Deutsche Tageszeitung - Umweltminister Schneider lehnt Stromnetzpläne von Wirtschaftsministerin Reiche ab

Umweltminister Schneider lehnt Stromnetzpläne von Wirtschaftsministerin Reiche ab


Umweltminister Schneider lehnt Stromnetzpläne von Wirtschaftsministerin Reiche ab
Umweltminister Schneider lehnt Stromnetzpläne von Wirtschaftsministerin Reiche ab / Foto: © AFP

Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD) lehnt die Pläne seiner Kabinettskollegin Katherina Reiche (CDU) zum künftigen Ausbau der Stromnetze ab. "Ich sehe noch erheblichen Verbesserungsbedarf", sagte er am Mittwoch der "Süddeutschen Zeitung". "Es darf nicht passieren, dass die Energiewende am Ende langsamer und teurer wird, weil das Gesetz neue Unsicherheiten schafft."

Textgröße ändern:

Die Kritik betrifft das sogenannte Netzpaket, das den Ausbau der erneuerbaren Energien besser mit dem Netzausbau koordinieren soll. Erste Entwürfe für das Gesetz aus Reiches Bundeswirtschaftsministerium hatten im Februar bereits für Kritik gesorgt. Moniert wird insbesondere, dass die Verteilnetzbetreiber künftig in bestimmten Gegenden nicht mehr dazu verpflichtet sein sollen, neue Erneuerbare-Energie-Anlagen anzuschließen.

Mitte März hatte Reiches Ministerium dieses Vorhaben in Grundzügen bestätigt. An Details werde noch gearbeitet, hieß es damals. Nun ist der Referentenentwurf des Gesetzes Medienberichten zufolge fertig und geht in die Ressortabstimmung mit den Kabinettskollegen. Dort droht weitere Verzögerung: Umweltminister Schneider forderte "volle Vorfahrt für heimische erneuerbare Energien", der Ausbau dürfe nicht ausgebremst werden.

Im Detail geht es um den sogenannten Redispatchvorbehalt: Die Verteilnetzbetreiber können Netzgebiete als "kapazitätslimitiert" ausweisen, wenn diese in der Vergangenheit überlastet waren, wenn also bereits installierte Anlagen zeitweise mehr Strom produzierten, als das Netz übertragen konnte. Neue Anlagen hätten dann keinen Anspruch mehr, zu den bisherigen Konditionen ans Netz angeschlossen zu werden. Die Kompensationszahlung, die sonst im Fall von netzbedingter Abregelungen an die Anlagenbetreiber fällig wird, würde dann wegfallen.

Kritiker befürchten, dass sich der Ausbau von Wind- und Solaranlagen dadurch deutlich verlangsamt. Umweltorganisationen etwa fordern, dass neue Energieanlagen weiterhin angeschlossen werden müssen und stattdessen die Netze besser ausgebaut werden.

Ebenfalls für viel Kritik sorgt seit Monaten die von Reiche geplante Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG). Sie soll insbesondere die staatliche Förderung privater Solaranlagen stark reduzieren. Die garantierte Einspeisevergütung für kleine Solaranlagen soll wegfallen und Betreiber kleiner Anlagen sollen ihren Strom selbst vermarkten. Die EEG-Reform richtet sich nach Angaben aus dem Wirtschaftsministerium gegen die derzeitige "Überförderung" neuer Solaranlagen.

Die Reform soll nun ebenfalls in die Ressortabstimmung gehen. An beiden Gesetzesentwürfen hat sich trotz der anhaltenden Kritik im Wesentlichen wenig geändert.

(L.Svenson--DTZ)

Empfohlen

Bundesgerichtshof verhandelt über Nutzung von Foto für KI-Training

Der Bundesgerichtshof in Karlsruhe verhandelt am Donnerstag (09.00 Uhr) über die Frage, ob ein Foto für das Training von Künstlicher Intelligenz (KI) genutzt werden darf. Ein Fotograf klagte gegen eine gemeinnützige Organisation, die kostenlos Milliarden von Datensätzen für KI-Training zur Verfügung stellt. Dazu lud sie vorübergehend öffentlich zugängliche Vorschaubilder herunter, auch eins von einem Foto des Klägers. (Az. I ZR 281/25)

Studie: Reale CO2-Bilanz von Plugin-Hybriden wird immer schlechter

Plugin-Hybrid-Autos stoßen im realen Verkehr deutlich mehr CO2 aus, als von den Herstellern angegeben wird - und die Lücke wird einer Studie zufolge immer größer. Bei Autos, die 2021 zugelassen wurden, sind die realen Emissionen im Schnitt 3,5-mal höher als angegeben, wie die Organisation International Council on Clean Transportation (ICCT) am Donnerstag mitteilte. Bei 2023 zugelassenen Wagen stieg die Lücke auf das 4,6-Fache.

Venezuela unterzeichnet milliardenschwere Verträge mit Chevron, ENI und GE Vernova

Im Beisein von US-Energieminister Chris Wright haben die Ölkonzerne Chevron und ENI sowie das Energieunternehmen GE Vernova milliardenschwere Verträge mit Venezuela unterzeichnet. Die Verträge lösten Investitionen im zweistelligen Milliardenbereich aus und seien "entscheidend, um den Prozess des Friedens, der Chancen und des Wohlstands" für die Venezolaner in Gang zu setzen, sagte Wright am Mittwoch in Caracas an der Seite der venezolanischen Übergangspräsidentin Delcy Rodríguez.

US-Richterin verhindert Abspaltung der Google-Werbeplattform

Die US-Regierung hatte aus Wettbewerbsgründen die Abspaltung der Google-Werbeplattform Ad Manager verlangt, eine Bundesrichterin hat dies aber nun verhindert. Die Richterin Leonie Brinkema erklärte am Mittwoch, stattdessen solle es strengere Auflagen für Google geben. Sie räumte dem Konzern und der Regierung eine Frist von 30 Tagen ein, um sich zu einigen.

Textgröße ändern: