Deutsche Tageszeitung - Migrationsforscher: Auszubildende aus dem Ausland landen oft in Schuldenfalle

Migrationsforscher: Auszubildende aus dem Ausland landen oft in Schuldenfalle


Migrationsforscher: Auszubildende aus dem Ausland landen oft in Schuldenfalle
Migrationsforscher: Auszubildende aus dem Ausland landen oft in Schuldenfalle / Foto: © AFP/Archiv

Studierende und Auszubildende aus dem Ausland landen in Deutschland oft in der Schuldenfalle oder in prekären Beschäftigungsverhältnissen. Der Sachverständigenrat für Integration und Migration (SVR) weist in einer am Donnerstag veröffentlichten Analyse darauf hin, dass die vereinfachten Möglichkeiten für Fachkräfte und Studierende aus Drittstaaten "Spielräume für eine zweckwidrige Nutzung" eröffneten und damit "zu prekären Arbeits- und Lebensverhältnissen führen" könnten.

Textgröße ändern:

Um Deutschland für Fachkräfte aus Drittstaaten sowie für eine Ausbildung oder ein Studium attraktiver zu machen, ist das Bildungs- und Erwerbsmigrationsrecht liberalisiert worden. Inzwischen zeigen sich jedoch laut dem Sachverständigenrat auch Schattenseiten dieser Entwicklung.

In den vergangenen Monaten hätten sich Berichte darüber gehäuft, "dass internationale Studierende und Auszubildende teilweise hochverschuldet sind und in prekären Arbeitsverhältnissen landen", erklärte SVR-Geschäftsführerin und Co-Autorin Cornelia Schu. "Fast sprichwörtlich geworden sind die etwa aus Indien stammenden Fahrer für Lieferdienste."

Junge Menschen aus Drittstaaten nähmen zum Teil hohe Kosten auf sich, um in Deutschland eine Ausbildung oder ein Studium aufzunehmen. "Private Vermittlungsagenturen im Herkunftsland locken sie mit dem Versprechen, sich um Studienplatz oder Ausbildungsvertrag, Sprachprüfung und Visum zu kümmern. Dafür verlangen sie erhebliche Summen", erklärte Schu.

Auch private Hochschulen, die sich vorwiegend über Studienentgelte finanzieren, würden gezielt internationale Studierende anwerben. "Um ihren Aufenthalt finanzieren und die Schulden begleichen zu können, sind manche internationalen Auszubildenden und Studierenden dann gezwungen, nebenher zu arbeiten - häufig in schlecht bezahlten und prekären Beschäftigungsverhältnissen wie etwa in Nagelstudios oder eben bei Lieferdiensten."

Der eigentliche Aufenthaltszweck, also die Ausbildung nach § 16a oder das Studium nach § 16b Aufenthaltsgesetz, trete dadurch in den Hintergrund, kritisierte der Sachverständigenrat. Das führe die Betroffenen in eine berufliche Sackgasse.

Bei ausländischen Studierenden werde diese Entwicklung durch den Ausbau von Online-Lehrangeboten an privaten Hochschulen verschärft. "Dadurch stellt sich zunehmend die aufenthaltsrechtliche Frage, ob Studiengänge mit geringen oder fehlenden Präsenzanteilen überhaupt eine Aufenthaltserlaubnis rechtfertigen", erklärte Holger Kolb, Co-Autor der Kurzstudie und Leiter des Bereichs Jahresgutachten beim SVR.

Viele Auszubildende verfügten zudem nur über geringe Deutschkenntnisse und könnten ihre Rechte gegenüber Arbeitgebenden oder Ausbildungsbetrieben oft kaum wahrnehmen. Kolb empfiehlt daher, dass die Behörden vor einer Visa-Erteilung einen Sprachnachweis einfordern, "auch um die meist sehr jungen Menschen besser zu schützen".

Bei den Vermittlungsagenturen aus dem Ausland gestalte sich die Nachsteuerung schwieriger. "Da die deutschen Gesetze zur privaten Arbeitsvermittlung in Drittstaaten nicht greifen, ist es wichtig, dass für mehr Transparenz auf dem Vermittlungsmarkt gesorgt wird, etwa durch Zertifizierung, empfiehlt Schu.

Auch bei der Chancenkarte, dem Aufenthaltstitel zur Arbeitsplatzsuche in Deutschland, zeigen sich den Experten zufolge Nebenwirkungen. Nutzer der Chancenkarte können branchen- und qualifikationsübergreifend einer Halbtagsbeschäftigung nachgehen. Dies berge das Risiko, dass Menschen die Chancenkarte nicht nutzen, um nach einer Beschäftigung zu suchen, die ihrer eigentlichen Ausbildung entspricht, sondern schlicht als Weg in eine vorübergehende Erwerbstätigkeit.

Der Sachverständigenrat für Integration und Migration ist ein unabhängiges und interdisziplinär besetztes Gremium der wissenschaftlichen Politikberatung. Mit seinen Gutachten soll das Gremium zur Urteilsbildung bei allen integrations- und migrationspolitisch verantwortlichen Instanzen sowie der Öffentlichkeit beitragen.

(M.Dylatov--DTZ)

Empfohlen

USA: Goldener Trump-Dollar kommt in Umlauf

In den USA kommt ein goldener Trump-Dollar in Umlauf. Die nationale Prägeanstalt teilte am Mittwoch im Onlinedienst X mit, sie gebe die Münze nun aus. Eine Rolle mit 25 Trump-Dollars kostet laut der Website der Münzanstalt 61 Dollar (rund 53 Euro). Ein Beutel mit 100 Trump-Goldstücken schlägt mit 154,50 Dollar zu Buche, ist also pro Münze günstiger.

US-Ölriese Chevron will Ölförderung in Venezuela verdoppeln

Der US-Energiekonzern Chevron hat eine deutliche Ausweitung seiner Ölförderung in Venezuela angekündigt. Mit dem südamerikanischen Land sei ein Vertrag im Wert von sieben Milliarden Dollar (rund sechs Milliarden Euro) über die Erschließung von zwei weiteren Ölfeldern im Orinoco-Gürtel geschlossen worden, teilte Chevron am Mittwoch mit. Innerhalb von fünf Jahren soll dies demnach eine Verdopplung der derzeitigen Fördermenge ermöglichen.

Niederlande verlagern 86 Tonnen ihrer Goldreserven aus USA und Kanada nach London

Die niederländische Zentralbank DNB hat nach eigenen Angaben 86 Tonnen ihres Goldbestands aus den USA und Kanada nach London verlagert. "Angesichts zunehmender politischer Unruhen verstärkt die DNB ihre Krisenvorsorge", erklärte die Bank am Mittwoch. In London gelagerte Goldreserven könnten einfacher gehandelt werden als die in New York oder Kanada. "Dadurch kann die DNB das Gold in einer Krisensituation am schnellsten einsetzen", fuhr die Bank fort.

Reiche stimmt Reform der Einkommensteuer im Kabinett zu - der Ärger der SPD bleibt

Die Bundesregierung hat die umstrittenen Pläne für die Einkommensteuerreform beschlossen. Das Kabinett billigte am Mittwoch einen Gesetzentwurf von Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) für eine Entlastung um zehn Milliarden Euro, die vor allem Familien und kleinen und mittleren Einkommen zugute kommen soll. Verärgert zeigten sich der Finanzminister und seine SPD weiter über Kritik aus dem Haus von CDU-Wirtschaftsministerin Katharina Reiche an dem in der Koalition vor Monaten vereinbarten Vorhaben.

Textgröße ändern: