Deutsche Tageszeitung - Diskussion um Ladenöffnungszeiten an Sonntagen nimmt an Fahrt auf

Diskussion um Ladenöffnungszeiten an Sonntagen nimmt an Fahrt auf


Diskussion um Ladenöffnungszeiten an Sonntagen nimmt an Fahrt auf

Nach der Ankündigung der Regierung, die Öffnungszeiten für Bäckereien und Konditoreien an Sonntagen zu verlängern, nimmt nun auch die Diskussion um die allgemeinen Ladenöffnungszeiten an Wochenenden an Fahrt auf: Der Wirtschaftsausschuss des Bundestags sowie der Tourismuskoordinator der Bundesregierung plädierten am Dienstag für eine deutliche Aufweichung des derzeit geltenden Öffnungsverbotes. Von Gewerkschaftsseite kam dagegen Widerspruch: "Der Sonntag ist für die Beschäftigten der einzige verlässlich planbare freie Tag", erklärte Verdi-Bundesvorstandsmitglied Silke Zimmer.

Textgröße ändern:

Für den Wirtschaftsausschuss des Bundestages sagte dessen Vorsitzender Christian von Stetten (CDU) der "Bild"-Zeitung: "Der Bundestag entscheidet über die Sonntagsarbeitszeiten und die Bundesländer über die Sonntagsöffnungszeiten." Er sei in beiden Fällen "für eine großzügige Ausweitung der bisherigen Regelungen." Zuvor hatte bereits der Hauptverband des Deutschen Einzelhandels (HDE) eine völlige Freigabe der Ladenöffnungszeiten an Sonntagen gefordert.

Der Tourismuskoordinator der Bundesregierung, Christoph Ploß (CDU), führte in den Zeitungen der Funke-Mediengruppe an: "Ob Urlauber sich für Deutschland entscheiden, hängt auch von attraktiven Geschäften und Verkaufsangeboten ab." Er könne die Argumente des Handels "auch aus tourismuspolitischer Sicht sehr gut nachvollziehen".

Die derzeitigen Regelungen stammten noch aus einer Zeit, "in der es keinen Online-Handel gab", sagte Ploß weiter. "Flexiblere Öffnungszeiten würden es den deutschen Einzelhändlern ermöglichen, im Wettbewerb mit den immer verfügbaren Online-Händlern mitzuhalten". Zudem würden liberalere Regeln "den deutschen Innenstädten einen Schub verleihen".

Auch der FDP-Vorsitzende Wolfgang Kubicki sagte der "Bild"-Zeitung: "Eine echte Flexibilisierung wäre dringend notwendig. Wer Läden zwangsweise geschlossen halten will, darf sich nicht über sterbende Innenstädte beschweren."

Dagegen erklärte Silke Zimmer von Verdi: "Auf den Vorschlag des HDE, die Sonntagspause im Handel komplett zu streichen, brauchte man nur zu warten - nachdem die Bundesregierung bereits weitere Sonntagsarbeit für Bäckereien und Konditoreien angekündigt hat." Dies sei aber "der falsche, arbeitsnehmerfeindliche Ansatz". Der Sonntag sei "für die Beschäftigten der einzige verlässlich planbare freie Tag, an dem Zeit für körperliche und mentale Entlastung in diesem anstrengenden Job bleibt".

Längere Ladenöffnungszeiten brächten nicht automatisch mehr Umsatz und auch keine lebendigen Innenstädte, sagte Zimmer. "Im Gegenteil: Sie sind ein starkes Instrument im Verdrängungswettbewerb der großen Handelskonzerne. Sie führen zur Verlagerung von Umsätzen vom Land hin zu den Städten und von kleinen mittelständischen Betrieben hin zu den Handelsriesen, die Sonntagsarbeit viel leichter organisieren können." Die Folge seien "immer trostlosere Innenstädte mit den immer gleichen Ketten".

Auch der Sozialverband Deutschland (SoVD) wehrt sich gegen eine Aufweichung des Sonntagsschutzes. "Der Sonntag ist verfassungsrechtlich geschützt und weit mehr als ein Wirtschaftsfaktor - er ist ein unverzichtbarer Tag für Erholung, Familie und gesellschaftlichen Zusammenhalt", sagte die Vorstandsvorsitzende Michaela Engelmeier den Funke-Zeitungen. Sonntagsarbeit sei dort notwendig, "wo sie der Daseinsvorsorge dient", also etwa im Gesundheitswesen oder bei Polizei und Verkehr. "In anderen Bereichen muss sie aber die Ausnahme bleiben", betonte Engelmeier.

Ausgelöst wurde die neue Diskussion von der Ankündigung der Bundesregierung, die Öffnungszeiten für Bäckereien und Konditoreien an Sonntagen zu verlängern. Laut einem in der vergangenen Woche veröffentlichten Beschlusspapier der Koalition sollen zum 1. Januar 2027 längere Sonntagsöffnungszeiten "für Bäckereien, Konditoreien und Bibliotheken" in Kraft treten. Im Entwurf aus dem Bundesarbeitsministerium hieß es dazu, Bäckereien sollen sonntags bis zu acht Stunden öffnen dürfen, öffentliche Bibliotheken bis zu sechs Stunden.

(M.Travkina--DTZ)

Empfohlen

Ifo: Exporterwartungen deutscher Unternehmen stark gestiegen

Die Stimmung in der deutschen Exportwirtschaft hat sich laut Umfrage des Ifo-Instituts deutlich verbessert. Die Erwartungen der Unternehmen stiegen im August auf 9,6 Punkte - im Juli lagen sie noch bei minus 2,8 Punkten, wie das Ifo am Mittwoch mitteilte. Der August-Wert sei der höchste seit Februar 2022, der Anstieg der stärkste seit Juni 2020.

Polizei in Australien sucht Austernbdiebe - Muscheln im Wert von mehr als 200.00 Euro gestohlen

Die Polizei in Australien ist auf der Jagd nach Austerndieben: Unbekannte hätten mehr als 400.000 der als Delikatesse geltenden Muscheln mit einem Gesamtwert von 350.000 australischen Dollar (gut 214.000 Euro) entwendet, gab die Polizei des südostaustralischen Bundesstaates New South Wales am Mittwoch bekannt. Mehr als 300 Säcke seien auf einer Austernfarm nahe Taree nördlich von Sydney gestohlen worden.

Handelsstreit zwischen USA und Kanada geht mit Gegenzöllen aus Ottawa in neue Runde

Weitere Runde im Handelsstreit zwischen den USA und Kanada: Ottawa hat am Dienstag auf die jüngst von Washington verhängten Zölle mit Gegenzöllen in Höhe von 15 bis 50 Prozent reagiert. Die ab dem 8. September geltenden Zölle entsprächen dem Niveau der US-Aufschläge, erklärten kanadische Regierungsvertreter. Die deutsche Automobilindustrie äußerte sich besorgt wegen möglicher Auswirkungen des Zollstreits auf deutsche Unternehmen.

Norwegen will Nutzung von Smart Glasses stärker regulieren

Die norwegische Regierung plant eigenen Angaben zufolge, die Nutzung sogenannter Smart Glasses und ähnlicher Geräte zu regulieren und erwägt, die Gesichtserkennungs-Funktion für die Spezialbrillen zu verbieten. Digitalministerin Karianne Tung teilte am Dienstag mit, sie wolle eine Expertengruppe einberufen, die die Regierung darin beraten solle, wie Verbraucher besser vor den neuen Technologien geschützt werden könnten. Sie rief zudem den öffentlichen und den privaten Sektor auf, eigene Richtlinien zu erwägen.

Textgröße ändern: