Deutsche Tageszeitung - Erneute Proteste im Iran trotz zunehmender Repressionen

Erneute Proteste im Iran trotz zunehmender Repressionen


Erneute Proteste im Iran trotz zunehmender Repressionen
Erneute Proteste im Iran trotz zunehmender Repressionen / Foto: © AFP

Im Iran haben trotz zunehmender Repressionen nach Angaben von Aktivisten erneut Menschen im ganzen Land gegen die religiöse Führung des Landes protestiert. Unter anderem in Wohngebieten, an Universitäten und auf den Straßen wurde demnach am Dienstag demonstriert. So berichtete die in Norwegen ansässige Menschenrechtsgruppe Iran Human Rights (IHR) von einem Sitzprotest an der Universität Isfahan. Eine ähnliche Aktion gab es Onlinemedien zufolge auch an einer Universität in Teheran.

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Bereits am Montagabend war es dem Onlinemediendienst 1500Taswir zufolge im Teheraner Stadtviertel Ekbatan zu Zusammenstößen gekommen: Einwohner riefen Slogans der Protestbewegung, darunter "Tod dem Diktator"; Sicherheitskräfte setzten Blendgranaten ein.

Die iranischen Behörden erklärten ihrerseits am Dienstag, sie hätten acht bei Protesten festgenommene Journalisten freigelassen. "Bislang wurden acht Personen freigelassen", berichtete die staatliche Nachrichtenagentur Isna unter Berufung auf einen Vertreter des Kulturministeriums.

Im Iran gibt es seit mehr als sechs Wochen eine andauernde landesweite Protestwelle - die größte seit Jahren. Sie war im September durch den Tod der jungen Kurdin Mahsa Amini nach ihrer Festnahme durch die sogenannte Sittenpolizei ausgelöst worden. Die 22-Jährige hatte ihr Kopftuch angeblich nicht vorschriftsgemäß getragen. Aktivisten werfen den Sicherheitskräften vor, die junge Frau misshandelt zu haben.

Nach IHR-Angaben wurden bislang bei der gewaltsamen Niederschlagung der Proteste mindestens 160 Menschen getötet. Mindestens weitere 93 Menschen starben bei einer anderen Protestwelle in der Stadt Sahedan in der südöstlichen Provinz Sistan-Balutschistan.

Nach Angaben der Justiz wurden zudem bereits tausend Menschen im Zusammenhang mit den als "Unruhen" bezeichneten Protesten angeklagt. Einem Teil von ihnen droht die Todesstrafe.

(L.Svenson--DTZ)