Deutsche Tageszeitung - Studie: Lohnstückkosten steigen in Deutschland vor allem wegen schwacher Produktivität

Studie: Lohnstückkosten steigen in Deutschland vor allem wegen schwacher Produktivität


Studie: Lohnstückkosten steigen in Deutschland vor allem wegen schwacher Produktivität
Studie: Lohnstückkosten steigen in Deutschland vor allem wegen schwacher Produktivität / Foto: © AFP

Die zu zahlenden Löhne fallen für deutsche Unternehmen im Zuge der Krisen der vergangenen Jahre immer stärker ins Gewicht. Einer am Donnerstag veröffentlichten Studie des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der Böckler-Stiftung zufolge liegt dies jedoch vor allem an der schwachen Produktivitätsentwicklung. Im EU-Vergleich fällt Deutschland bei den Arbeitskosten pro Stunde demnach sogar zurück.

Textgröße ändern:

Die Lohnstückkosten, also die Arbeitskosten im Verhältnis zur Produktivität, stiegen in Deutschland im vergangenen Jahr um 4,5 Prozent und somit deutlich stärker als im Schnitt der Euroländer (3,0 Prozent), wie das IMK mitteilte. Überdurchschnittlich hohe Anstiege gab es auch in Spanien (4,0 Prozent), Italien und den Niederlanden (jeweils 3,4 Prozent). Insbesondere in Frankreich fiel das Plus mit 1,4 Prozent eher niedrig aus.

Bei den reinen Arbeitskosten fiel Deutschland hingegen zurück. Mit Arbeitskosten von 45,70 Euro pro Stunde in der Privatwirtschaft rangierte die Bundesrepublik Ende 2025 auf Position sieben in der EU, im Vorjahr war es Rang fünf. Schweden und die Niederlande überholten Deutschland. Außerdem sind die Lohnkosten in Luxemburg, Dänemark, Belgien und Österreich höher.

"Die deutsche Arbeitskostenentwicklung war 2025 unauffällig und nicht der wesentliche Treiber des Lohnstückkosten-Anstiegs", erklärten die IMK-Forschenden Alexander Herzog-Stein, Ulrike Stein und Nico Rudorf. "Ausschlaggebend war die anhaltende Nachfrageschwäche, die die Wirtschaftsentwicklung dämpfte und bei gleichzeitig robustem Arbeitsmarkt das Produktivitätswachstum bremste."

2025 ist zudem bei dieser Entwicklung keine Ausnahme. Die Lohnstückkosten in Deutschland sind über die vergangenen Jahre überdurchschnittlich stark gestiegen - vor allem wegen fehlender Produktivitätssteigerungen. Die Studie hat als einen gewichtigen Grund dafür identifiziert, dass viele Unternehmen trotz geringerer Nachfrage und Auslastung ihre Beschäftigung lange relativ wenig reduziert haben.

Mit dieser Strategie seien deutsche Unternehmen in vergangenen Krisen wie der Finanz- und Weltwirtschaftskrise 2008 und 2009 gut gefahren: "Als die globale Konjunktur wieder anzog, konnten sie mit eingespielten Belegschaften durchstarten", erklären die Studienautoren. "Angesichts des demografischen Wandels erscheint das umso sinnvoller." In der aktuellen Aneinanderreihung von Krisen seit der Corona-Pandemie 2020 belasten die hohen Kosten jedoch zunehmend die Wirtschaft.

Die IMK-Forschenden haben zudem eine "im internationalen Vergleich geringe Kapitalakkumulation bei Informations- und Kommunikationstechnologien" identifiziert. Sprich: Deutsche Unternehmen investieren zu wenig in Digitalisierung und Zukunftstechnologien - auf Kosten der gesamten Produktivitätsentwicklung. Deutschland hinke dabei nicht nur den USA hinterher, sondern auch vergleichbaren EU-Staaten.

(V.Sørensen--DTZ)

Empfohlen

DGB-Ausbildungsreport: Zufriedenheit unter Azubis erreicht neuen Tiefpunkt

Die Zufriedenheit der Auszubildenden in Deutschland hat einen neuen Tiefstand erreicht: Zwar sind dem am Donnerstag vorgestellten Ausbildungsreport des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) zufolge mit 65,7 Prozent rund zwei Drittel der befragten Auszubildenden zufrieden mit ihrer Ausbildung. Das sei allerdings ein Rückgang um fast sechs Prozentpunkte im Vergleich zum Vorjahr und der niedrigste Stand seit Beginn der Erhebungen. Die Hälfte der Azubis gibt zudem an, psychisch belastet zu sein.

Mehr deutsche Exporte im ersten Halbjahr - USA und China bereiten Sorgen

Die deutschen Exporte sind im ersten Halbjahr zwar gestiegen, die Entwicklung im Handel mit den Schwergewichten USA und China bereitet jedoch Sorgen: Die Lieferungen in beide Länder sackten deutlich ab. Kompensiert wurde dies von deutlichen Steigerungen bei den Lieferungen in andere EU-Länder, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden am Donnerstag mitteilte. Die Importe insbesondere aus China stiegen deutlich, die deutsche Außenhandelsbilanz verschlechterte sich daher.

Verband: Solarausbauziel für 2026 bereits erreicht - weiterer Ausbau aber gefährdet

Das gesetzlich festgelegte Ausbauziel für Solarenergie für 2026 ist bereits erreicht worden. "Die bundesweit installierte Photovoltaik-Leistung hat im August die Marke von 128 Gigawattpeak (GWp) überschritten", erklärte der Bundesverband Solarwirtschaft (BSW) am Donnerstag. Wegen der Energiepolitik von Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) hält der Verband die Erreichung für die weiteren Etappenziele jedoch für gefährdet.

Niedrige Speicherstände: Verbraucherschützer warnen vor steigenden Gaspreisen

Angesichts der geringen Füllstände der Gasspeicher hat der Bundesverband der Verbraucherzentralen (vzbv) vor steigenden Preisen für Gaskunden gewarnt. "Niedrige Speicherstände würden die bereits angespannte Lage auf den Energiemärkten in der kommenden Heizsaison weiter verschärfen", sagte vzbv-Vorständin Ramona Pop der "Rheinischen Post" (Donnerstagsausgabe). "Für Privathaushalte kann das höhere Energiepreise bedeuten."

Textgröße ändern: