Deutsche Tageszeitung - Israel trauert um Opfer der Massenpanik bei Pilgerfest am Berg Meron

Israel trauert um Opfer der Massenpanik bei Pilgerfest am Berg Meron


Israel trauert um Opfer der Massenpanik bei Pilgerfest am Berg Meron
Israel trauert um Opfer der Massenpanik bei Pilgerfest am Berg Meron / Foto: ©

Israel weint um die Opfer der Massenpanik bei einem Pilgerfest am Berg Meron: Mit einer landesweiten Staatstrauer wurde am Sonntag der 45 Todesopfer gedacht; an allen öffentlichen Gebäuden wehten die Fahnen auf halbmast. Derweil wurden nach einer eintägigen Sabbat-Pause die letzten Leichen bestattet, rund ein Drittel der Todesopfer waren Kinder und Jugendliche. In den Medien wurde unterdessen die Frage lauter, wer für die Tragödie verantwortlich war und ob sie hätte vermieden werden können.

Textgröße ändern:

Bei einem Gedränge am Grab des im zweiten Jahrhundert gestorbenen Rabbiners Schimon Bar Jochai am Berg Meron im Norden des Landes waren in der Nacht zum Freitag 45 Menschen ums Leben gekommen, rund 120 weitere wurden nach Angaben der israelischen Hilfsorganisation Magen David Adom (MDA) verletzt. Zehntausende meist ultraorthodoxe Juden hatten entgegen den Corona-Auflagen an der Wallfahrtsstätte den jüdischen Festtag Lag Baomer gefeiert.

Unter den Toten waren nach Behördenangaben auch zwei Kanadier und vier US-Bürger. Mindestens 16 Opfer waren jünger als 20 Jahre, das jüngste Opfer war neun. Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu sprach von einer der "größten Katastrophen" seit der Staatsgründung vor sieben Jahrzehnten und versprach umfassende Aufklärung, um eine derartige Tragödie in Zukunft zu vermeiden. Später schloss sich der Regierungschef den über 2000 Menschen an, die für die Verletzten Blut spendeten.

Das Unglück ereignete sich in einem für Männer vorbehaltenen Bereich der Pilgerstätte am Berg Meron. Die Behörden nahmen noch am Freitag Ermittlungen auf, doch blieben die Hintergründe auch zwei Tage später weitgehend unklar. Zahlreiche Zeugen hatten berichtet, dass es zu dem tödlichen Gedränge in einer engen Passage gekommen war, nachdem einige Pilger dort ausgerutscht und gestürzt waren.

Der 36-jährige Avigdor Hajut berichtete am Sonntag, wie er und seine beiden Söhne im Gedränge gestürzt waren. Während sein jüngerer Sohn wie durch ein Wunder überlebt habe und er selbst mit gebrochenen Rippen und Knöchel davongekommen sei, sei sein 13-jähriger Sohn Jedija gestorben.

Die Feier war die größte öffentliche Veranstaltung in Israel seit Beginn der Corona-Pandemie vor mehr als einem Jahr. Wegen der Corona-Krise hatten die Behörden die Teilnehmerzahl im Vorfeld auf 10.000 beschränkt, nach Medienberichten versammelten sich jedoch rund 100.000 Pilger am Berg Meron.

Nach Angaben des Jerusalemer Rabbiners Tuvia Rosen zieht die Feier zu Lag Baomer, bei der getanzt, gesungen und kostenloses Essen verteilt wird, jedes Jahr mehr und mehr ultraorthodoxe Juden an. Medienberichten zufolge hatte es schon seit längerem Warnungen gegeben, dass die Pilgerstätte und ihre Umgebung nicht für Massenveranstaltungen wie zum Festtag Lag Baomer geeignet sei.

Die Zeitung "Haaretz" sprach am Sonntag von einer "Todesfalle". Unter der Titel "Übernehmen Sie Verantwortung" listete die Tageszeitung "Yediot Aharanot" eine Reihe von Amtsträgern auf, die sich einigen kritischen Fragen zu stellen hätten.

In der Kritik steht unter anderem Verkehrsministerin Miri Regev, weil sie laut Medien zuließ, dass die Pilger mit tausenden öffentlichen Bussen zu der Pilgerstätte gebracht wurden. Der Minister für Öffentliche Sicherheit, Amir Ohana, kündigte unterdessen an, er sei bereit, Verantwortung zu übernehmen. Gleichzeitig aber wies er jede persönliche Schuld von sich.

Der Oberrabbiner der aschkenasischen Juden, David Lau, schlug am Sonntag vor, die Feiern am Berg Meron künftig auf eine Woche auszudehnen, um sie zu entzerren.

(P.Vasilyevsky--DTZ)

Empfohlen

Schülerproteste in Frankreich: Mehrere Jugendliche schwer verletzt

Bei den anhaltenden Schülerprotesten in Frankreich sind inzwischen mehrere Jugendliche schwer verletzt worden: Einem 15 Jahre alten Schüler wurde am Montag im nordfranzösischen Lens durch die Explosion einer Polizeigranate die Hand abgerissen. In knapp 590 Schulen kam es erneut zu Unruhen. In Paris legten Randalierer Feuer am Eingang einer Schule, während sich Schüler im Inneren aufhielten.

Wegen Verfolgung von Frauen: Strafgericht erlässt Haftbefehle gegen Taliban-Minister

Wegen der Verfolgung von Frauen hat der Internationale Strafgerichtshof Haftbefehle gegen zwei afghanische Minister veröffentlicht, die für die Bildungspolitik in dem Land zuständig sind. Es gebe "hinreichende Anhaltspunkte", dass Bildungsminister Habibullah Agha und Hochschulminister Mohammad Nadim für Verbrechen gegen die Menschlichkeit mit geschlechtsspezifischer Ausrichtung verantwortlich seien, erklärte die Vorverfahrenskammer am Montag. Diese richteten sich "gegen Mädchen, Frauen und andere Menschen, die sich nicht der Politik der Taliban in Bezug auf Geschlechteridentitäten unterwerfen".

Urteil: Preiserhöhung von Extraenergie trotz Preisgarantie unzulässig

Eine Preiserhöhung für Strom und Gas trotz Preisgarantie des Anbieters ist unzulässig. Das entschied am Montag das Oberlandesgericht Hamm. Demnach waren alle Preiserhöhungen des Unternehmens Extraenergie zum 1. September, 1. November und 1. Dezember 2022 unwirksam. Für die betroffenen Kundinnen und Kunden gelte der ursprünglich gezahlte Preis. (Az. 2 VKl 2/23)

Duisburg: 16-Jähriger zweimal in wenigen Stunden mit geklauten Fahrzeugen erwischt

Zweimal innerhalb weniger Stunden ist ein 16-Jähriger in Duisburg mit gestohlenen Fahrzeugen erwischt worden. Zunächst meldete ein 22-Jähriger am Samstagabend, dass sein Motorrad entwendet wurde, wie die Polizei am Montag in der nordrhein-westfälischen Stadt mitteilte. Über einen Ortungssensor und eine App auf dem Smartphone des Geschädigten entdeckten die Beamten den 16-jährigen Dieb und das Fahrzeug auf einer Straße.

Textgröße ändern: