Deutsche Tageszeitung - Jeder vierte Erwerbstätige nutzt Homeoffice - Anteil leicht über EU-Durchschnitt

Jeder vierte Erwerbstätige nutzt Homeoffice - Anteil leicht über EU-Durchschnitt


Jeder vierte Erwerbstätige nutzt Homeoffice - Anteil leicht über EU-Durchschnitt

Arbeiten im Homeoffice hat sich seit der Corona-Krise bei vielen Erwerbstätigen etabliert: Im vergangen Jahr legte der Anteil derjenigen, die zumindest gelegentlich von zu Hause aus arbeiten, leicht auf 25 Prozent zu und lag damit über dem EU-Durchschnitt, wie das Statistische Bundesamt am Mittwoch mitteilte. Allerdings gibt es teils deutliche Unterschiede - vor allem zwischen verschiedenen Branchen.

Textgröße ändern:

Der Anteil der Homeoffice-Nutzenden 2025 stieg im Vergleich zum Vorjahr um einen Prozentpunkt an und erreichte mit einem Viertel der Erwerbstätigen das Niveau des Corona-Jahres 2021. Damals war von der Möglichkeit jedoch an deutlich mehr Tagen Gebrauch gemacht worden: 40 Prozent der Erwerbstätigen im Homeoffice arbeiteten 2021 vollständig von zu Hause aus - 2025 waren es 24 Prozent.

46 Prozent der Homeoffice-Nutzenden arbeiteten im vergangenen Jahr hingegen an weniger als der Hälfte ihrer Arbeitstage am heimischen Schreibtisch. Genutzt wird die grundsätzliche Möglichkeit für das Arbeiten im Homeoffice überdies vor allem von Beschäftigten größerer Firmen: In Unternehmen mit mindestens 250 Beschäftigten war der Anteil 2025 mit 35 Prozent am höchsten; in kleinen Betrieben unter 50 Beschäftigten waren es dagegen nur 19 Prozent.

Den Daten des Bundesamtes zufolge gibt es zudem Unterschiede je nach Alter. Während die 35- bis 44-Jährigen mit 30 Prozent im vergangenen Jahr den höchsten Homeoffice-Anteil hatten, waren es bei den 55- bis 64-Jährigen nur 22 Prozent und bei den 15- bis 24-jährigen gar lediglich zehn Prozent. Hier könnten unterschiedliche private und berufsbedingte Faktoren eine Rolle spielen, führten die Statistiker aus: "Beispielsweise kann bei jüngeren Erwerbstätigen die Berufsausbildung die Möglichkeiten für Homeoffice einschränken." In den mittleren Altersjahren hingegen könne "die Notwendigkeit, private Verpflichtungen mit dem Beruf zu vereinbaren, zu einer stärkeren Nutzung des Homeoffice führen".

Große Diskrepanzen zeigen sich außerdem mit Blick auf die jeweilige Tätigkeit, die oftmals schlicht nicht von zu Hause aus erledigt werden kann: Während in der IT-Branche fast drei Viertel (74 Prozent) und bei Versicherungen und Pensionskassen 68 Prozent zumindest gelegentlich im Homeoffice arbeiten, konnten 2025 nur sechs Prozent der Beschäftigten in der Gastronomie ihre Arbeit auch zu Hause ausüben; in der Gebäudebetreuung oder im Garten- und Landschaftsbau waren es mit sieben Prozent ähnlich wenige Erwerbstätige.

Insgesamt lag Deutschland bei der zumindest gelegentlichen Homeoffice-Nutzung im vergangenen Jahr leicht über dem Durchschnitt der 27 EU-Mitgliedstaaten, der laut Statistik bei 23 Prozent lag. Am höchsten war der Anteil in den Niederlanden mit 52 Prozent, gefolgt von Schweden (45 Prozent) und Luxemburg (43 Prozent). Anteilig die wenigsten Berufstätigen arbeiteten hingegen in Rumänien und Bulgarien (jeweils vier Prozent) und Griechenland (sieben Prozent) von zu Hause aus.

In Deutschland hat sich das Arbeiten im Homeoffice insbesondere seit der Corona-Krise etabliert - vor der Pandemie, im Jahr 2019, hatten nur 13 Prozent der Erwerbstätigen zumindest gelegentlich von zu Hause aus gearbeitet. Nach der Pandemie war der Anteil dann wieder leicht gesunken, auf 23 Prozent im Jahr 2023, bis 2024 dann 24 Prozent erreicht wurden. Aktuell fordert etwa der Deutsche Gewerkschaftsbund angesichts der infolge des Iran-Krieges deutlich gestiegenen Spritpreise mehr Homeoffice.

Die wissenschaftliche Direktorin des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung, Bettina Kohlrausch, forderte am Mittwoch ein Recht auf Homeoffice. Mit 25 Prozent der Erwerbstätigen sei das Potenzial, im Homeoffice zu arbeiten, "noch lange nicht ausgeschöpft". Gerade für Frauen, "die im Durchschnitt immer noch den ganz überwiegenden Teil der Sorgearbeit erledigen, also etwa Kindererziehung, Pflege von Angehörigen oder Arbeit im Haushalt, ermöglicht das Homeoffice Flexibilität bei der Vereinbarkeit".

(L.Møller--DTZ)

Empfohlen

Greenpeace: Ölkonzerne steigern "Übergewinne" nach Ende des Tankrabatts stark

Die Umweltorganisation Greenpeace wirft den Ölkonzernen vor, nach dem Auslaufen des Tankrabatts ihre "Übergewinne" deutlich gesteigert zu haben. Seit dem 1. Juli lägen die zusätzlichen Gewinne ihrer Berechnung zufolge mit 10,8 Millionen Euro pro Tag auf einem neuen Höchststand, erklärte die Organisation am Mittwoch. Bei Diesel und Benzin zusammen seien es zwischen dem 1. und 7. Juli jeden Tag durchschnittlich 26,2 Millionen Euro zusätzlich.

ADAC: Tankrabatt-Ende lässt Spritpreise kräftig steigen

Nach dem Ende des staatlichen Tankrabatts Anfang Juli sind die Preise an den Zapfsäulen in Deutschland wieder gestiegen. Derzeit koste ein Liter Super E10 im bundesweiten Mittel 2,024 Euro und damit 10,1 Cent mehr als in der Vorwoche, teilte der ADAC am Mittwoch in München mit. Diesel liegt dem Automobilclub zufolge aktuell bei 1,953 Euro je Liter - 9,4 Cent mehr als eine Woche zuvor.

Wegen Streit bei der Nato: Trump will Handelsbeziehungen mit Spanien abbrechen

Weitere Eskalation zwischen den USA und Spanien: US-Präsident Donald Trump will wegen des aus seiner Sicht mangelnden Engagements Madrids in der Nato den Handel mit dem EU-Land einstellen. "Ich will nichts mit Spanien zu tun haben. Alle Handelsbeziehungen mit Spanien sollten abgebrochen werden", sagte Trump am Mittwoch beim Nato-Gipfel in Ankara. Ob ein solcher Handelsstopp umzusetzen ist, erscheint fraglich. In spanischen Regierungskreisen war von einer "gelassenen" Reaktion die Rede.

Neues Heizungsgesetz soll noch in dieser Woche beschlossen werden

Das neue Heizungsgesetz der Bundesregierung soll noch in dieser Woche beschlossen werden. Der federführende Bundestagsausschuss machte dafür am Mittwoch den Weg frei. Nach Möglichkeit sollen in den kommenden Tagen auch das Bundestagsplenum und der Bundesrat mit dem sogenannten Gebäudemodernisierungsgesetz befasst werden. Allerdings steht noch die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts zu einer Klage im Eilverfahren der Linken-Fraktion gegen das Gesetz aus.

Textgröße ändern: