Deutsche Tageszeitung - Grüne Woche: Bauernpräsident warnt vor Überregulierung und fordert Politikwechsel

Grüne Woche: Bauernpräsident warnt vor Überregulierung und fordert Politikwechsel


Grüne Woche: Bauernpräsident warnt vor Überregulierung und fordert Politikwechsel
Grüne Woche: Bauernpräsident warnt vor Überregulierung und fordert Politikwechsel / Foto: © AFP

Zum Auftakt der Grünen Woche in Berlin hat Bauernpräsident Joachim Rukwied einen Politikwechsel in Deutschland gefordert. Nötig sei "ein grundsätzlicher Neustart", sagte Rukwied am Donnerstagabend und drang auf einen "wirksamen Bürokratieabbau für unsere Betriebe". Überschattet wird die Landwirtschafts- und Lebensmittelmesse vom Ausbruch der Maul- und Klauenseuche (MKS) in Deutschland, der laut Deutschem Raiffeisenverband schon "immense" wirtschaftliche Schäden angerichtet hat.

Textgröße ändern:

Bauernpräsident Rukwied betonte, dass den Landwirtinnen und Landwirten gerade in unsicheren Zeiten eine entscheidende Rolle zukomme. "Ernährungssicherheit ist keine Selbstverständlichkeit und gleichzeitig ist sie ein Garant für politische und gesellschaftliche Stabilität", sagte er. "Auch deshalb müssen wir eine sichere Versorgung mit heimischen Lebensmitteln aufrechterhalten und dürfen uns nicht von Importen aus dem Ausland abhängig machen."

Mit Blick auf Klima- und Artenschutz sagte er, dass sich die Bauern "ihrer Verantwortung bewusst" seien und bereits zahlreiche Maßnahmen umsetzen würden. Die Landwirtschaft spiele eine "Schlüsselrolle" bei der Lösung der großen Herausforderungen. Entscheidend sei aber, "dass auch hier die richtigen politischen Rahmenbedingungen gesetzt werden", forderte er. "Überregulierung ist der falsche Weg."

Große Sorge bereit vielen Akteuren unterdessen der Ausbruch der Maul- und Klauenseuche (MKS) in Deutschland. Laut dem Deutschen Raiffeisenverband hat die Tierseuche schon "immense" wirtschaftliche Schäden angerichtet: "Entlang der Wertschöpfungskette gehen wir davon aus, dass bereits jetzt ein Umsatzverlust von mehr als einer Milliarde Euro existiert", sagte der Hauptgeschäftsführer des Verbands, Jörg Migende, am Donnerstag in der ARD.

Der bisherige Schaden sei unter anderem dadurch entstanden, dass Länder außerhalb der EU wie Südkorea, Mexiko und Großbritannien die Einfuhr von Fleisch- und Milchprodukten aus Deutschland gestoppt haben. In seiner Schätzung rechnet der Raiffeisenverband laut ARD auch Verwerfungen im EU-Binnenmarkt hinzu: Unternehmen aus EU-Ländern mieden gerade aus Unsicherheit Ware aus ganz Deutschland.

Die MKS war am Freitag auf einem Hof im brandenburgischen Landkreis Märkisch-Oderland festgestellt worden; drei Wasserbüffel starben an der Seuche, nachdem es zuvor in Deutschland jahrzehntelang keine Fälle gegeben hatte.

Auswirkungen hat dies auch auf die Grüne Woche in Berlin, bei der in diesem Jahr rund 1500 Aussteller aus fast 60 Ländern zu Gast sind. So werden in diesem Jahr Klauentiere wie Rinder, Schweine, Schafe oder Ziegen nicht ausgestellt. Rund 300 Veranstaltungen sollen über die Herausforderungen der Land- und Ernährungswirtschaft informieren. Start fürs Publikum ist Freitag um 10.00 Uhr.

(P.Tomczyk--DTZ)

Empfohlen

Wal-Drama an Ostseeküste: Wal bewegt sich weiter nicht von der Stelle

Im Drama um den vor der Ostseeküste bei Wismar liegenden Buckwal deutet weiter nichts auf eine positive Wendung hin. Der Meeressäuger liege immer noch an der selben Stelle, an der er sich am Dienstag festgeschwommen habe, teilte das Umweltministerium von Mecklenburg-Vorpommern am Donnerstag in Schwerin mit. Es atme noch etwa alle fünf Minuten. Die Behörden bereiten unterdessen die spätere Bergung des Kadavers vor.

Blindenschrift: Braille für Aufnahme als immaterielles Kulturerbe nominiert

Die Blindenschrift Braille soll nach dem Willen Deutschlands und Frankreichs immaterielles Kulturerbe werden. Wie die Deutsche Unesco-Kommission am Donnerstag in Bonn mitteilte, nominieren beide Länder "Braille: Lesen und Schreiben durch Tasten" gemeinsam bei der Kulturorganisation der Vereinten Nationen für die Aufnahme in die Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit. Der zuständige Ausschuss wird Ende 2027 darüber entscheiden.

Brasilien erlaubt gemeinsames Sorgerecht für Haustiere

Geschiedene Paare in Brasilien können aufatmen: Laut einem vom brasilianischen Kongress verabschiedeten Gesetz können sie fortan das gemeinsame Sorgerecht für ihre Haustiere bekommen. Sollten Paare nach der Trennung sich nicht über den Verbleib ihrer tierischen Lieblinge einigen können, werde "ein Richter das gemeinsame Sorgerecht und die gleichteilige Aufteilung der Kosten für den Unterhalt des Tieres bestimmen", heißt es in dem am Dienstag verabschiedeten Gesetz.

Keine Hoffnung mehr: Vor Wismar festliegender Wal wird laut Experten sterben

Behörden und Experten haben die Hoffnung für den im flachen Wasser der Ostsee vor der Insel Poel bei Wismar festliegenden Buckelwal aufgegeben. "Wir gehen fest davon aus, dass das Tier dort verstirbt", sagte der an der Rettung beteiligte Experte Burkard Baschek am Mittwoch in Wismar bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (SPD). Es sei nun die Zeit gekommen, "ihn gehen zu lassen". Es bestehe inzwischen keine Hoffnung mehr.

Textgröße ändern: