Deutsche Tageszeitung - Spritpreise steigen mittags erneut massiv - Rufe nach Entlastungen

Spritpreise steigen mittags erneut massiv - Rufe nach Entlastungen


Spritpreise steigen mittags erneut massiv - Rufe nach Entlastungen
Spritpreise steigen mittags erneut massiv - Rufe nach Entlastungen / Foto: © AFP/Archiv

Die Preise an den Zapfsäulen in Deutschland sind am Donnerstagmittag erneut massiv gestiegen. Bei Benzin gab es um 12.00 Uhr einen Preissprung um 9,8 Cent, bei Diesel um satte 11,8 Cent, wie der ADAC mitteilte. Am Mittwoch hatte der Dieselpreis im Tagesmittel bereits ein neues Allzeithoch erreicht. Die Rufe nach weiteren Entlastungen für Verbraucher wurden lauter.

Textgröße ändern:

Die Tankstellen dürfen seit Mittwoch die Spritpreise nur noch einmal am Tag anheben. Nach Angaben des ADAC führte dies am ersten Tag um 12.00 Uhr mittags zu Preissteigerungen von durchschnittlich fast acht Cent. Diesel kostete danach zunächst 2,376 Euro pro Liter, Benzin 2,175 Euro.

Größere Preissenkungen, die weiterhin jederzeit erlaubt sind, blieben dann offenbar aus. Im Tagesmittel kostete Diesel am Ende 2,327 Euro - 0,6 Cent mehr als das bisherige Allzeithoch für einen Tagesdurchschnittspreis vom März 2022. Auch Benzin verteuerte sich weiter und erreichte mit 2,129 Euro pro Liter den höchsten Tagesdurchschnittspreis des Jahres.

Am Donnerstagmittag gingen die Preise dann erneut massiv nach oben. Um 11.45 Uhr kostete Benzin laut ADAC im bundesweiten Schnitt 2,10 Euro. Um 12.15 Uhr lag der Durchschnittspreis bei 2,198 Euro. Bei Diesel ging es im gleichen Zeitraum von 2,297 Euro auf 2,415 Euro.

Der Automobilclub hält die Preisaufschläge für unangemessen und verweist darauf, dass der Rohölpreis von Dienstag auf Mittwoch gesunken war. Es scheine sich zu bestätigten, "dass Mineralölkonzerne im Zweifel einen Risikoaufschlag machen, weil sie Kraftstoffpreise nur noch einmal täglich erhöhen können". Das Bundeskartellamt müsse nun eingreifen.

Der Wirtschaftsverband Fuels und Energie, in dem Konzerne wie Esso, Shell und BP Mitglied sind, widersprach: "Die Tankstellenpreise sinken bis 12 Uhr, um dann gestern wie heute bundesdurchschnittlich im einstelligen oder niedrigen zweistelligen Cent-Bereich zu steigen", erklärte ein Sprecher. Direkt im Anschluss würden sie aber wieder sinken, der Wettbewerb sei also "voll intakt".

Die USA und Israel hatten am 28. Februar gemeinsame Luftangriffe auf den Iran begonnen. Der Iran greift seitdem mit Raketen- und Drohnen Israel sowie mehrere Golfstaaten und US-Einrichtungen in der Golfregion an. Der Iran hält zudem die Straße von Hormus weitestgehend blockiert - durch die strategisch wichtige Meerenge verläuft rund ein Fünftel des weltweiten Öl- und Flüssiggastransports. Seither sind unter anderem die Rohölpreise stark gestiegen.

Die erneuten Preissteigerungen haben die Debatte über mögliche Entlastungen wegen der hohen Preise weiter angefacht. Der wirtschaftspolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Sebastian Roloff, forderte neben einer Übergewinnsteuer eine Direktzahlung als Entlastung etwa für Geringverdiener. "Eine direkte Auszahlung an Menschen mit geringen Einkommen und andere Gruppen, denen die hohen Preise besonders zu schaffen machen, sollte nun ernsthaft erwogen werden", sagte Roloff der "Rheinischen Post".

Mit dem sächsischen Abgeordneten Florian Oest fordert auch ein CDU-Politiker einen Preisdeckel für Sprit. "Wir brauchen Steuererleichterungen und eine Preisobergrenze noch polnischem Vorbild", sagte derm "Stern". In Polen setzt die Regierung täglich eine Preisgrenze für Diesel und Benzin, die sich am Rohölpreis orientiert. Zudem senkte Warschau die Mehrwertsteuer auf Kraftstoffe.

Der BUND forderte stattdessen ein Moblitätsgeld und ein dauerhaft günstiges Deutschlandticket. "Auch, wenn die Kosten für Diesel und Benzin in nächster Zeit wieder sinken sollten, werden sie doch perspektivisch grundsätzlich eher steigen", erklärte Jens Hilgenberg vom BUND. "Deshalb ist jetzt der richtige Zeitpunkt, Impulse für eine sozial- und umweltverträgliche Mobilität zu setzen." Etwa sollte die Pendlerpauschalde durch ein Mobilitätsgeld für alle ersetzt werden.

Forscher des Potsdam-Instituts für Klimaforschung (PIK) warnten vor Subventionen für fossile Energien. "Fehlende Sparanreize zementieren die Nutzung fossiler Energien", erklären sie. Sinnvoller sei es, "Entlastungen mit der Förderung fossilfreier Energieträger zu verbinden, etwa durch eine Senkung der Stromsteuer".

Der Grünen-Chef Felix Banaszak forderte die Einführung eines befristeten Tempolimits. Dies "reduziert sofort den Spritverbrauch, dämpft so die Preise und hilft solidarisch und unkompliziert allen, die im Beruf auf das Auto angewiesen sind", sagte er dem "Spiegel".

(B.Izyumov--DTZ)

Empfohlen

Klöckner kritisiert Fokus von Bundestagsabgeordneten auf Online-Netzwerke

Bundestagspräsidentin Julia Klöckner (CDU) kritisiert den ihrer Ansicht nach zu starken Fokus von Abgeordneten auf Online-Netzwerke. Es könne nicht sein, dass das "Parlament nur noch als Bühne für das nächste Tiktok-Reel missbraucht wird und in Reden statt der Kolleginnen und Kollegen im Saal die eigenen Follower begrüßt werden", sagte sie der "Welt am Sonntag". Da gingen sie und ihre Präsidiumskollegen "sofort dazwischen".

Rufe nach Aufschub der Klimaneutralität Deutschlands um fünf Jahre

In der Diskussion um die Klimaneutralität Deutschlands werden Rufe nach einem Aufschub um fünf Jahre lauter. Das derzeitige nationale Ziel der Dekarbonisierung bis 2045 sei nicht sinnvoll und sollte an das europäische Zieljahr 2050 angepasst werden, forderten unter anderem Arbeitnehmer- und Arbeitgeber-Vertreter in der "Welt am Sonntag".

China erteilt Online-Gigant Shein Genehmigung für Börsengang in Hongkong

Der Online-Versandhändler Shein kann in Hongkong an die Börse gehen. Die chinesische Marktaufsichtsbehörde CSRC genehmigte nach eigenen Angaben am Freitag den Antrag der Plattform, dort bis zu 341,6 Millionen Anteile zu verkaufen. Shein hatte in der Vergangenheit erwogen, in New York oder London an die Börse zu gehen.

Belgien will Straßenmaut für alle Autofahrer einführen

Die drei belgischen Landesteile haben sich auf die Einführung einer Straßenmaut für Fahrzeuge bis 3,5 Tonnen geeinigt. "Jeder, der unsere Straßen nutzt, muss einen fairen Beitrag zu deren Unterhalt leisten", erklärte der wallonische Minister für Infrastruktur und Mobilität, François Desquesnes, bei der Vorstellung der Pläne am Freitag. Autofahrer aus seiner Region müssten auch in anderen europäischen Ländern Gebühren bezahlen, fügte der flämische Finanzminister Ben Weyts hinzu.

Textgröße ändern: