Deutsche Tageszeitung - Ökonomen senken Wachstumsprognosen für Deutschland und die EU

Ökonomen senken Wachstumsprognosen für Deutschland und die EU


Ökonomen senken Wachstumsprognosen für Deutschland und die EU
Ökonomen senken Wachstumsprognosen für Deutschland und die EU / Foto: © AFP

Der Iran-Krieg bremst die Wirtschaft in Deutschland und der EU. Das Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der Hans-Böckler-Stiftung senkte seine Prognose für das deutsche Wirtschaftswachstum für das laufende Jahr um 0,3 Prozentpunkte auf nun 0,9 Prozent. Die Ökonomen warnten darüber hinaus, dass auch dieses Plus nur erreichbar sei, wenn der Iran-Krieg nicht über den Sommer hinaus andauert.

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Die Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) senkte ihre Prognosen ebenfalls. Für die gesamte Europäische Union geht die OECD nun noch von 0,8 Prozent Wachstum aus - 0,4 Prozentpunkte weniger als in der vorherigen Vorhersage. Für Deutschland senkten die Experten ihre Prognose allerdings nur um 0,2 Prozentpunkte.

Die OECD hob zudem ihre Inflationserwartung an. In der Eurozone dürften die Verbraucherpreise demnach um 2,6 Prozent steigen. Zuvor war sie von 1,9 Prozent Inflation ausgegangen. "Das Ausmaß und die Dauer des Konflikts sind sehr ungewiss, doch eine anhaltende Phase hoher Energiepreise wird die Unternehmenskosten deutlich in die Höhe treiben und die Verbraucherpreisinflation ankurbeln, was negative Auswirkungen auf das Wachstum haben wird", heißt es im OECD-Bericht.

Die IMK-Forschenden betonen ebenfalls die große Unsicherheit rund um den Nahost-Krieg. Für 0,9 Prozent Wachstum in Deutschland müssten die "Energielieferungen durch die Straße von Hormus im Sommer wieder ungehindert laufen und die Öl- und Gas-Infrastruktur der arabischen Golfstaaten nicht substanziell beschädigt ist", erklärten sie. Dann könne die deutsche Wirtschaftsleistung 2027 um 1,6 Prozent wachsen.

In diesem Szenario würde sich der massive Anstieg der Energiepreise bis zum Jahresende 2026 zurückbilden und "die positiven Impulse erhöhter staatlicher Investitionen und eines wieder anziehenden privaten Konsums" ab dem zweiten Halbjahr 2026 die wirtschaftliche Entwicklung bestimmen, wie das Institut der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung weiter mitteilte.

Anders sehe dies aus, wenn der Konflikt im Nahen Osten weiter eskaliere und der Anstieg der Energiepreise länger andauere. Für dieses "Risiko-Szenario" rechnen die IMK-Forschenden nur noch mit einem Wachstum der deutschen Wirtschaftsleistung um 0,2 Prozent im Jahr 2026 und um 1,4 Prozent im Jahr 2027.

"Im Februar haben wir noch darüber nachgedacht, die Prognose für 2026 anzuheben, weil zunehmend positive Signale kamen, bis hin zu den Industrieaufträgen", erklärte der wissenschaftliche Direktor des IMK, Sebastian Dullien. "Das verhageln nun zumindest zum Teil die wirtschaftlichen Effekte des Kriegs, und schlimmstenfalls verschärfen sie das Risiko einer Deindustrialisierung in Deutschland."

Er wies darauf hin, dass es "Entscheidungen ausländischer Politiker" seien, unter denen die deutsche Wirtschaft leide - nicht aber "klassische Standort- oder Wettbewerbsprobleme". Angesichts dessen helfe es nicht, "im Inland mit Druck auf Löhne, Deregulierung bei der Arbeitszeit oder aktionistischen Einschnitten bei der sozialen Sicherung zu reagieren". Das schwäche nur den inländischen Konsum.

(W.Novokshonov--DTZ)

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