Deutsche Tageszeitung - EZB-Chefin Lagarde warnt: Europa darf KI-Revolution nicht verpassen

EZB-Chefin Lagarde warnt: Europa darf KI-Revolution nicht verpassen


EZB-Chefin Lagarde warnt: Europa darf KI-Revolution nicht verpassen
EZB-Chefin Lagarde warnt: Europa darf KI-Revolution nicht verpassen / Foto: © AFP

Europa darf im Bereich Künstliche Intelligenz nach Auffassung der Chefin der Europäischen Zentralbank (EZB), Christine Lagarde, nicht weiter zurückfallen. Der Kontinent dürfe die aktuelle KI-Revolution nicht verpassen, sagte die Französin am Mittwoch bei einem Event des Weltwirtschaftsforums in Genf. EU-Unternehmen investieren stark in KI, dennoch gelten die USA und China als unangefochtene Spitzenreiter.

Textgröße ändern:

"Europa hat die erste digitale Revolution weitgehend verpasst", sagte Lagarde. Die wirtschaftlichen Vorteile der Verbreitung von Informations- und Kommunikationstechnologien seien "unverhältnismäßig stark anderswo erzielt worden", führte sie aus. "Wir können es uns nicht leisten, diese Erfahrung bei der Künstlichen Intelligenz, der zweiten digitalen Revolution, zu wiederholen."

Die EZB-Chefin verwies auf eine hinderliche "Fragmentierung" des EU-Marktes. Dies führe dazu, dass Unternehmen auch innerhalb der Eurozone nicht ausreichend miteinander konkurrierten und zudem Schwierigkeiten hätten, Kapital zu beschaffen - insbesondere im Vergleich zu ihren US-Konkurrenten. "Die Folge ist, dass weniger Unternehmen zu globaler Größe heranwachsen und sich neue Technologien langsamer in der Wirtschaft verbreiten."

Lagarde betonte zudem die grundsätzlichen Probleme der europäischen Volkswirtschaften. Das Nachkriegswachstumsmodell Europas stehe zunehmend in Frage. Die Europäer hätten lange von drei Faktoren profitiert: einer regelbasierten Weltordnung, die durch Sicherheitsgarantien der USA gestützt wurde, günstiger Energie und einem expandierenden Welthandel. "Alle drei verlieren angesichts des sich wandelnden internationalen Umfelds an Bedeutung", warnte die Zentralbankchefin.

(M.Travkina--DTZ)

Empfohlen

Fast zwei Billionen: US-Neuverschuldung steigt unter Trump auf Fünf-Jahres-Hoch

Die Neuverschuldung der USA ist trotz der von Präsident Donald Trump angekündigten Ausgabenkürzungen auf den höchsten Stand seit 2021 gestiegen. Im Haushaltsjahr 2026, das Ende September endete, betrug das Defizit 1,99 Billionen Dollar und damit zwölf Prozent mehr als im Vorjahr, wie das Finanzministerium am Freitag in Washington mitteilte.

Selenskyj setzt nach Streit mit Trump verstärkt auf die Europäer

Wenn es mit den USA knirscht, kann die Ukraine immer noch auf Europa zählen: Das versicherten sich EU-Staats- und Regierungschefs und der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj am zweiten Tag des EU-Gipfels gegenseitig. "Unterstützung und nur Unterstützung" habe er von seinen EU-Kollegen erhalten, sagte Selenskyj am Freitag vor Journalisten in Brüssel. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) äußerte unterdessen Verständnis dafür, dass die Ukraine ihre Angriffe auf Russland fortsetzt.

Merz nach Einigung mit Frankreich: Verbrenner-Aus ist "damit Geschichte"

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hat sich angesichts der deutsch-französischen Einigung zur Autoindustriepolitik erleichtert gezeigt. "Ich will es mal ganz einfach so sagen: Das Verbrenner-Aus ist dann damit Geschichte", sagte Merz zum Ende des EU-Gipfels in Brüssel am Freitag. Er sei "sehr dankbar", dass dies gelungen sei.

Nach Diesel-Deal: Selenskyj warnt vor weiteren Lockerungen bei Sanktionen

Angesichts der derzeit angespannten Beziehungen zwischen den USA und der Ukraine hat sich der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj in Brüssel der Unterstützung seiner europäischen Verbündeten versichert. Er habe von seinen europäischen Kollegen "Unterstützung und nur Unterstützung" erhalten, sagte Selenskyj am Rande des EU-Gipfels am Freitag vor Journalisten. Mit Blick auf die Drosselung des Satelliten-Kommunikationsdienstes Starlink bemerkte er, die Geschwindigkeit sei noch nicht wieder voll hergestellt.

Textgröße ändern: