener und heißer Jahre fehlt in Deutschland gespeichertes Wasser in einer Größenordnung, die etwa der Hälfte des Bodensees entspricht. Wie das GFZ Helmholtz-Zentrum für Geoforschung in Potsdam am Donnerstag auf Grundlage von Satellitendaten mitteilte, lag die Wasserspeicherung im Juni ungefähr auf demselben Niveau wie 2025, womit im Vergleich zum langjährigen Mittel 25 Gigatonnen fehlten. Eine Gigatonne entspricht einer Milliarde Tonnen. Zum Vergleich: Der gesamte Bodensee enthält etwa 48 Gigatonnen Wasser.

US-Exportdefizit vergrößert sich im Juli stark

Die USA haben im Juli mehr importiert und weniger exportiert. Das Exportdefizit des Landes vergrößerte sich somit stark und erreicht mit 88,6 Milliarden Euro den höchsten Wert seit über einem Jahr, wie das Handelsministerium in Washington am Donnerstag mitteilte. Die aggressive Zollpolitik von US-Präsident Donald Trump hat eigentlich zum Ziel, die Außenhandelsbilanz mehr ins Gleichgewicht zu bringen.

Aufsichtsratssitzung bei Volkswagen: Kein Kompromiss zu Sparplan in Sicht

Der Sparkurs bei Volkswagen ist am Freitag erneut Thema im Aufsichtsrat - ein Kompromiss zwischen Management, Arbeitnehmervertretung und dem Land Niedersachsen war kurz davor aber nicht in Sicht. Niedersachsens Wirtschaftsminister Grant Hendrik Tonne (SPD) verlangte am Donnerstag vom VW-Vorstand ein Konzept, "das Auslastung der Standorte und damit den Erhalt der Industriearbeitsplätze am Standort Deutschland als Ziel hat".

Entwurf für Beschlussvorlage: SPD-Fraktion erwägt Zerschlagung von Öl-Konzernen

Die SPD-Fraktion im Bundestag will den Mineralölmarkt neu ordnen und erwägt auch die Zerschlagung von Konzernen mit großer Marktmacht. "Es gibt klare Hinweise, dass der Mineralölmarkt in Deutschland nicht richtig funktioniert", heißt es im Entwurf einer Beschlussvorlage für die derzeit stattfindende SPD-Klausur, der AFP am Donnerstag vorlag. "Wir werden deshalb in den kommenden Wochen weitere Änderungen des Kartellrechts beschließen, die die Preistransparenz erhöhen und dem Kartellamt zusätzliche Möglichkeiten geben, den Markt zu ordnen".

Textgröße ändern: